Der Tierarzt bot Clemence den Arm, nun hatte Leonore ihre beiden Freunde wieder.

Kurtzen fragte: „Du, Leonore, hast du auch dem Tierarzt gesagt, daß er deiner Cousine den Hof machen soll?“

„Aber Dankmar — einem Fremden! Ich bitte dich. Du gehörst doch zu uns, und wir kennen einander. Der Tierarzt ist aber erwachsen, der tut es von selbst.“

„Es ist nicht schicklich, ohne weiteres einer Dame den Arm zu bieten. Der Bursche nimmt sich Frechheiten heraus,“ sagte Graf Kurtzen.

„Aber du hast es doch auch getan, Dankmar?“

„Das ist etwas ganz anderes — ich bin mit euch allen befreundet.“ —

Am andern Tag erschien der Tierarzt im Schloß. In full dress erschien der Tierarzt, im schönsten five o’clook tea-Rock — man mußte unwillkürlich in Modeworten denken, wenn man ihn so ansah. Der Tierarzt erfüllte das Zimmer mit Lustigkeit und Lachen. Auch roch er nach Chypre. Und Clemence wurde angesteckt von der Heiterkeit des Tierarztes. Sie roch nach White rose. Dieser Zusammenklang von Düften erweckte in Leonore ein unbestimmtes Mißtrauen.

„Ich hoffe, das gnädige Fräulein unterstützt meine Bitte,“ sagte der Tierarzt und machte zu Leonores Ergötzen im Sitzen nach vier Seiten hin kleine Verbeugungen. „Es ist, wir wollen durch die hiesigen Schauspieler die Preziosa von Pius Alexander Wolff mit der Musik von Karl Maria von Weber aufführen lassen. Ich habe schon alles geordnet. Nun wäre meine Bitte: Kein geeigneterer Platz dürfte sich finden, als unten der Schloßhof. Die Bäume, die alten Mauern, alles ist vortrefflich geeignet. Wir würden wegen der Feuersgefahr von Pechfackeln absehen. Wir würden —“

Die Anwesenden hörten noch vieles. Alles war schon fertig bedacht. Der Oberförster hatte noch kein Wort sagen können, da stand schon die bisher so stille und scheue Clemence neben ihm und legte ihre Lilienhand auf seinen Rockärmel. „Bitte, bitte, nicht nein sagen, Großpapachen?“

Leonore mißfiel diese Schelmerei aus Modejournalen. Doch der Großvater war von solchen Tönen, welche die schöne Enkelin noch nie angeschlagen hatte, ganz verblüfft. „Macht dir denn das so viel Spaß, Kind?“