»Nein, vorerst und vielleicht auf Jahre hin nicht.«

»Ach«, sagte ich, »dann sind Sie auch nicht frei; frei ist nur der, welcher gehen kann, wohin er will.«

Herr Forster sah mich an und nickte schweigend mit dem Kopfe, dann sprach er weiter:

»Ich bin Jurist und habe die Staatsexamina hinter mir; die Anstellung wird nun freilich eine Weile auf sich warten lassen. Auf einer Ferienreise in der Schweiz traf ich vor mehreren Jahren Roger Gray und wir fanden Gefallen an einander. Er hat mich seitdem in meiner Vaterstadt besucht, und als ich vor einigen Wochen in England ankam, schrieb ich an ihn und erhielt sogleich eine Einladung nach seines Vaters Hause auf so lange, als es mir gefallen würde.«

Herr Forster hatte mit großer Offenheit erzählt; dafür war bei mir auch lebhafte Theilnahme an seinen Mittheilungen erwacht. Ich schwieg und dachte über dieselben nach, dann fragte ich, aus diesen Gedanken heraus:

»Aber warum haben Sie die Untersuchung nicht an sich herankommen lassen? Sie hatten doch keinesfalls so schwer gefehlt, daß man Sie hätte hart bestrafen können, und jetzt steht es gewiß weit schlimmer um Sie als damals.«

Er schien überrascht über diesen Beweis von Verständniß; überhaupt ließ er auf seinem Gesicht meist ganz unbesorgt den Eindruck erscheinen, den die Worte eines Andern auf ihn machten, und sah den Sprecher manchmal, beinahe die Höflichkeit aus den Augen setzend, lange und forschend an, als betrachte er ihn als Gegenstand psychologischer Studien.

»Es ist wahr, ich bin schlimm daran«, sagte er, »insofern als meine Carrière in Deutschland fürs erste ganz bestimmt hin ist, to the dogs, wie man hier sagt; aber sie wäre es so wie so gewesen. Ich war mir als Rechtskundiger wohl bewußt, nach unserer Auslegung der Gesetze einige Jahre Festung verdient zu haben, und diese Aussicht mißfiel mir.«

»Wie schade, daß Sie sich in Ihrer Rede haben hinreißen lassen«, sprach ich mehr zu mir selber als zu ihm. »Was nützt es denn, an der Welt ändern und bessern zu wollen? Es geht nicht und man geht dabei zu Grunde.«

»Mein liebes Fräulein, wie kommen Sie zu einer so gereiften Weltanschauung in Ihrem Alter?« rief er spöttisch, indem er sich setzte; wir waren an einer Laube des Gartens angekommen und ließen uns beide nieder.