Abb. 98. Eisgrotte in der Weberschlüchte.
Liebhaberaufnahme von Hofgoldschmied P. Eckert in Dresden. (Zu [Seite 93].)
Die Götzinger-Höhle.
„Ich verlasse diese Höhle aber nicht ohne frohes — innig dankbares Andenken an die Jahre meiner Kindheit. — Bilder der Erinnerung meiner frühesten Lebensjahre, ihr steht vor mir, so oft ich dieser Höhle und seiner Umgebungen gedenke! — In dem benachbarten Dorfe Struppen geboren und acht Jahre darin erzogen, hörte ich schon als Kind von dieser Höhle sprechen, und da ich von einem Vater meine erste Geistesbildung erhielt, der selbst ein so warmer Freund der Natur war und so gern und so oft unter ihren Schönheiten wandelte, so hielt es nicht schwer, die Erlaubnis zu einer kleinen Reise nach dieser Höhle zu erhalten. — Es war meine erste Naturreise, denen so viele gefolgt sind. — Wie ich mit stummem Erstaunen vor ihr und in ihr stand, und es gar nicht begreifen konnte, wie man so etwas habe bauen können; und wie ich in der Folge diese Höhle und diese Felsen mit meinen Gespielen mehrmals besuchte; wie gerade diese Höhle mich auf die Natur und auf die sonderbaren Gestalten immer aufmerksamer machte, die sie in der Gegend umhergestellt hat; wie dadurch der Geschmack an den Freuden der Natur und die Liebe zu ihr in mir erweckt, erwärmt und immer mehr gebildet ward; wie ich da so oft auf hohen Standpunkten dieser Gegend und besonders vom Königstein herunter, in dem Anschauen ihrer nahen und fernen Reize versunken war; — das alles kommt mit den Erinnerungen an diese Höhle und ihre Umgebungen lebhaft in mein Gedächtnis und geht in den innigsten Dank gegen den Urheber meines Daseins über, das gerade in dieser die Aufmerksamkeit so sehr aufreizenden Gegend seinen Anfang nehmen mußte. — Die Anhänglichkeit an die Schönheiten der Natur hat so viele reuelose Freuden über mein Leben verbreitet, so viel Aufheiterung und Erquickung in mein oft gebeugtes Herz gegossen und selbst zur Bildung meines Geistes und Herzens so vieles beigetragen, als daß ich an der Stelle, bei welcher der erste Grund dazu gelegt ward, nicht ihrer dankbar erwähnen sollte. — Jeder gute, jeder wahre Freund der Natur und ihres Schöpfers wird mir es daher gewiß gern verzeihen, wenn ich mit diesen Rückblicken auf mich und meine frühesten Jahre die Beschreibung unterbreche. Er wird mich verstehen.“
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Schräge Klüfte.
Bisher sind eigentlich nur die Erscheinungen und Wirkungen der senkrechten Klüftungen geschildert; aber es kommen auch zahlreiche schräge Klüftungen vor, die aber gegen das Gesamtbild der Steinwände nur als Ausnahmefälle gelten können. Nur wo an größeren Steinmassen, wie z. B. am Großen Bärenstein ([Abb. 109]), die schräge Richtung jedem Beschauer in die Augen fallen sollte, ist sie wohl beobachtet worden. Die meisten Wanderer gehen achtlos daran vorüber. Nun hat zwar Gutbier (Abb. 19, S. 35) eine Zeichnung von der Südwestseite des Naundorfer Großen Bärensteins gegeben, auf der die schräge Zerklüftung neben der senkrechten in auffälliger Weise zur Anschauung gebracht ist, allein das Bild ist nicht getreu und gibt eine falsche Vorstellung, fast als ob die schrägen Wände eben noch im Fallen begriffen wären. In Wirklichkeit erscheint, von derselben Seite aufgenommen, die Felsenwand des Bärensteins doch anders. Und hier sieht man namentlich auf der rechten Seite des Bildes die senkrechten und schrägen Klüfte in merkwürdiger Weise wechseln. Die Ursache dieser Erscheinung harrt noch der Erklärung.
Abb. 99. Bad Schweizermühle.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 94].)
Die Verwitterung.