Leonore lief in ihre Stube, schloß sich ein, sie wollte keinen Menschen mehr sehen. Sie dachte nur: Ich muß hier fort, ich will nach Hause. Ich kann weder der unglücklichen Iphigenia noch dem Manne wieder begegnen.
IV.
Heimkehr.
Liebe Leonore,
ich wollte Ihnen heute die Bücher bringen, von denen wir gesprochen hatten, und erfuhr dabei von der Frau, daß Sie ganz plötzlich abgereist wären. Sie wußte nicht den Grund. Auch Anastasia Planck konnte mir nichts sagen. Ich fürchte, Sie haben schlechte Nachrichten von zu Hause erhalten, und es tut mir leid, Sie in Sorge denken zu müssen. Antworten Sie mir doch, bitte, wenn es auch nur mit einigen Zeilen ist. Und vergessen Sie nicht zu sagen, wann Sie wiederkommen. Denn ich warte sehr darauf, meine liebe junge Freundin. Die Stadt kommt mir ganz leer vor, seit Sie fort sind.
Herzlich
Ihr Richard Freyer.
Lieber Herr Professor,
ich danke für Ihren Brief. Ich habe keine schlechten Nachrichten bekommen, ich bin nur heimgegangen, weil ich mich allein gefürchtet habe. Großmutter meint auch, ich soll nur bei ihr bleiben, ich habe ja doch so viel, so wenig, wie man will, gelernt, daß ich malen und Stunden geben kann.
Es war sehr schön in München, aber ich kann jetzt nicht wieder hin. Sie waren immer gut zu mir, lieber Herr Professor, und es ist mir sehr leid, daß ich Ihre Vorträge nicht mehr hören kann.
Geht es Ihnen gut?
Ihre dankbare
Leonore Wolfferstorff.