Der Fremde plauderte Alltägliches: daß er München noch nicht näher kenne, daß es aber als lustige Stadt bekannt sei, und so weiter. Leonore antwortete kaum; sie fühlte ein gewisses Unbehagen und wußte nicht, woher es kam. Auch schien ihr der Weg, den man ging, durchaus nicht der Stadt zuzuführen.

„Sie wissen wohl selbst den Weg nicht, da Sie hier fremd sind. Ich danke Ihnen, ich werde mich jetzt zurecht finden.“

In diesem Augenblick fühlte sie sich von hinten gepackt — umschlossen, und sie fühlte den bärtigen Mund des Fremden auf ihrem Gesicht. „Süßes Mädel — ich führ’ dich auch zum Soupieren.“

Mit aller Kraft, deren sie fähig war, stieß sie den Fremden weg. Sie rief, so laut sie konnte, um Hilfe. Da rannte der Fremde davon. Denn an der Wegbiegung tauchten einige Personen auf. Die nahmen sich Leonores an.

Von Ekel geschüttelt kam sie nach Hause. Sie hatte nur den Gedanken und Wunsch: sich zu waschen. Frau Bendler sagte, schon zweimal sei Nacka Planck oben gewesen, nach ihr zu fragen. Man wäre unten schon bei Tisch. Da kam Nacka Planck noch einmal. Sie war nicht Leonores Vertraute — Leonore schämte sich, ihr das häßliche Erlebnis zu erzählen. So ging sie wirklich noch mit hinunter.

Das Eßzimmer war durch eine Glaswand von einem Vorraum getrennt. Und da sah Leonore die Versammlung — sah neben Iphigenia von Müller den Mann, der sie vor einer Stunde geküßt hatte.

„Wer ist dieser Mensch, Nacka?“

„Iphigenias Mann — er kam heute mittag hierher.“

Leonore lief hinaus. Nacka hinter ihr. „Was haben Sie denn?“

„Ich bin so gräßlich unwohl — Migräne — Übelkeit — ich muß zu Bett.“