„Alles ist jetzt düster und trübe. Aber warten Sie nur, Leonore, Sie werden es noch erleben, daß in Franken die Veilchen gerade so blau sind wie in Thüringen, und oben, auf dem Plateau, das die Römerstraße durchzieht, gibt es weite, weite Kornfelder. Durch den Winter müssen Sie eben nun sich kämpfen. Sie sind doch ein tapferes, kleines Mädchen. —“
Ein paar Tage später saß Leonore bei der Großmutter, des Abends, als draußen der Herbstwind ging. Die Großmutter erzählte allerlei. Daß Leonore mit achtzehn Jahren sich einen Beruf sollte wählen können, das habe der Großvater bestimmt. Und sie, die Großmutter, habe mit dem lieben Fräulein Klothilde gesprochen, die wolle Leonore gern in Wissenschaften, im Malen, in Sprachen unterrichten.
Leonore war entflammt. Wie — diese feine, stolze Dame wollte sich mit ihr befassen? O, Leonore wollte alles lernen. Nur — Geld würde sie nie zu dieser Dame tragen. Nie. Das dürfte niemand von ihr verlangen, daß sie so etwas Gräßliches vollbrächte.
Die Großmutter lächelte ein wenig. „Nein, hab’ keine Sorge. Das machen wir schon mit dem Unterricht. Geld ist aber doch nichts Beleidigendes an sich. Dieser Fall liegt ja anders, aber sonst mußt du dir merken, alles Geschäftliche, alle Geldsachen kann man nur auf eine vornehme Weise erledigen, die nämlich, daß man sie rein als Geschäft behandelt. Künstler, Gelehrte, alle nehmen Geld für ihre Arbeit. Man nennt dies ein Äquivalent. Auch einem Arzt gibt man das Geld für seine Mühe, denn alle Menschen brauchen es zum Leben.“
„Aber es ist doch nicht gleich, ob ich eine Ware bezahle oder etwas, das Persönliches an sich hat. Ich kann nicht recht sagen, was ich meine, Großmutter.“
„Ich verstehe dich schon. Man bezahlt seinen Lehrer und seinen Schuster und ist mit beiden rechtlich quitt. Aber dem Lehrer bleibt man verpflichtet. Das ist der Unterschied zwischen Geldgeben und Geldgeben, sagte der Großvater.“
Ja, Großvater wußte alles so richtig. — Damit war Leonore wieder bei Kapellendorf angekommen.
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Ist dir doch der Traum ergeben,
Daß dein Bild mir nicht erbleiche.