»Ich weiß es selber nicht«, entgegnete ich; »sie kommt mir eben erst und paßt gar nicht in meine Absichten, denn ich möchte auch an etwas lange Bestehendem rütteln und es womöglich über den Haufen werfen. Haben Sie jetzt Zeit, Herr Forster, mich eine Viertelstunde anzuhören?«

»Solange Sie wollen, mein Fräulein«, antwortete er verbindlich; das »gnädige«, was er vorhin als eine Art abwehrender Förmlichkeit gegen mich gebraucht hatte, war ganz weggefallen. »Ich habe erzählt und nun ist die Reihe an Ihnen.«

»Ich wünsche nur Ihre Meinung über etwas zu hören«, sagte ich und gab ihm in kurzen Worten an, wie unsere Güter uns verloren gegangen waren, indem ich jedoch den Fall ganz allgemein darstellte und meine Beziehungen zu demselben aus dem Spiele ließ. Er schüttelte den Kopf.

»Solchen veralteten Geschichten ist schwer beizukommen«, sagte er. »Die Besitzenden haben sich meist in Betreff der Förmlichkeiten gut vorgesehen, und wenn auch alle Welt einmal wußte, daß sie im Unrecht waren, so ließ sich das nicht beweisen, und jetzt hat sich alle Welt daran gewöhnt, sie im Besitze zu sehen, und fühlt sich, wenn man sie angreift, in der eigenen Unfehlbarkeit angegriffen.«

»Aber das ist nicht die Antwort eines Juristen«, warf ich ein; »das Gesetz wird doch durch die Meinung der Leute nicht beeinflußt; ich will wissen, ob man nicht die Ansprüche der Besitzer auf die Güter noch einmal prüfen lassen kann.«

Mein Landsmann lächelte über den Ernst, welchen ich zeigte, und bat mich, ihm den Fall noch einmal zu erzählen und zwar so genau wie möglich. »Und auch die Data, bitte; wann trug sich die Sache zu?«

»Es sind zwanzig Jahre her«, antwortete ich und nun erzählte ich Alles noch einmal, genauer als zuvor.

»Wie stehen Sie zu den Parteien?« fragte er plötzlich mit einer Amtsmiene. Ich stutzte, aber da ich keinen Grund hatte, meine Verhältnisse zu verhehlen, entgegnete ich ihm, daß der unglückliche Freiherr, von dem ich gesprochen, mein Vater gewesen sei.

»Das dachte ich mir. Nur weiter!«

Ich hatte wenig mehr zu berichten; die bedrängte Lage meiner Mutter gehörte nicht zur Sache, ebenso wenig wie die Beziehungen des Fürsten zu meinen Aeltern; sein Uebelwollen, seine Verfolgung hatte ich freilich hervorheben müssen. Diese Umstände fielen dem Doctor auf.