O nein, Herr Kandidat Auerochs sollte nichts über Leonore zu entscheiden haben. — „Ich danke Ihnen, Fräulein Eichhorn. Ich habe eine etwas andere Richtung, wenn Sie erlauben.“
Fräulein Eichhorn sah Leonore kühl und verächtlich an. „Ich hielt Sie für ernst gesinnt,“ sagte sie achselzuckend.
„Ernst gesinnt? Was meinen Sie damit? Halten alle ernstgesinnten Menschen Kindergottesdienste?“ — Und sie dachte an jene Clemence, die apart und leer gewesen war, Kindergottesdienste hielt und einen lachenden Gestütsdirektor geheiratet hatte.
„Ernst gesinnt sein, heißt, sich zur Kirche halten und seine schwache Kraft in ihren Dienst stellen.“
„Glauben Sie, daß schwache Kräfte Ernst in sich haben?“
„Wenn nur die Gesinnung ernst ist, die Kraft mag dann auch schwach sein.“
„Kraft heißt doch Stärke. Wie können Sie das Allerpositivste immer zu etwas Relativem machen? Kraft oder Schwäche — aber nicht schwache Kraft und starke Schwäche.“
Eine muntere Blondine rief aus einer Zimmerecke herüber: „O, Fräulein Leonore, ich fürchte, ich fürchte, wir haben beide eine starke Schwäche — und zwar für Zigaretten.“
Leonore hielt es sogleich mit der Blonden, die sie auslachte. Es ist schöner, über jemandes Eifer beruhigend zu lachen, als ihn an dem Sterilen zu erhitzen. Aber weil Leonore nicht eine so selbstgerecht-hilflose Eichhornin kränken wollte, sagte sie noch einmal: „Seien Sie heilfroh, daß ich nicht mitkomme. Ich würde die einige Gemeinschaft sehr stören.“
Doch Fräulein Eichhorn packt heftig ihre Sachen ein und hörte nicht mehr auf Leonore. Die ging mit der Blonden ein paar Straßen weit. Dann war Leonore allein.