Der Mensch sah nach Westen. „Die Sonne ist weg,“ sagte er. „Es wird bald dunkel sein. Ich darf Sie doch begleiten, Leonore?“

Leonore wußte nicht, wie ihr geschah. Kein Wort der Abwehr hatte sie finden können. Es war ihr, als hätte sie mit Dankmar Kurtzen geplaudert, obwohl der nie solche Dinge sprach. Aber alles an dem Fremden schien ihr vertraut, heimatlich, gleiche Art.

Sie fuhren zusammen. Kelt meist voraus — dann wandte er sich wieder, umkreiste Leonore, lachte, rief ihr ein paar Worte zu und flog wieder dem Ziel nach. Er war prächtig anzusehen in seiner spielenden Kraft. Sein Körper schien keinen Zwang zu kennen. Wie auf Federn flog er dahin, und dann konnte er sich plötzlich wenden, plötzlich still stehen wie aus der Erde gewachsen. Die Mühlen tanzten vorbei — die Hügel um Pappenheim kamen. Bald waren die Schlittschuhläufer unter dem Kronengarten.

„Adieu, Leonore — sagen Sie nur zu Hause, Sie hätten den Kelt getroffen, wenn man Sie fragt. Ihr Onkel kennt mich.“

„Adieu, Kelt.“

„Aber was denn? Seine zukünftigen Freunde nennt man doch nicht mit dem Gattungsnamen. Ich heiße Vitus.“

„Adieu, Vitus Kelt — Sie haben den drolligsten Namen, den ich je gehört habe.“

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Die Nacht hatte Tauwind gebracht. Nun war es zu Ende mit dem Eislauf. Das bedauerte Leonore sehr. Doch bis der Tag zu Ende war, hatte er ihr eine neue, schöne Aussicht gebracht. Ganz erregt kam sie aus ihrer Stunde heim: „Großmutter, der Kelt ist ein Schüler von Fräulein Klothilde. Und wir sollen nun immer zusammen bei ihr lernen.“

„Ja, ich weiß schon. Er war in deiner Abwesenheit hier. Er ist ja ein Freund von Paul, deinem Vetter. Nun, soweit ist alles schön. Aber ich muß dir etwas sagen, Leonore, ich weiß ja nicht, wieweit der Karlsgraben von hier weg ist, aber du darfst doch nicht allein so weit dich von der Stadt entfernen und dich von jedem Fremden ansprechen lassen. Du bist jetzt doch ein junges Mädchen.“