Hierauf erwiderte Clemence: „Du hast es erlaubt, Großpapachen. Du bist der netteste Großpapa von der Welt.“

Gut — also die Preziosa würde im Schloßhof aufgeführt werden. Auch das würde ja mit der Zeit und Gottes Hülfe einmal überstanden sein, sagte der Großvater, der kein Freund von in Flitter gekleideter Armut war. —

Leonore mußte annehmen, die Cousine verstand wirklich die deutsche Sprache nicht so genau oder ihre Kunstbegeisterung war so groß: denn die bisher so gemessene Clemence redete jetzt unablässig davon, daß der Tierarzt ein reizender Mensch sei. Jeden Abend kam so sicher wie der Tageswechsel der reizende Mensch, rannte in full dress mit Clemence im Schloßhof umher, roch nach Chypre, lachte, zog Drähte von Baum zu Baum, schleppte Steine in die Mitte und plauderte unablässig mit Clemence.

Leonore hatte ein unklares Mißfallen an der Art der beiden. Zugleich aber war es doch eine große Lockung, auch bei den Vorbereitungen zu helfen. Nur Dankmar Kurtzen beteiligte sich nicht. An ihn kamen jetzt immer geheimnisvolle Sendungen, mit denen er sich ganze Abende lang einschloß.

Mittags benutzte Margarete Wachenhusen, geborene von Blumauer, die Drähte zu einem schrecklichen Zweck: sie trocknete an ihnen die gelblichen Leinwandfetzen, mit denen sie ihr krankes Bein verband.

Nun endlich — die Preziosa kam in den Schloßhof, die Großeltern bewunderten die Kostüme, die Frau Wachenhusen aus bei ihnen gesammelten Kleidern entworfen hatte, die Großeltern bewunderten die Lichter und das Geschrei und die einsame Okarina.

Die geladenen Honoratioren waren bemüht, das Gratisvergnügen schön zu finden, und Leonore beschloß, der sentimentalischen Tauben, die, weil Frau Demetrius die Preziosa spielte, einen Zigeuner darstellen mußte, demnächst ein anonymes Geschenk zu machen.

Der Tierarzt wich keinen Augenblick von Clemences Seite. Graf Kurtzen schien über alles, was um ihn vorging, erbittert zu sein.

Als die Schauspieler fort waren, trank man unten noch ein Glas Waldmeisterwein. Leonore fühlte sich sehr angeregt und wähnte, mit Rittern und Edelfrauen in alten, unnennbaren Tagen auf einem Schloß der Normandie des Lebens Feste zu feiern. Man trennte sich nur schwer, als endlich der letzte Lampion erlosch.

Dieser Tag würde allen noch lange in Erinnerung bleiben, sagte der Pfarrer zu Oberförsters, denn er war ein wohlerzogener Mann und wußte, was sich schickt.