„Der älteste Sohn vom Gastwirt in Osterdorf.“
„Sie kennen alle Leute hier.“
„Wie sollte ich nicht.“
Nach einer Weile ging wieder ein Holzfäller an ihnen vorüber. Noch zwei-, drei-, viermal wiederholte sich diese Begegnung. Alle grüßten. Und auf jede Frage Leonores kam von Kelt die Antwort: Es ist noch ein Sohn aus demselben Hause.
Endlich fing Leonore zu lachen an. „Jetzt glaube ich das nicht mehr, Vitus. So viele Söhne kann niemand haben.“
„Fruchtbarkeit,“ sagte er.
Und es schien Leonore, als sei Kelt nachdenklich bei dem Wort.
„Wir haben wirklich keinen Grund, an dem Fortbestand der Menschheit zu zweifeln. Nein, Leonore, lassen Sie sich niemals anfechten von der Gassenweisheit, es dürfte keine Ehelosen geben, sondern nur solche, die aus Liebe, aus Gattungsbedürfnis oder à tout prix heiraten. Allein sein können bedeutet sehr viel — und die freie Liebe ist leidenschaftsstärker und länger jung als die beste Ehe. Umsonst gibt es nichts — darum werden die äußerlich einzelnen, die intensiver lebten, auch immer die Verschollenen sein. Die Toten von Geschlechtern, die, welche man auf den Stammbäumen mit abgebrochenen Ästen bezeichnet: Erloschene.“
Sie wußte mit dem Wort nichts anzufangen. Noch griff ihre Hand nicht nach dem Schicksal.
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