„Ich meine, man muß es nur wollen.“

„Hat dir das jemand gesagt?“

Sie war verwirrt. „Nein, ich denke nur so.“

Da sagte der alte Mann zu seiner Frau: „Mir scheint, unsere kleine Leonore ist ein Fräulein geworden. Wie sie plaudern gelernt hat!“

In jedem andern Augenblick würde dieses Wort Leonore zum Verstummen gebracht haben. Jetzt dachte sie nur, der Großvater soll nicht immer glauben, daß er sterben muß. Wenn nur der Pastor nicht kommt, was kann der helfen? Der Großvater hat immer seine Sachen allein gemacht. Und alle Redefähigkeit, die sie draußen mit Frau Zeine, mit Klemens und Graf Kurtzen gehabt hatte, stellte sich ein.

Als später Klemens mit scheuen Augen kam und seine Eichenzweige brachte, fand er, daß man in der Krankenstube geradezu vergnügt war.

Leonore saß da — sie zitterte, und Kälte stieg in ihr auf und ab, aber sie erzählte. Sie erzählte von ihren Taten und Träumen mit Klemens. Dabei kam verhalten zutage, wie sehr sie alles hier liebten, das Schloß, die Gärten, das Land, die Großeltern.

Der alte Mann, der bald sterben mußte, konnte wissen: noch in manchem fernen Jahr würden seine Enkel mit heißem Herzen an die Heimat denken, die er ihnen hatte geben können.

Und es kam, daß die Kinder sich nicht mehr fürchteten. Sie waren um den Großvater, und er wurde ihnen zu ihresgleichen. Ja, es kam, daß er selbst redete, daß er selbst zurückging in die Zeit, als er so jung gewesen war wie die Kinder. —

Der Arzt ging ab und zu. Er hatte nicht viel zu sagen. Der Großvater war so alt. An einem Abend sagte er zu den Kindern: „Kommt mir nur morgen bald, Ihr seid jetzt meine Hofkavaliere, die mich unterhalten.“