Die Entstehung des Namens Sächsische Schweiz.
Es liegt in dem Namen aber auch zugleich ausgesprochen, daß der Vergleich aus verhältnismäßig neuer Zeit stammen muß und daß er natürlich erst in einer Zeit erteilt sein konnte, wo man die Schönheiten der wirklichen Schweiz zu würdigen lernte; und das geschah erst in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts.
Man darf zunächst daraus schließen, daß das Sandsteingebiet früher einen anderen Namen gehabt habe, und wenn man auch zugeben muß, daß Gebirge und Flüsse nur selten in langen Zeitläuften ihren Namen ändern, so wird man hier doch nach einem solchen forschen. Die Kleinheit des Gebirges und die geringen Erhebungen seiner Gipfel lassen aber zugleich die Vermutung aufkommen, daß, wenn das Gebiet nicht einen besonderen Namen getragen hat, es zu einem anderen, mächtigeren Gebirge muß gerechnet gewesen sein; denn man mag von den Höhen der Lausitz oder von den östlichen Höhen des Erzgebirges sich der Sächsischen Schweiz zuwenden, immer wird man überrascht sein, den Blick nach unten, aber nicht nach oben richten zu müssen, also das Sandsteingebirge gleichsam unter sich zu sehen.
Abb. 56. Die Königl. Kunstakademie in Dresden, von der Neustadt gesehen.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 56].)
Nun ist bekannt, daß seit dem Mittelalter alle Gebirge, die das Land Böhmen mit ihrem Waldgürtel umgeben, die böhmischen Wälder hießen und zwar nicht bloß der jetzt noch so genannte Böhmerwald, sondern auch das Erzgebirge, die Sächsische Schweiz, das Lausitzer- und das Riesengebirge. Es war ein volkstümlicher Ausdruck, wie daraus hervorgeht, daß auch der Urtypus aller fahrenden Leute, Till Eulenspiegel „Dresden vor dem Böhmerwalde“ mit seinem Besuche beehrte, daß aber auf der anderen Seite, ich möchte sagen, offiziell der Name Böhmerwald für das Erzgebirge anerkannt wurde, wenn der Kurfürst August von Sachsen auf den von ihm selbst gezeichneten Reiserouten bei seiner Fahrt zum Regensburger Reichstage, 1575, über das Erzgebirge den Namen Böhmerwald einträgt. Und so wurde mehrfach noch im achtzehnten Jahrhundert die Sächsische Schweiz als ein Teil des Böhmerwaldes angesehen. In Sachsen selbst und zwar vorwiegend in der Nähe des Gebirges hörte man damals wohl auch die Bezeichnung „die Heide über Schandau“, aber es ist bezeichnend genug, daß mit diesem Ausdruck nur der ununterbrochene Wald, aber nicht die grotesken Felsenberge getroffen werden. Es gab also tatsächlich keinen allgemein bekannten Namen für das Sandsteingebirge, und es war also in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts eigentlich die günstigste Gelegenheit, das Gebirge zu benennen und es wurde dies fast zur Notwendigkeit, seitdem die Freunde einer erhabenen Natur immer zahlreicher in die einsamen Gründe und auf die Felsenberge sich hinaufwagten.
Abb. 57. Die Königl. Kunstakademie in Dresden. Ausstellungsbau.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 56].)
Die Maler Zingg und Graff in Königstein.
Die Veranlassung zu dem anfänglich von verschiedenen Seiten mit Kopfschütteln aufgenommenen Namen „Sächsische Schweiz“ haben zweifellos die beiden Schweizer Maler Zingg und Graff gegeben, die, wie bereits mitgeteilt ist, 1766 an die Kunstakademie in Dresden als Lehrer berufen wurden, aber erst später, und zwar Graff 1789 und Zingg 1803, den Titel Professor erhielten.