Abb. 63. Der Hauptbahnhof in Dresden.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 59].)

Aufbau des Sandsteingebirges.

Das ganze Sandsteingebirge wird in nordwestlicher Richtung von der Elbe durchschnitten. Das Tal des Stromes bleibt von Tetschen bis Pirna immer gleich eng, nirgends zeigt sich eine Talweitung, und so tritt uns dasselbe als ein von dem fließenden Wasser erzeugtes Durchbruchstal entgegen. Wenn man zu Schiff die ganze Strecke von Tetschen an zurücklegt, was bei den günstig liegenden Eilfahrten der Dampfer einen Zeitaufwand von vier Stunden beansprucht, dann wird man wahrnehmen, daß die Felsenhöhen, die wir vom Schiffe aus das Tal begrenzen sehen, im Süden sich noch mehr als 300 m über den Elbspiegel erheben, z. B. im Rosenkamm, an der Bastei noch 200 m, im Norden dagegen, bei Pirna, nur noch eine Höhe von 55 m über dem Wasser haben. Der Sockel des Sandsteingebirges, auf dem die Felsberge einzeln aufsteigen, scheint hiernach eine von Südost nach Nordwest langsam geneigte schiefe Ebene zu sein.

Überall haben wir dieselben Erscheinungen im vertikalen Profil, wenn wir vom Elbufer aus, sei es nach dem rechten oder linken Talrande hinaufsteigen. Die Gestalt ist immer die der nebenstehenden Figur: Auf eine sehr schmale Elbaue folgt eine aus Verwitterungsschutt des Sandsteines gebildete, meist mit Nadelholz bewachsene Böschung (a), aus der hie und da noch einige größere und kleinere Blöcke aufragen. Darüber steigen senkrechte Felsenmauern (b) empor, vielfach zerklüftet und gespalten, so daß man unschwer zwischen ihnen die Höhe gewinnen kann. Wo im Süden die Felsenmauern wesentlich höher sind, sind meist rohe Steinstufen angelegt, auf denen man die Höhe erklimmt; im Norden reichen mehrfach die Böschungen so hoch hinauf, daß es nur schräg aufwärts führender Fußpfade bedurfte, um die Höhe zu gewinnen.

Oben breitet sich ein meist ebenes Feld (c) aus, das an einigen Stellen so gleichmäßig flach erscheint, daß man ihm den Namen einer Ebenheit gegeben hat, z. B. Pirnische Ebenheit, Ebenheit am Lilienstein ([Abb. 67]), Flächen, die so groß sind, daß sie mehrere Dorffluren umfassen können. Weil hier vielfach besserer Lehmboden vorherrscht, so sind diese Hochflächen meist in Ackerland verwandelt. Wo besserer Boden fehlt, deckt Nadelwald das Land, das von zahlreichen engen Schluchten und Felsgründen durchschnitten ist, wodurch die Anlegung von Verkehrswegen erschwert wird.

Die Meeresablagerungen.


Über die Hochflächen und Ebenheiten steigen dann die Felsberge (f) empor, die vorherrschend als „Steine“ bezeichnet werden, wie Königstein, Lilienstein. Hier wiederholt sich dasselbe Profil, wie beim Anstieg vom Elbufer aus, noch einmal: zuerst die Böschung (d), dann die Steilwand (e) und endlich oben die mit Wald bedeckte Fläche, wodurch alle diese „Steine“ das Aussehen von Tafelbergen gewinnen. Man kann nun leicht durch alle diese Hochtafeln sich eine zweite Ebenheit oder Fläche denken, von der aber nur die letzten Trümmer in den „Steinen“ stehen geblieben sind. Die Wasserwirkung, die wir vom Ufer der Elbe an, über die Böschungen und die Steilwände hinauf bis zu den Ebenheiten erkennen und dem Durchbruch des Stromes zuschreiben müssen, wird ebenso auch in der höheren Stufe der Steine, die das untere Profil noch einmal wiederholt, maßgebend für die Gestaltung der Sandsteinformen gewesen sein. Dann verdanken wir also der spülenden und sich in den Boden eingrabenden Kraft des strömenden Flußwassers, der Erosion, die heutige Gestalt der Sächsischen Schweiz und wir bezeichnen es demnach als ein Erosionsgebirge. Ursprünglich bestanden in der Bucht zwischen dem Erzgebirge und dem Lausitzer Gebirge nur mächtige Sandablagerungen mit wagerechter Oberfläche, die dann von der Elbe und ihren Zuflüssen auf das mannigfachste durchfurcht und zerteilt ist. Da man nun zu unterst Sandstein mit Resten von Landpflanzen, dann aber Sandstein mit Austernschalen findet, so muß die früheste Ablagerung noch in süßem Wasser, dann aber die spätere in Seewasser erfolgt sein. Reste von Seetieren, Muscheln, Schnecken, Seeigeln und Seesternen findet man dann bis zu den oberen Schichten, also müssen diese Sandablagerungen alle auch im Meere stattgefunden haben. Die Arten dieser Seegeschöpfe weisen uns aber geologisch in die Kreidezeit, in der auch die Kreideklippen auf der Insel Rügen und auf den dänischen Inseln gebildet wurden. Durch die in fast allen Meeren sich bildenden Niederschläge von kalkigem Schlamm wurden die Sandmassen fester verkittet und schließlich zu Stein. Nun wird aber hie und da auch der Abdruck von Zweigen eines Nadelholzes oder auch von Holzstücken gefunden, die, in dem Sande eingebettet, sich allmählich in Kohle umwandelten. Diese Pflanzenteile stammen vom Lande und werden gemeiniglich in der Nähe der Küsten gefunden; man hat daraus mit Recht geschlossen, daß diese Sandablagerungen im seichten Küstenwasser erfolgt seien. Aber in der Zuführung von Sand mußten längere Pausen eingetreten sein, da die mächtigen Schichten des Quadersandsteines auch dünnere Ablagerungen von Kalk (Pläner) oder Tonschlamm zeigen, deren Entstehung auf ein tieferes Meer, ferner von den Küsten, deuten. Somit entsteht die einfache Gliederung aller Ablagerungen in den unteren Quader, die Plänerschicht, und den oberen Quader. Die unteren und oberen Sandsteinlager enthalten aber verschiedene Einschlüsse von Muscheln und dergleichen. Die Änderung in der Gestalt dieser Seegeschöpfe erfordert aber lange geologische Zeiträume. Wenn nun die Ablagerungen teils im Küstenwasser, teils in tieferem Seewasser erfolgt sind, so müssen dementsprechend auch Hebungen und Senkungen der Erdrinde und Veränderungen in der Gestalt des Festlandes gegen das Meer angenommen werden. In unendlich langen Zeiträumen haben also die Ablagerungen stattgefunden, dazwischen sind Ruhepausen eingetreten, in denen sich die Sandmassen zu festeren Steinbänken befestigt haben, auf die dann dünnere Schichten von Kalk oder Tonschlamm niedergeschlagen sind. Dadurch sind die allenthalben sichtbar voneinander absetzenden Bänke entstanden, die eine so charakteristische Erscheinung des Sandsteingebirges bilden.