Wredegast lief Leonore zu Planck-Müller nach. Er wolle eingeladen sein, mit nach Nymphenburg zu gehen, er könne nicht bei dem verbrannten Dienstmädchen bleiben. —
Freyer kam allein. Seine Begleiter seien abgehalten worden. Da war es allen lieb, daß Wredegast mitging. Als Dritte fühlte sich Iphigenia von Müller nie wohl. —
Ein weißes hohes Schloß — ein ungeheures Rondell durch weiße Häuser darum gebildet. Die Häuser haben zuweilen das gebrochene französische Dach, vornauf den griechischen Giebel. Es ist sehr still da, und nur die Distinktion aller Linien und Flächen bewahrt den Platz vor dem Eindruck der Öde. Man geht durch den offen gehaltenen Teil des Erdgeschosses vom Schloß. An breiten Freitreppen vorüber. Da ist ein weiter Garten. Ein Wasserbecken mit steinernen Bildern ringsum. Hohe Bäume zur Seite.
Leonore war entzückt. Sie ließ sich von dem Professor die Entstehungsgeschichte des Schlosses erzählen. Ließ sich weiter in den Park führen. Wredegast ging andere Wege mit Iphigenia Baronin Müller.
Da war ein griechisches Tempelchen hinter einem Teich. „Ein Freundschaftstempel,“ sagte Freyer. „Das waren schöne Zeiten, als man sie baute. Heute gibt es keine Freundschaften mehr.“
„Wie?“ sagte Leonore heftig, „heute gibt es keine Freundschaften mehr?“
„Haben Sie denn eine Freundin?“
„Nein — einen Freund.“
„Erzählen Sie mir doch.“
Und sie erzählte von Vitus Kelt. Warm, herzlich erzählte sie von Vitus Kelt. Auch von Dankmar Kurtzen und Klemens. Aber das waren doch mehr Gespielen gewesen. Ein wirklicher Freund blieb nur Vitus Kelt.