„Das ist aber langweilig, Großmutter.“
„Ja, es kann dich aber niemand zu einem Jungen machen.“
„Ich hab mich auch noch von niemand bisher ansprechen lassen als von Kelt. Der sah aus wie ein schönes Tier. Ich habe dir doch gestern abend alles erzählt, wie es war.“
„Das sollst du auch immer tun, du weißt ja, Leonore, daß ich dir ganz vertraue. Du mußt nie etwas mit Menschen sprechen, was du mir nicht erzählen könntest. Ja, das versprichst du mir.“
„Ach Großmutter, manchmal redet man doch solche Sachen — mit Dankmar zum Beispiel, daß wir Pferde haben wollten und ins Morgenrot reiten. Das war so schön zu denken. Es war aber nicht, daß ich dachte, man solle mir ein Pferd kaufen. Wenn ich nun das alles erzählte —“
„Dann wäre es nicht mehr so schön?“
„Ich glaube, Großmutter.“
Die Dämmerung sank tiefer. Mit leiser Stimme redete Leonore von Kapellendorf. Die Tanne auf Großvaters Grab sei nun weiß von Schnee. Und im Frühling würden alle die Waldblumen herauskommen, die sie gepflanzt hatten — die Osterblumen, die Pulsatilla, die Himmelsschlüssel und die Veilchen. Ganz blau von Veilchen würde das Grab sein.
Die alte Frau hörte zu und sprach nichts. Alte Menschen, die nur ein Schritt vom Grabe trennt, sind gelassen. Sie hatten ja ein ganzes Leben Zeit, sich der Notwendigkeit beugen zu lernen. Sie warten in Geduld und leben den Tag. Sie sind geduldig im Warten und lassen das Leben noch tagen.
**
*