Abb. 27. Meißener Gefäße in Scharffeuerfarben. (Zu [Seite 34].)

Abb. 28. Das Mädchen aus der Fremde.
Erzeugnis der Königl. Porzellan-Manufaktur zu Meißen. (Zu [Seite 34].)

Die Fürstenburg neben dem Dom, die erst 1676 offiziell den Namen Albrechtsburg erhielt, und jedenfalls eines der bedeutendsten Fürstenschlösser jener Zeit war, wurde unter der gemeinschaftlichen Regierung der beiden Brüder Ernst und Albrecht 1471 begonnen. Der Schöpfer des Baues, der denselben auch noch zehn Jahre bis zu seinem Tode leiten konnte, war der Baumeister Arnold aus Westfalen. Bei der Trennung der Hofhaltung beider Brüder 1482 wählte Albrecht Stadt und Schloß Torgau. Leider wurde die stolze Burg später, als die sächsischen Fürsten längst ihren dauernden Sitz in Dresden aufgeschlagen hatten, vernachlässigt und mußte über anderthalb Jahrhunderte die berühmte Meißener Porzellanfabrik in sich aufnehmen, bis erst nach der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts besondere Fabrikgebäude im Triebischtal errichtet wurden und die Albrechtsburg in würdiger Weise wieder hergestellt und mit Wandgemälden, die sich auf die Geschichte des Fürstenhauses und die sächsischen Lande beziehen, geschmückt werden konnte ([Abb. 22]). Diese Wiederherstellung der Albrechtsburg, die man den frühesten deutschen Palastbau genannt hat, war 1881 vollendet, nachdem die Porzellanfabrik schon 1864 daraus entfernt war.

Ein drittes Gebäude, das auf dem Höhenrande des Stadtgebietes errichtet, neben Dom und Burg die Silhouette des Stadtbildes mit bestimmt, ist die Fürstenschule, ein nüchterner, moderner Bau, der nur praktischen Zwecken dient und auf künstlerische Wirkung verzichtet hat. Ihre Gründung fällt in die Zeit Luthers, 1543. Ihre Bedeutung liegt darin, daß sie seit mehr als 300 Jahren eine vorzügliche Pflanzstätte humanistischer Bildung gewesen ist, aus der die bekanntesten sächsischen Dichter des achtzehnten Jahrhunderts: Gellert, Rabener und Lessing hervorgegangen sind. Dasjenige Erzeugnis aber, das den Namen Meißen in alle Weltteile getragen hat, ist das Porzellan der königlichen Fabrik ([Abb. 23]). Nachdem Johann Friedrich Böttger (gest. 1719) im Jahre 1707 das rote Steinzeug und 1709 das weiße Porzellan erfunden hatte, wurde die Fabrik schon im nächsten Jahre, 1710, in Meißen gegründet. Nach Berling (Das Meißener Porzellan, S. 27) wurde erst seit 1710 die auf dem Grundstücke des Hammerschmiedes Schnorr zu Aue im Vogtlande gegrabene Erde, die sogenannte Schnorrsche Erde, in der Meißener Porzellanfabrik verwandt, doch bildete daneben der weiße Ton von Colditz von Anfang an einen wesentlichen Bestandteil der weißen Masse. Unter der glänzenden Regierung Augusts des Starken wurde der damals herrschende Barockstil ganz besonders auch in den künstlerischen Gebilden des Porzellans angewendet und neben dem Rokoko, das sich ebenfalls für die zierlich koketten und bemalten Figürchen aus Porzellan eignet, bis auf die Gegenwart mit Erfolg beibehalten ([Abb. 24–28]). „Meißen hat dem Porzellan des achtzehnten Jahrhunderts das künstlerische Gepräge gegeben. Leicht, anmutig, gefällig in der Form, frisch, lebhaft, fröhlich in den Farben, so steht es vor uns. Nicht die Mutter des Rokoko ist es, wie man oft sagt, sondern eines seiner Kinder, allerdings das am reichsten entwickelte. — Es hat sich ein ganz besonderer Porzellanstil herausgebildet, der überwiegend von Meißen getragen erscheint und dessen Geschichte in großen Zügen die gesamte Entwickelung des Kunstgewerbes im achtzehnten Jahrhundert wiederspiegelt.“ (Lehnert, Das Porzellan, Bd. V der Ill. Monographien, S. 47.)

Abb. 29. Der Große Markt in Meißen.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 34].)

Die Stadt Meißen, die sich zu Füßen des Burgfelsens und der anschließenden Höhen auf beschränktem Raume entwickelt hat ([Abb. 29]), zeigt in den krummen und ansteigenden Gassen und alten Häusern noch viel Altertümliches ([Abb. 30]) und bietet dem Maler zahlreiche Vorwürfe; namentlich aber ist die Gesamtansicht der Stadt von hoher malerischer Wirkung und unzählige Male gezeichnet, radiert, gemalt und photographiert. Daher denn auch die Stadt mit ihrer reizenden landschaftlichen Umgebung für den Fremden eine besondere Anziehungskraft besitzt und wohl unter allen kleineren Städten Sachsens am meisten besucht wird (vgl. [Abb. 10] u. [20]).