Abb. 46. Belvedere und Landeplatz der Dampfschiffe in Dresden.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 45].)

Die Schicksale der Gemäldegalerie.

Aber dieser kostbare Schatz ist im Laufe der Jahre mancherlei Gefahren, sei es durch Kriegsunruhen oder durch Diebstahl, ausgesetzt gewesen, selbst fanatische Hände haben einzelne Bilder frevelhaft zu schädigen gesucht. Der erste Diebstahl, glücklicherweise an nicht gerade hervorragenden Bildern, geschah schon 1723, — kaum ein Jahr, nachdem ein Inventar der Sammlung aufgenommen war — hierbei war sogar die Schildwache beteiligt. Vierundzwanzig Jahre später, 1747, entwendeten die Feuerwächter, die die Schlüssel zu den Vorratsräumen hatten, ein Bild von Franz van Mieris.

Dann folgten die gefahrdrohenden Zeiten des Siebenjährigen Krieges, die die Stadt Dresden mehrmals in empfindlichster Weise berührten. Friedrich der Große zog am 10. September 1756 in Dresden ein. Der König Friedrich August II. hatte sich auf den Königstein geflüchtet, nur die mutige Königin Maria Josepha war in der Stadt zurückgeblieben. Die Staatskassen und die Kriegsvorräte im Zeughause fielen den Feinden als Beute anheim, die Kunstsammlungen blieben dagegen unberührt. Der preußische König besuchte sogar mehrfach die Gemäldegalerie und bestellte sich beim Hofmaler Dietrich eine Kopie der Magdalena von Battoni, verlangte aber, der Totenkopf solle weggelassen werden. So ist ihm dann am 17. März 1757 die Nachbildung übergeben. — Ängstlicher wurde die Sachlage, als der preußische Kommandant von Schmettau in den Jahren 1758 und 1759 die Stadt gegen den österreichischen Feldmarschall Daun verteidigen mußte. Nachdem die Vorstädte in Flammen aufgegangen waren, erfolgte am 4. September 1759 die Kapitulation der Preußen, und nun beeilte man sich, die kostbarsten Bilder nach dem Königstein zu retten. Allein auch dabei litten manche Gemälde infolge ungenügender Verpackung und Aufbewahrung in nicht ganz trockenen Räumen. Der größte Teil der Gemäldesammlung mußte natürlich in den Galerieräumen ([Abb. 54]) im Stallgebäude am Neumarkt verbleiben und hatte hier die sehr gefährliche Beschießung der Stadt 1760 zu überstehen. Da viele Geschosse der Preußen gegen die feste Kuppel der benachbarten Frauenkirche gerichtet waren, so wurden manche Gemälde durch Bombensplitter beschädigt, wie z. B. die Taufe Christi von Francia, ein Blumenstück von Mignon, von Sylvester das große Bild, auf dem die Zusammenkunft der königlichen Familie mit der Schwiegermutter, der Kaiserin-Witwe Amalia, zu Neuhaus dargestellt ist, sodann ein Altarbild von Torelli und der Hase von Weenix.

Dann geschah auch noch im achtzehnten Jahrhundert, kurz vor dem Ausbruch der französischen Revolution, in der Nacht vom 21. zum 22. Oktober 1788 ein überaus frecher Diebstahl, während des Jahrmarktes, wo die Wachen wegen des Straßenlärmes nichts davon vernommen hatten, daß der Dieb das Drahtgitter vor dem Fenster durchbrochen und eine Fensterscheibe eingedrückt hatte, um von der Freitreppe am Jüdenhofe einzusteigen. Geraubt wurden drei kleinere, aber wertvolle Gemälde: Die berühmte Magdalena von Correggio, Das Urteil des Paris von Adrian van der Werff und ein jugendlicher Kopf mit Hut und Straußfeder von Seibold.

Abb. 47. Treppe zur Brühlschen Terrasse in Dresden.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 45].)

Bei dem Bilde Correggios mochte der Dieb wohl ganz besonders sein Augenmerk auf den mit Edelsteinen (?) besetzten silbernen Rahmen gerichtet haben. Der Diebstahl wurde natürlich am nächsten Morgen sofort entdeckt und von seiten der Galeriedirektion dem Entdecker oder Wiederbringer der gestohlenen Bilder eine Belohnung von 1000 Dukaten zugesagt. Wenige Tage darauf fand ein Laternenwärter, als er frühmorgens die Laternen auslöschte, in der Nähe des jetzigen Hôtel Bellevue an einem Laternenpfahl eine Kiste angelegt mit einem Briefe, der unmittelbar an „Se. Durchlaucht den Kurfürsten zu Sachsen“ gerichtet war. Bei der Öffnung der Kiste fanden sich die Bilder van der Werffs und Seibolds und der Brief enthielt das Verlangen, dem unbekannten Übersender der Bilder 1000 Dukaten an einen Halbstundenstein in der Nähe des Wilden Mannes bei Dresden-Neustadt niederzulegen, worauf auch das Bild Correggios wieder ausgeliefert werden würde. Durch diese seine Handschrift und einige unvorsichtige Äußerungen hatte sich der Dieb bald selbst verraten, es war ein übelberufener Feldbesitzer in der Neustadt, Johann Georg Wochaz, der am 8. November bereits eingezogen werden konnte, nachdem man sich durch List noch eine zweite Probe seiner Handschrift verschafft hatte. Der Übeltäter leugnete zwar, wurde aber bald überführt, da man unter den aufgehobenen Dielen des obersten Bodens bei der mitten im Dache aufsteigenden Esse, nächst anderem gestohlenen Gute, auch das noch fehlende Bild von Correggio fand nebst dem größeren Goldrahmen und dem kleineren silbernen Rahmen, aus dem die Steine zwar ausgebrochen, aber noch daneben verwahrt waren. Der Verbrecher, der auch überführt wurde, die katholische Hofkirche beraubt zu haben, büßte seine Taten mit lebenslänglichem Zuchthause. Übrigens erhielt die Magdalena von Correggio den gefährlichen Silberrahmen nicht wieder. Auch in späteren Zeiten bis in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts kamen Diebstähle vor, denen u. a. ein kleines Bild Holbeinscher Schule und eine Skizze von Adrian Brouwer zum Opfer fielen; doch wurde ein berühmtes kleines Bild von Gabriel Metsu „Die junge Briefleserin“, das 1849 von einer Frau aus Langensalza entwendet wurde, in Leipzig wiedererlangt, wo es unvorsichtigerweise zum Kaufe angeboten war.