Wie war das herrlich! Mit Fräulein Klothilde zogen sie über das weite Land. Kelt wußte, wo es Leonore gefallen würde. Er führte sie auf das Hochplateau zwischen der alten Feste Wülzburg und den weiten Forsten, die sich nach der Donau hin verlieren. Dort sah man sogar in der Ferne ein weißes Schloß, zwischen blauen Hügeln. Er führte sie zu einem einsamen Hof mit Lindenalleen und einer Jagdkanzel. Von dort aus konnte man zwischen Nagelberg und Patrich hindurch weit ins Altmühltal sehen.
„Dort liegt eine graue Stadt,“ sagte Leonore, „wollen wir hingehen?“
„Da müßten wir wohl Siebenmeilenstiefel haben!“
„So erzählen Sie etwas, Kelt — gibt es hier nicht Sagen und Märchen, die das Volk noch weiß?“
„Ich glaube nicht. Obwohl hier einst die Kelten wohnten. Aber ihre Geschichten von König Artus’ Tafelrunde, vom Parzival und Tristan und Isolde verlegten sie in ihr Mutterland, denn sie waren hier nur Fremde.“
„Hier haben wirklich Kelten gewohnt?“
„Ja, es gibt noch Druidensteine im Lande. Und wir beide sind von großmütterlicher Seite hier uransässig. Also, Leonore, seien Sie der Abkunft eingedenk.“
„Ist das auch wahr?“
„Wahr? Positiv wahr soll es auch noch sein, wenn ich Ihnen etwas erzähle? Im übrigen ist alles wahr, was wir glauben.“
Doch Leonore drang in den jungen Mann, er solle ihr noch mehr von den Kelten erzählen. Ihr war alles noch neu, was andere schon lange wußten. Neu und fremd. Ja, der Tauwind fuhr über die Welt. Sturm brachte er. Die Vorahnung von Frühlingsstürmen.