Weiche, lieber Schatten, weiche,
Störe nicht des Tages Leben.
Ist dir doch der Traum ergeben,
Daß dein Bild mir nicht erbleiche.[1]
[1] Von Margarete v. Bülow.
Verstehen Sie, Leonore: was wir lieben, das behalten wir immer. Es ist unser zweites Leben im Traum. Wir müssen nur die Kraft erringen, auch etwas Neues zu erobern.“
„Ich habe das Gedicht nicht ganz merken können. Würden Sie es mir noch einmal sagen?“
Und die Dame wiederholte diese sanften, zärtlichen Worte der Abwehr eines geliebten Bildes:
Weiche, lieber Schatten, weiche ...
Leonore dachte: da war jemand, der hatte etwas so lieb gehabt und mußte doch den Schmerz überleben. Sie ging neben Fräulein Reisland her und zermarterte sich den Kopf, was sie wohl sprechen sollte. Aber die Dame redete schon von selbst.