Ihre mächtige Kuppel widerstand bei der Belagerung 1760 selbst den preußischen Kanonenkugeln, durch die der Kreuzturm in einen Schutthaufen verwandelt wurde. Und sehr bezeichnend sagt nach der Beschießung der Prediger am Ende in seiner ersten Predigt, in der er dankerfüllten Herzens der Erhaltung des herrlichen Bauwerkes gedachte, daß die ganze Kirche von Grund auf bis oben hinaus gleichsam nur ein Stein sei.
Abb. 38. Arbeitszimmer des Königs von Sachsen.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 40].)
Die Augustusbrücke.
Als drittes Bauwerk, das, wenn auch nicht unter August dem Starken neu geschaffen wurde, aber doch seine jetzige Gestalt erhielt, ist die Elbbrücke zu nennen, die danach den Namen Augustusbrücke erhielt und noch jetzt so oder die Alte Brücke heißt. Ihr Neubau wurde von 1727–1730 ausgeführt. Zwar war die steinerne Elbbrücke schon seit Jahrhunderten die Bewunderung aller Reisenden gewesen und wurde in den Reisewerken und Reiseführern als ein einzig dastehendes Wunderwerk gerühmt. Von nun aber war dieser Ruhm noch erhöht und hat bis auf den heutigen Tag unzählige Male den Künstlern zum Vorwurf gedient, um verbunden mit An- und Aussichten von dieser Brücke aus originelle Stadtansichten zu schaffen. Aber leider sind ihre Tage gezählt, denn sie bildet mit ihren engen Bogen ein wesentliches Hemmnis für den wachsenden Elbverkehr und schon mancher schwerbeladene Kahn ist an ihren Pfeilern gescheitert und samt der Ladung verloren gegangen. Noch kürzlich wurde dieser Brücke folgender, ich möchte sagen, ehrenvolle Nachruf gewidmet: Ein altbewährtes Wahrzeichen Dresdens und zugleich ein eigenartiges künstlerisch wertvolles Bauwerk erlebt, den Hamburger Nachrichten zufolge, heuer seinen letzten Sommer. Die Augustusbrücke, die jahrhundertelang als die „Dresdener Brücke“ schlechthin bekannt war und noch jetzt die schönste (?) unter den fünf großen Brücken zwischen Altstadt und Neustadt ist. Was diese altehrwürdige Brücke, die sozusagen zum Dresdener Stadtbild gehört, zum erklärten Liebling der Maler der verschiedensten Perioden gemacht hat, ist die stämmige, wuchtige Kraft ihrer stolzen Pfeiler, der schöne Schwung ihrer Bogen, die stolze Wölbung ihres Niveaus und ihre landschaftlich überaus günstige Lage über einer Biegung des Elbstroms, der zufolge man beim Durchblick durch jeden ihrer Bogen ein neues reizvolles Bild genießt. Tausendmal ist der altersgeschwärzte Bau gemalt worden; Canalettos Brückenbild ([Abb. 45]) ist weit bekannt und noch in der neuesten Zeit ist ihr in Gotthard Kühl ein verständnisvoller Meister entstanden, der mit seinen Bildern der Augustusbrücke selbst ihre bei regentrübem Wetter und winterlicher Abendbeleuchtung noch vorhandenen intimen Reize offenbar gemacht hat. Zudem kommt noch, daß das zwischen den breitgegründeten engen Bogen durchschießende Wasser mit seinen mannigfachen Strudeln und Lichteffekten den Künstler ganz besonders reizen mußte. (Allg. Zeitung 1902, No. 152.)
Abb. 39. Palais und Deich im Großen Garten zu Dresden.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 41].)
Der Rat zu Dresden hat sich neuerdings für einen völligen Neubau entschieden, der an der Stelle, wie jetzt, den Strom überbrücken soll. Die Brücke soll aus Stein aufgeführt und von 11 m auf 18 m verbreitert werden, auch sollen die Pfeiler, soweit möglich, in den alten Formen gehalten werden, daß die Bögen in gleichmäßig gerundeten Linien verlaufen. Doch wird die Zahl der Pfeiler von dreizehn auf neun verringert und dadurch die Möglichkeit gegeben, den jetzt schwierigen und gefürchteten Schiffahrtsweg durch die mittleren Bögen durch weitere Spannung der Bögen wesentlich zu erleichtern. Während die Spannweite dieser Bögen jetzt nur 21 m und 17,2 m beträgt, ist für den Neubau eine Spannung von 40 und 36 m in Aussicht genommen. Alsdann nimmt nach beiden Ufern die Spannweite der Bögen ab. Architektonisch bilden die fünf größeren mittleren Bögen der geplanten neuen Brücke eine harmonisch abgeschlossene Gruppe für sich, deren Grenzpfeiler mit gekröntem Wappenschild und einem kleinen Aufbau geschmückt sind. Nach der Altstadt zu schließen sich zwei, nach der Neustadt zu drei Seitenbögen an. Gegen den jetzigen gedrungenen Bau der Augustusbrücke ergibt sich dadurch ein schlankeres Brückenbild.
Abb. 40. Der Zwinger in Dresden. Gesamtansicht.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 42].)