Am andern Morgen war der Großvater tot. Und die Kinder fürchteten sich nicht. Sie waren bei ihm — und sie weinten. Es war ihnen wie eine Erlösung, daß sie weinen durften und nicht mehr gefaßt und tapfer sein mußten.
Draußen im Garten blühten noch immer die Blumen. In grellen, fröhlichen Farben standen sie da bestrahlt von der Herbstsonne. Die Kinder gingen nebeneinander — und holten Blumen für den Großvater. Leonore sagte: „daß es alles nicht mehr sein kann, das ist“ — sie wandte sich ab. Sie sah nicht, daß in den Zügen des Freundes ein Kummer lag, der ihr galt.
Klemens wußte — sein Vater, der gekommen war, hatte es ihm gesagt — bald nach dem Großvater würden auch Leonore und sie alle von Kapellendorf fortgehen — freilich einen andern Weg. —
Der Großvater wurde begraben — in heimatlicher Erde bestattet, in heimatlicher Erde, die Kinder und Enkeln teuer bleiben wird, sagte der Pfarrer. Er war ein Freund des Großvaters, von weit hergekommen.
II.
An der Fossa Carolina.
Der Abschied von Kapellendorf wurde Leonore unsagbar schwer. Diese wehe Bitternis, die Stätte der ersten Jugend verlassen zu müssen:
Hier läuteten in jedem jungen Jahr die Osterglocken
Dir froh das hohe Fest des Frühlings ein.
Hier warst in jedem jungen Jahr du bald erschrocken
Von allem Blumenglück am Waldesrain.