In demselben Jahre kam die Galerie zum letzten Male in große Gefahr, als während des Maiaufstandes in Dresden der Kampf zwischen dem von Militär besetzten Stallgebäude und den Aufständischen, die die Häuser auf der anderen Seite des Neumarktes besetzt hielten, wütete. Zwar waren die besten Bilder noch zeitig von den Wänden, die den Geschossen ausgesetzt waren, abgenommen; trotzdem wurden mehr als 70 Gemälde von Kugeln durchbohrt, darunter leider auch die Madonna von Murillo, ferner Bilder von Rubens, Celesti, Le Brun, Sylvestre und ein Pastellbild von Liotard. Unentdeckt ist leider die Frevelhand geblieben, die 1858 am 9. März, um Mittag, während der Besuchszeit, die Bilder von Guido Reni, Der trinkende Bacchus, und von Albano, Die badende Diana, mit einem spitzen Instrument durch Stiche verletzte und aus einer Kreuzigung Christi den Christuskopf herausschnitt.

Abb. 48. Die katholische Hofkirche und das Königl. Schloß in Dresden.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 45].)

Die Räume, in denen diese Gemäldesammlung ein Jahrhundert lang aufgestellt gewesen war, erwiesen sich aber, je länger um so mehr, als unzureichend, als bedenklich, ja als gradezu verderblich; denn die Bilder konnten nicht gegen den eindringenden Steinkohlenrauch geschützt und vor den Einflüssen starker Temperaturwechsel bewahrt werden, weil es keine Heizvorrichtungen gab. Man mußte ein langsames, aber unausbleibliches Verderben des unersetzbaren Schatzes befürchten; davon hatte sich auch die Regierung überzeugen müssen. Ein Gutachten des Kunstmäcens J. G. von Quandt ging 1842 dahin, daß es eine Verpflichtung gegen die ganze zivilisierte Welt sei, ein Museum zu bauen, dessen Lage Gemälde von so hohem Werte vor zerstörenden Einflüssen sichere. Ehe Regierung und Landtag sich aber über die Wahl des Ortes einigten, wo der Neubau errichtet werden sollte, vergingen noch einige Jahre, bis die Stände 1845/46 die geforderte Summe von 350000 Talern bewilligten und den vorgeschlagenen Platz an der nördlichen Abgrenzung des Zwingers genehmigten. Auf diese Stelle als die geeignetste hatte der berühmte Baumeister Schinkel in Berlin schon zehn Jahre früher hingewiesen. Vor allem war aber König Friedrich August selbst auf das wärmste dafür eingetreten, der immermehr in ihrer Eigenart als unschätzbar anerkannten Gemäldesammlung ein ihrer würdiges Bauwerk zu errichten. Die Ausführung wurde dem genialen Gottfried Semper übertragen, worauf dann die Grundsteinlegung am 23. Juli 1847 erfolgte. Erst acht Jahre später, 1855, war der monumentale Bau im Äußeren und Inneren vollendet ([Abb. 55]).

Abb. 49. Die heilige Nacht.
Gemälde von Correggio in der Dresdener Galerie. (Zu [Seite 49].)

Aber schon seit 1852 hatte man unter Schnorrs Leitung (von 1846–71) auf Neuerwerbungen Bedacht genommen, wenn auch anfänglich in bescheidenem Maße. Die neuere Malerei konnte aber erst seit 1873, als in einmaliger Bewilligung des Landtages bedeutende Mittel zur Verfügung gestellt wurden, in ausgedehnter Weise berücksichtigt werden. Dazu standen seit 1880 auch noch die Zinsen der Pröll-Heuer-Stiftung zur Verfügung.

Wir kehren nach dieser Abschweifung ins neunzehnte Jahrhundert wieder in die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts zurück.

„Die Zeit größerer Bauten und anderer Kunstunternehmungen erscheint mit Vollendung der im Jahre 1751 zwar nicht völlig beendeten, aber eingeweihten katholischen Hofkirche vorerst abgeschlossen. Die Greuel des Siebenjährigen Krieges brachen herein, und sie, nicht nur die notgedrungene Zahlungseinstellung der sogenannten Pensionen an die immer noch zahlreichen Hofkünstler, vertrieben eine schaffende Kraft nach der anderen, denen übrigens weder der Adel noch andere Wohlhabende in einer Zeit Hilfe zu bieten vermochten, wo jeder, der nur irgend konnte, Dresden verließ.“ (Wießner.)

Die Gründung der Kunstakademie.