Die Kunstsammlungen Dresdens.
Endlich gehörte zu der Vollendung des Stadtbildes noch die neu erstandene Kreuzkirche, deren Neubau 1764 begonnen und 1792 vollendet wurde. Immer aber handelte es sich bei dem historischen Stadtbilde nur um die Altstadt Dresden am linken Elbufer. Nur dieser Ansicht gelten auch H. Hettners Worte: „Es ist eines der anmutigsten und zugleich stolzesten deutschen Städtebilder, wenn wir auf der schönen Dresdener Elbbrücke (Augustusbrücke) stehen und die hochragende kühngeschwungene Kuppel der Frauenkirche und die keck anmutigen, leicht- und feingegliederten Massen der katholischen Hofkirche vor uns schauen. Beide Bauten stammen aus jener merkwürdigen Zeit, in welcher Dresden nach dem Ruhme strebte, das deutsche Versailles und zugleich das deutsche Florenz zu sein.“ Dresden behauptete damals in Kunst- und Prachtliebe den unbestrittensten Vorrang. Denn die Fürsten des Landes errichteten nicht bloß die bedeutendsten Bauwerke, sondern sie betätigten ihre Liebe zur Kunst und ihr Verständnis dafür auch durch die Erwerbung von Kunstschätzen allerersten Ranges. August der Starke legte 1728 den Grund zu der Antikensammlung durch die Erwerbung der Chigischen und Albanischen Sammlungen in Rom (vom Fürsten Agostino Chigi und vom Kardinal Albani), zu denen dann unter Friedrich August II. 1736 auch die herrlichen aus Herculaneum stammenden Frauengestalten kamen, die man aus dem Nachlasse des Prinzen Eugen erwarb. Mit gleichem Eifer wurde von August dem Starken auch die Bildergalerie eigentlich begründet, indem zunächst seit 1722 aus den verschiedenen Schlössern die Gemälde zu einer Sammlung vereinigt wurden. Dies geschah infolge eines kurfürstlichen Befehls vom Juli 1722, wonach alle in den kurfürstlichen Schlössern des Landes, sowie teilweise in den dazu gehörigen Kirchen und Kapellen vorhandenen Gemälde verzeichnet und nach geschehener Inventur auf ihren Wert geprüft werden sollten. So wurden über 4700 Gemälde inventarisiert, darunter 3110 wertvollere, und über 1590 minder wertvollere, aus denen dann in der Zeit von 1723 bis 1747 eine Auswahl für die Gemäldegalerie getroffen wurde, die ihre Aufstellung in dem von Kurfürst Christian I. 1586 und 1587 erbauten Reisigen-Stalle am Judenhofe erhielt. Die ganze Galerie umfaßte anfangs schon 1938 Gemälde.
Zur Vermehrung und Bereicherung dieser Sammlung wurden dann mit hochgestellten Männern, mit Malern und namentlich mit niederländischen Kunsthändlern in Brüssel, Antwerpen und Amsterdam Verbindungen angeknüpft. Von allen Seiten beeilte man sich, den Wünschen des Königs entgegen zu kommen. Selbst ausländische Fürsten wie der Papst Innocenz XIII., der König Viktor Amadeus von Sizilien (Sardinien), der Statthalter der Niederlande u. a. bestrebten sich, das löbliche Unternehmen nach Kräften zu fördern.
Abb. 43. Der Zwingerteich in Dresden.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 42].)
Die Gemäldegalerie.
Noch mehr begeistert für die Kunst zeigte sich der Nachfolger Augusts des Starken, sein Sohn Friedrich August II., der schon als Kronprinz bei seinem wiederholten Aufenthalte in Italien in den Jahren 1712, 1713, 1716 und 1717 unablässig für die Erwerbung hervorragender Gemälde eifrig Sorge getragen hatte. Nach seinem Regierungsantritte, am 1. Februar 1733, steigerte sich das Interesse für Bereicherung der Kunstsammlungen noch erheblich und dabei war sein Augenmerk namentlich auf Italien gerichtet. Und hier waren besonders der Graf Algarotti Ventura Rossi, der Gesandte Villio, der alte Kunstkenner Zanetti in Venedig und der Maler C. C. Giovannini in Bologna tätig. Daneben fanden sich auch hilfreiche Geister in Frankreich (Legationssekretär de Brais und der Maler Rigaud), in den Niederlanden und hie und da in Deutschland. Auch in Dresden selbst fehlte es nicht an einflußreichen Ratgebern, wie der Graf Brühl, der Hofmaler Dietrich, der Generaldirektor der Kunstakademie Christian Ludwig von Hagedorn, der Hofmaler Raphael Mengs, der Oberlandbaumeister Pöppelmann. Die bisherigen Räume der Galerie reichten bald nicht mehr aus, so daß 1744 ein Umbau vorgenommen werden mußte. Einstweilen wurden die Gemälde mittels Militär nach der Neustadt in das Japanische Palais geschafft, wo sie bis 1746 blieben. Bei der Neuaufstellung im Stallgebäude (jetzt Johanneum) war man bestrebt, wenigstens bei den vorzüglichen Originalbildern die Gemälde nach Schulen und Landschaften zu ordnen, „während sonst öfter Florentiner und Römer unter den Niederländern und Holländern, man weiß nicht aus welchen Gründen, ihren Platz gefunden hatten.“ (W. Schäfer, Die k. Gemälde-Galerie I. 47.)
Abb. 44. Die Frauenkirche in Dresden.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 42].)