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GRÖSSERES BILD]

Wasserarmut im Gebirge.

Es bleibt also keine andere Erklärung für den ehemals größeren Wasserreichtum und seine noch jetzt sichtbaren Spuren, als daß die Höhen um die Bastei vergletschert waren, und daß das Wasser mit dem Verschwinden des Eises nach den niedriger gelegenen, zuerst eisfrei gewordenen Gegenden abfließen konnte. Es wird dies um so eher verständlich, wenn man die weite Verbreitung des Inlandeises ins Auge faßt. „Es verbreitete sich (nach Penck) über das ganze sächsische Mittelgebirge und reichte bis zum erzgebirgischen Becken, es legte sich auf die Höhen der Sächsischen Schweiz und verhüllte fast gänzlich die Lausitzer Platte; es stieg so hoch am Saume des Lausitzer Gebirges an, daß es die an 500 m heraufreichenden Pässe desselben überschreiten konnte.“

Alle typischen Formen von Schluchten sind somit im Uttewalder Grunde mit seinen Nebentälern vertreten; aber die Wasserwirkungen sind seit sehr langer Zeit auf gelegentliches Auftreten beschränkt. Die ungeheuere Zersprengung der Felsen des Basteigebietes muß daher anderen Ursachen zugeschrieben werden. — Nun herrscht aber auch um den Winterberg in dem weiten Gebiet zwischen Kamnitz und Kirnitzsch der gleiche Wassermangel. Abgesehen von einigen Quellen auf dem Basaltboden des Großen Winterberges ist hier so wenig Feuchtigkeit in den Gründen anzutreffen, daß diese wenigen Stellen sofort in der Namengebung als „nasser Grund“, „nasse Schlüchte“ zu erkennen sind. In der Zerklüftung des Gesteins gleicht das Winterberggebiet vollkommen dem an der Bastei.

Abb. 83. Partie aus dem Kirnitzschtal bei Hinter-Hermsdorf.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 82].)

Der Große Zschand.

Für die geringe Tätigkeit des rinnenden Wassers, abgesehen von einzelnen starken Sommerregen, oder im Frühjahre bei Schneeschmelze, kommt endlich noch in Betracht, daß die Sandsteinbänke rechts von der Elbe fast vollkommen wagerecht liegen, daß also der Ablauf des Regenwassers, soweit es nicht im lockeren Sande versickert, durch eine natürliche Neigung des Bodens nach keiner bestimmten Richtung vorgeschrieben ist, daß also ein Gefälle des Wassers eigentlich nicht vorhanden ist. Kleine Unebenheiten auf der Oberfläche der Ebenheiten sind dann die Veranlassung zu den ersten Anfängen der Erosion und zur Entstehung von Schluchten. Die langsame Entwässerung der Sandsteinmassen ostwärts von den Schrammsteinen, die sich kaum oberirdisch vollzieht, zeigt eine unendliche Zersplitterung in kleine Tälchen nach allen Richtungen; nur um den Großen Zschand gruppieren sich zahlreiche Schluchten, die von rechts und links, aber ohne Wasser, einmünden. Es ist ein Flußsystem ohne Flüsse, das einzige in seiner Art, das ganz dem Sandstein angehört. Der Talboden im Großen Zschand ist scheinbar ziemlich wagerecht, aber er steigt doch gegen Süden von der Kirnitzsch bis zur Wasserscheide um 150 m an.

Abb. 84. Die Buschmühle im Kirnitzschtal.
Liebhaberaufnahme von H. Engert in Dresden. (Zu [Seite 82].)