So einen warmen Dezembertag hatte es schon lange nicht gegeben. Man konnte sich beinahe in den Englischen Garten setzen. Hei, das mußte fein in Nymphenburg werden. Die Baronin Müller ging mit. Was hatte wohl Wredegast mit den sonderbaren Worten gestern abend gemeint? Wie? Vielleicht hatte die Baronin wirklich eine Mundkrankheit — nein, sie sollte sie nicht wieder küssen.
Als Leonore die Treppe hinauf kam, hörte sie Wredegast eifrig mit der „Beamtenswitwe“ Bendler sprechen. Er redete ganz aufgeregt. Sie hörte: „Frau Grenzoberaufseher zu Pferd, mein Ofen riecht, als ob man ein Dienstmädchen darin verbrannt hätte — ein Dienstmädchen samt all seinen Küchentoiletten.“
„Jesmaria nd Joseph, a Dienstmädel is verbrennt? Mit die Kleider?“
„Nein, es riecht bloß so, mein Ofen riecht so. Die Theres hat ihn mit einem alten Unterrock angezündet, ich schwöre.“
„Die Theres hat an Unterrock verbrannt, schämas Ihnen, Herr Wredegast — daß Sie so was wissen.“
„Es riecht so,“ rief Wredegast immer aufgeregter. —
Leonore kam lachend auf den Flur. Alfred Wredegast nötigte sie in sein Zimmer. „Ich kann diesen verbrannten Dienstmädchengeruch nicht aushalten. Ich bin doch nicht Zola, dem es wohl dabei wäre.“
Die Bendler schnüffelte. „Also, wer das da riecht — no, ich sag nix. Es ist ein Ofen, der schon Jahr lang seine Dienste tut — Jahr lang, sag ich.“
Leonore untersuchte das eiserne Unglück. Es steckte über und über voll Asche, und der Rauch quälte sich durch einen Sprung im Gußeisen.
Man holte die noch vorhandene Therese (gesprochen Deeres). Der Schaden wurde geordnet. Aber während des ganzen Mittagessens redete Wredegast davon. Er fürchte sich vor seinem Zimmer, er könne das verbrannte Dienstmädchen nicht mehr riechen. Es peinige ihn. Er habe im Pitaval gelesen — und nun folgte eine Geschichte nach Frau Bendlers Herzen.