Abb. 69. Tetschen und Obergrund.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 77].)
Abb. 70. Schloß zu Tetschen.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 77].)
Die Bildung des Elbtales.
Die Elbe entspringt auf dem Riesengebirge und hat bereits alle böhmischen Gewässer in sich vereinigt, wenn sie unterhalb Tetschen in das Sandsteingebirge eintritt ([Abb. 69] u. [70]). Kurz oberhalb Aussig in Böhmen hat sie auch den Fuß des malerischen Schreckensteins bespült ([Abb. 71]). Von dem ganzen auf 1154 km bemessenen Laufe des Stromes von der Quelle bis zur Mündung kommen auf das Gebiet der Sächsischen Schweiz von Tetschen bis Pirna nur 45 km Stromlänge, also ein verschwindend kleiner Anteil am ganzen Laufe. Das Gefälle der Elbe beträgt auf 45 km nur etwa 11 m; das ist im Verhältnis von 1 : 4112. Denn der mittlere Elbspiegel liegt bei Tetschen etwa 120,5 m ü. M., in Königstein 115 m, in Pirna etwa 109,5 m. Das Gefälle ist ebenmäßig ausgeglichen; nirgends zeigen sich Stromstufen oder Schnellen mehr, wodurch stärkere Strömungen entstehen. Der Fluß hat also seine Arbeit, das Sandsteingebirge zu durchschneiden, vollendet. Wie groß diese Arbeit gewesen ist, kann man ermessen, wenn man sieht, daß unterhalb Tetschen die Höhe des Talrandes 270–320 m ([Abb. 72]), im Rosenkamm sogar 420 m, also volle 300 m über dem Elbspiegel liegt. Die Felswände des oberen Talrandes stehen hier rechts und links der Elbe etwa anderthalb Kilometer voneinander ab. Der Anfang dieser Talbildung reicht in die mittlere Tertiärzeit zurück, in eine Zeit, wo das Erzgebirge noch bedeutend niedriger war als jetzt und Böhmen auch noch nicht den Gebirgskessel darstellte wie jetzt. Wir haben schon früher darauf aufmerksam gemacht, daß während der Eiszeit das Strombett der Elbe noch 150–50 m höher lag als jetzt und daß in den langen Zeiträumen, die nach vielen Jahrtausenden zu bemessen sind, die Elbe schließlich ihren Wasserspiegel bis auf den heutigen Stand hat erniedrigen können. In demselben Maße, wie mit dem Erzgebirge auch das Sandsteingebirge emporstieg, schnitt der Elbstrom sich tiefer in den Sandstein ein. Er hatte Kraft genug, die gelockerten Sandmassen mit fortzuführen, also erlitt die gleichmäßige Ausbildung der Stromrinne keine Unterbrechung. Jeder wasserreiche Strom bestätigt die Lehre, daß ein um so geringeres Gefälle eintritt, je mehr Wasser im Flußbett vorhanden ist, vorausgesetzt, daß der Boden gleichartig und der Widerstand des den Grund des Flußbettes bildenden Gesteins nicht zu groß ist. Im Gebiet des Sandsteingebirges mußte also auch die Elbe das geringste Gefälle erreichen ([Abb. 73]). Alle Nebenflüsse dagegen müssen ein steileres Gefälle aufweisen. Aber die Nebenflüsse von der rechten Seite zeigen eine andere Natur als die von der linken. Jene entspringen nämlich sämtlich im Lausitzer Granitlande, durchschneiden nur im unteren Laufe das Sandsteingebiet und empfangen hier keine irgendwie nennenswerten Zuflüsse mehr. Diese dagegen entspringen im Sandstein oder durchschneiden nur im Unterlaufe das Quadergestein und münden an der Grenze der Sächsischen Schweiz.
Abb. 71. Der Schreckenstein.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 77].)
Die Nebenflüsse der rechten Seite sind die Kamnitz, Kirnitzsch, Lachsbach mit Sebnitz und Polenz und endlich die Wesenitz. Die Namen sind fast sämtlich slavisch. Ihr Oberlauf im Granitgebiet geht in flachmuldigen Tälern, wo die Erosion noch weniger kräftig eingesetzt hat und demnach auch das Gefälle noch geringer ist. Aber auf dem undurchlässigen Boden bleibt das Wasser an der Oberfläche und bekommt der Hauptbach auch noch viele kleine Seitengewässer. Daher sind diese rechten Elbzuflüsse auch wasserreicher als die der anderen Elbseite.
Erst mit dem Eintritt in das Sandsteingebiet sind die Täler tiefer eingeschnitten und wird auch das Gefälle stärker.