„Irgendwo ist ja doch immer jemand, der uns liebt,“ wiederholte Herr Strom. „O, nur wissen wir es oft nicht.“

„Das ist es,“ wiederholte Wredegast. „Wir wissen es oft nicht. Wir ahnen es nur.“

Es waren alle sehr erschüttert, daß irgendwo Menschen waren, die sie liebten und sie wußten es nicht. Sie ahnten es nur.

Die Schwefelgelbe nebenan schrie plötzlich auf Wedekindisch: „Ich hab’ meine Tante geschlachtet, meine Tante war alt und schwach.“

„Sie hat einen großen Kummer,“ belehrte Herr Strom — „sie sucht Lethe. Da brüllt sie, daß sie ihre Tante geschlachtet hat. Ach, wenn es nur das wäre, woran wir leiden!“

„Pfui Teufel!“ rief Nacka Planck, „ein so plebejischer Kummer wie ein Tantenmord — nein, da gehört man ins Kriminal.“

„Es war vielleicht ein Kindesmord“ — sagte Herr Strom sanft — und sah traurig auf die Schwefelgelbe.

Ein Kindesmord? — Man vergaß einen Augenblick zu rauchen und zu trinken. „Ja, sind wir nicht Herren über Leben und Tod!“ fragte Strom. „Darf der Schöpfer nicht auch Vernichter sein? Ich kann das Werk meines Geistes, das Primärste, was ich hervorbringen kann, verbrennen. Warum soll nicht das Sekundäre, das Kind, meiner Gerichtsbarkeit unterstehen?

Erst in dem Augenblick, wo sein Geist oder seine Seele mündig, produktiv geworden ist, beginnt sein Eigenleben. Bis dorthin ist es mein Sklave.“

Die Planck schwieg. Die kühnsten Revolutionärinnen, die das Mannsbild so von Herzen hassen, werden oft sentimentalisch, wenn sie von kleinen Kindern hören.