„Lieber Kelt,“ meinte die Großmutter, „unser gutes Kind dürfte jetzt gern auch wie ein Kaminfeger aussehen.“

„Aber freilich. Doch was kann ich denn dafür, daß sie nun wie ein schöner Lord ist? Sie ist doch nicht meine Tochter — ich bin unschuldig daran. Da — da habe ich etwas mitgebracht, Leonore —“ und er hielt ihr in seinen beiden Händen, die so viel Kraft und Intelligenz verrieten, einen großen Strauß Tannenreiser hin. — „Kapellendorf grüßt.“

„Ach,“ sagte sie nur. Sie war so müde und froh.

„Jetzt müssen wir Leonore sehr verwöhnen, Frau Oberförsterin. Sie hat uns ja beinahe fortlaufen wollen, das fremde Mädchen. Gell du, Leonore, das wäre doch furchtbar abscheulich von dir gewesen — es wäre treulos und unrecht und unverzeihlich von dir gewesen.“

Er nannte sie du — und sie sagte ohne Gedanken, wie etwas Natürliches, dasselbe zu ihm. „Die Tannenreiser hast du von Kapellendorf schicken lassen, Vitus?“

„Freilich — und gerade heute, wo du auf bist, sind sie gekommen.“

Sie drückte ihre bleich und schmal gewordenen Finger um die Nadeln. Sie lächelte so froh und müde.

Und dann kam Fräulein Klothilde und brachte ihr Veilchen. „Sie sind nur von hier — aber es sind die ersten im Jahr.“ Und Fräulein Klothilde küßte Leonore auf den Mund.

Sie dachte, ich soll ihr die Hand küssen — ja, das will ich.

Aber sie war so schrecklich müde. Sie konnte die Zweige von Kapellendorf gar nicht loslassen. Und sie dachte: Ich träume — es ist ja alles gar nicht so. Sie küßt mich, und Vitus ist so gut — und die Großmutter tut mit mir, als sei ich eine Prinzessin. Ich träume — aber ich will doch noch ein bißchen weiter träumen — es ist so neu und sonderbar.