Abb. 64. An der Elbe bei Königstein. Zeichnung von Adrian Zingg. 1766.
Nach „Über Berg und Tal“, Monatsschrift des Gebirgsvereins der Sächsischen Schweiz. (Zu [Seite 66].)
In der auf die Kreidezeit folgenden Tertiärzeit traten dann dauernde Hebungen ein, während auch das Erzgebirge langsam emporstieg. Die Hebung des Erzgebirges beeinflußte auch das Sandsteingebirge. Wie das Erzgebirge mit seiner längeren Abdachung nach Nord und Nordost sich neigt, so auch der Sandstein westlich der Elbe. Hier liegen die Quaderbänke nicht mehr wagerecht, sondern neigen sich allmählich in gleicher Richtung. Und wie das Erzgebirge mit einer viel kürzeren Abdachung gegen Süden, gegen Böhmen, abbricht und von dieser Seite her eine mächtige Gebirgsmauer zeigt, so sind auch die Bänke des Sandsteines zum Teil nach Süden abgesunken, zum Teil auffällig schräg gestellt, wie an der Schäferwand bei Bodenbach ([Abb. 68]), die eigentlich die scheefe, d. h. schiefe Wand heißen sollte, ein Name, aus dem erst durch Mißverständnis und Entstellung Schäferwand gemacht ist.
Abb. 65. Schandau.
Nach einem kolorierten Stich von Adrian Zingg. (Zu [Seite 66].)
Die Zersprengung der Sandsteinbänke.
Anders lagert der Sandstein auf dem rechten Elbufer; hier sind die Sandsteinbänke in ihrer ursprünglichen wagerechten Lagerung nahezu geblieben. Doch hat ähnlich, wie wir es bereits am Elbtalkessel beobachtet haben, der Lausitzer Granit sich an einigen Stellen deutlich über den Sandstein heraufgeschoben. Am auffälligsten ist dies bei dem Städtchen Hohnstein nachgewiesen. Auf beiden Seiten des Polenztales und am tiefen Grunde liegt der Granit über dem jüngeren Jurakalk und dieser auf Quadersandstein. Die Reihenfolge der Gesteine ist völlig umgestürzt. Der Granit ist schräg aus der Tiefe emporgetrieben und hat den Jura, der sonst in ganz Sachsen nicht vertreten ist, mit in die Höhe genommen. Die Höhe der Überschiebung ist hier auf 300 m geschätzt. Auch südlich von der Kirnitzsch an dem Berggipfel der „Hohen Liebe“ liegt der Granit unter steilem Winkel über dem Sandstein, ähnlich bei Saupsdorf. An den Berührungsflächen mit dem Sandstein zeigt dieser sich oft stark verglast und gleichsam gefrittet. Durch den gewaltigen Druck, den der Granit auf den Sandstein ausgeübt haben muß, sind die mächtigen Quaderbänke zerdrückt, gesprengt und zerklüftet. So kamen zu den natürlichen wagerechten Abteilungen der einzelnen mächtigen Bänke auch noch unzählige, senkrechte Klüfte oder Lose, so daß die Verwitterung, Regen, Wind, Frost und rinnendes Wasser um so stärker an der Zertrümmerung des Gebirges arbeiten konnten. Diese Zerstörung hat seit der mittleren Tertiärzeit eingesetzt und ist noch rastlos an ihrem Werke tätig. Am meisten aber hat das fließende Wasser, am meisten also die Elbe geleistet.
Da nun die erzgebirgische Erhebung die Sandsteinbänke schräg gehoben hat, so daß die Neigung nach Nordosten geht, auf der Lausitzer Seite aber die Schichten wagerecht geblieben sind, so muß sich zwischen beiden Teilen von selbst eine nach Nordwesten geneigte Tiefenlinie bilden, die für das abfließende Wasser die natürliche Tiefenrinne vorzeichnet. Das ist das Elbtal, das den Sandstein in nordwestlicher Richtung durchschnitten hat.
Nun hat man früher angenommen, daß die Elbe, die alle Gewässer des inneren Böhmens in sich vereinigt, vor dem Sandsteingebirge zu einem See aufgestaut worden sei und dann den Damm überflutet und sich immer tiefer eingeschnitten habe. Allein wenn dem so wäre, müßte man noch jetzt Spuren der Ablagerungen eines solchen Sees in Nordböhmen finden. Diese fehlen aber, und daher muß eine andere Erklärung gesucht werden. Zunächst steht fest, daß die Hebung der Sandmassen vom Meeresboden, wo sie zuerst abgelagert sind, nur langsam vor sich gegangen ist und daß auch das Erzgebirge an dieser Hebung teilgenommen hat. Über und durch diese Sandmassen hat sich die Elbe ihren Weg gebahnt, ohne einen großen See vorher geschaffen zu haben. Und in dem Maße, wie die Hebung vor sich ging und sich die Ablagerungen zu festem Gestein verkitteten, mußte sich die Elbe immer tiefer einschneiden.
Anfänglich hatte das Elbwasser noch keine vollkommen fest vorgeschriebene Rinne, wenn auch die allgemeine Richtung gegeben war. Das Wasser floß also über die breiten, fast wagerechten Bänke hin und hat, da die Überschiebung des Lausitzer Granits die oberen Lagen stärker zersprengt hat, hier die Trümmer bis zum Niveau der jetzigen Ebenheiten fortgespült, so daß nur einzelne Felsberge oder Felsmassen stehen blieben. Sie stehen jetzt da als die Zeugen einer einstigen weit höheren Ebenheit; die Tafelflächen der „Steine“ sind die geringen Reste derselben.