Gottleuba.
Wie die Wesnitz am rechten Elbufer, so berührt auch die Gottleuba auf dem linken Ufer auf nur kurzer Strecke das Sandsteingebiet. Ihre Quellen liegen schon im Erzgebirge. Aber beider Bäche Umgebung zeigt auch darin eine Ähnlichkeit, daß wir den ehemals berühmteren Liebethaler Steinbrüchen die gegenwärtig noch bedeutenderen Brüche von Rottwerndorf gegenüberstellen können, die aber, obwohl auch sehr sehenswert, doch nie das Ziel bewundernder Naturfreunde geworden sind. Nur eine Merkwürdigkeit muß noch im Gottleubatal Erwähnung finden, nämlich der Langenhennersdorfer Wasserfall, der einzige natürliche Wasserfall in der ganzen Sächsischen Schweiz, der also nicht bloß, wie alle anderen, durch Stauwasser gebildet wird. Der Langenhennersdorfer Bach entspringt im Sandsteingebiet, fließt durch das langgestreckte Dorf, das ihm den Namen gegeben und stürzt sich dann über die Sandsteinbank unmittelbar in den Gottleuber Grund. Dieser Grund gehörte noch vor vierzig Jahren zu den besuchtesten Partien des Gebirges. Die wasserreiche Gottleuba schäumte in einem von riesigen Edeltannen bestandenen Grunde, durch den ein wenig gepflegter Fußpfad zwischen Felsblöcken und üppigem Gebüsch aufwärts führte, zwischen bemoosten Steinmassen talabwärts und nahm den zeitweilig wasserreichen Hennersdorfer Bach in einer einsamen, aber höchst malerischen Umgebung in sich auf.
Abb. 87. Hohnstein und das Polenztal.
Nach einer Aufnahme von Paul Heine in Dresden. (Zu [Seite 84].)
Jetzt zieht die Eisenbahn durch den engen Grund, Hotels und Fabrikanlagen sind entstanden, das Bachbett ist zwischen Steinmauern gefesselt und der unnützen Felsblöcke entledigt, der hohe Tannenwald ist gefällt, das Wasser des Baches ist wie verschwunden. Daher sagt O. Lehmann mit Recht: „Der Besuch des Falls ist selbst nach starkem Regen kaum noch lohnend, da der Fall infolge des Straßenbaues und der Entwaldung die früher schöne Umgebung gänzlich verloren hat.“ Wer aber diese Landschaft noch in ihrer ganzen Pracht gesehen hat, denkt nur noch mit Wehmut an die verschwundene Herrlichkeit und wünscht, es möchten solche Meisterstücke der Natur ebenso wie die Denkmäler alter Kunst von seiten des Staates vor der Vernichtung geschützt werden können.
Abb. 88. Die Königskiefer über dem Polenzgrunde.
Liebhaberaufnahme von W. Thiel in Dresden. (Zu [Seite 84].)