So konnte denn eine Kunstakademie erst unter dem Kurfürsten Friedrich Christian und seiner hochbegabten, kunstverständigen Gemahlin Maria Antonia ins Auge gefaßt werden; aber die Verwirklichung erfolgte erst nach dem unerwartet plötzlichen Tode des Kurfürsten (17. Dezember 1763) unter der Administration des Prinzen Xaver August, der dann auch das Protektorat über die Akademie übernahm.

Nachdem schon eine sogenannte Malerakademie in den vorhergehenden Jahrzehnten nur gelegentlich ein dürftiges Dasein gefristet hatte, trat nach dem Reskript vom 6. Februar 1764 eine volle Kunstakademie ([Abb. 56] u. [57]) mit den vier Abteilungen für Malerei, Bildhauer-, Kupferstecher- und Baukunst unter einem deutschen Generaldirektor, unter Christian Ludwig v. Hagedorn ins Leben.

Zu den Lehrern, die bereits 1766 an die Akademie berufen wurden, gehörten auch die beiden Schweizer Anton Graff (1730 bis 1813) und Adrian Zingg (1734–1816), und zwar Graff als Porträtmaler und Zingg als Kupferstecher und Landschaftsmaler. Ihnen werden wir in unserer Darstellung der Sächsischen Schweiz noch einmal begegnen. Zingg war der erste, der von den malerischen Ansichten des Sandsteingebirges die ersten naturgetreuen und wenn auch manierierten, so doch nicht stilvoll verzerrten Darstellungen entwarf. Die Arbeiten seiner Schüler, zu denen Chr. Klengel (1751–1824) und C. A. Richter, der Vater von Ludwig Richter (1803–1884), gehörten, haben wohl ebensoviel wie die Beschreibungen zum Bekanntwerden der mannigfachen Schönheiten der Sächsischen Schweiz beigetragen.

Abb. 50. Die Madonna mit dem heiligen Georg.
Gemälde von Correggio in der Dresdener Galerie. (Zu [Seite 49].)

Zu den Zierden der Akademie gehörten in späterer Zeit die Maler Schnorr von Carolsfeld (1794–1872), Ludwig Richter (1803–1884), Bendemann (1811 bis 1889), Preller (1838–1901), Prell (geb. 1854), die Bildhauer Rietschel (1804 bis 1861), Hähnel (1811–1891), Schilling (geb. 1828) und der Architekt Semper (1803–1879). Dreien derselben und zwar Richter, Rietschel und Semper sind auf der Brühlschen Terrasse, wo sich auch die neue von Lipsius (1890–1894) erbaute Akademie erhebt, Denkmäler errichtet.

Das Königliche Opernhaus.

Hervorragende Bauwerke wurden in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, außer der schon erwähnten Kreuzkirche, nicht mehr errichtet, ebensowenig in der schwer auf Sachsen lastenden napoleonischen Zeit. Erst unter König Friedrich August II. (1836–1854) erhielt Dresden erhöhten Glanz in architektonischer Hinsicht durch Gottfried Semper, einen der geistvollsten Vertreter der Renaissance. Sein Museum (1846–1855) gehört zu den hervorragendsten Bauwerken der Neuzeit. Die Wirkung des Außenbaues wird durch den plastischen Schmuck wesentlich gehoben. Sempers zweites Werk, das Hoftheater (1838–1841), wurde leider 1869 durch Feuer vollständig zerstört. Und wenn auch das neue, ebenfalls von Gottfried Semper und seinem Sohne Manfred erbaute Königliche Opernhaus ([Abb. 58]) an demselben Platze in der Nähe des Museums und des Schlosses und in demselben Stil entworfen wurde, so macht selbst der größere umfängliche Bau, infolge gesteigerter Ansprüche an die Inszenierung der Spiele, nicht den einheitlichen sympathischen Eindruck wie das erste Werk. Das neue Opernhaus entstand in den Jahren 1871–1878, und zehn Jahre später wurden nach der Jubelfeier des Hauses Wettin 1889, an das ein von Schilling entworfenes Denkmal in Gestalt eines Obelisken in der Nähe des Schlosses ([Abb. 59]) erinnert, auch, zunächst durch Bewilligung der Stände dem allverehrten Könige Albert die Mittel angeboten, dem Schlosse selbst äußerlich einen reicheren und eines Fürstensitzes würdigen Schmuck zu verleihen. So erheben sich nun in der Umgebung des Schloß- und Theaterplatzes eine Anzahl von Staatsgebäuden, wie sie kaum in solcher Pracht in einer Großstadt auf so kleinem Raum vereinigt sind und doch dem Beschauer freien Umblick nach allen Seiten gestatten.

Die Bevölkerung Dresdens.