Kelt war sehr höflich. Er wandte sich gleich an Richard Freyer. „Sie Erfüller aller Wünsche,“ sagte er herzlich. „Ich habe Leonore nur einmal einen Tannenzweig von Kapellendorf gebracht. Und Sie konnten ihr die alte Heimat wiedergeben. Wie ist das schön. Wir haben oft von Kapellendorf gesprochen — ich sage ‚wir‘, denn es war in der Zeit, als wir das Heimweh miteinander teilten.“
Es stand Wein auf dem Tisch. Kelt erhob sein Glas. „Kapellendorf und seinen Laren!“
„Und seinen Gästen,“ sagte Freyer rasch.
Die Gläser gaben einen feinen Harfenton. Es klang Leonore wie eine Musik voll Lust.
Das fremde junge Mädchen, das noch wenig gesprochen hatte, begann zu reden. „Wir haben in unserer Heimat eine kleine, alte Volkssitte. Wer als Fremdling in ein Haus kommt, darf um das Glas bitten, aus dem die Herrin getrunken hat. Er darf es zu Ende trinken, zum Zeichen, daß er kein Fremder mehr sein soll.“ Und das junge Mädchen stand vor Leonore und hatte den roten Mund ein wenig geöffnet und lächelte mit den Chrysoprasaugen, die sie hatte wie der Bruder.
Leonore reichte ihr das Glas. „Nein, Sie sollen hier nicht Fremde sein.“
„Dank — vielen Dank.“
Der kleine Vorgang war mit viel Anmut geschehen. Nun fragte Leonore: „Und die arme Herrin muß dann, darf dann den Abend keinen Wein mehr haben.“
„Wenn sie will — schon,“ und das schöne Mädchen brachte Leonore das andere Glas.
Der Abend ging. — O, es war ein wunderlicher Abend, Leonore — —