Abb. 102. Felsenturm an der Heiligen Stiege.
Liebhaberaufnahme von Hofgoldschmied P. Eckert in Dresden.
(Zu [Seite 104].)
Auswitterungen und Höhlen.
Die letzte Form dieser Art von Zerstörung der Felsmassen könnte man schon als Auswitterung bezeichnen; allein im engeren Sinne soll darunter der Angriff der Atmosphärilien auf die senkrechten Wände und einzelne Steinblöcke bezeichnet werden, die durch raschen Wechsel der Temperatur, durch anschlagenden Regen, durch einfressenden Nebel, vielleicht auch durch anhaftende Moospolster verursacht werden können. Es entstehen Aushöhlungen am Gestein, die bei weiterem Fortschritt zu wirklichen Höhlen sich auswachsen können.
Das Prebischtor.
Vor allem sind die Schichtungsfugen der wagerechten Bänke den Angriffen der Luft ausgesetzt. Reihenweise erscheinen die Aushöhlungen dann nebeneinander, meistens in den höheren Teilen der Wände. Klein, rundlich und von wenigen Centimetern Tiefe und Breite stehen sie da mit gewölbter Decke und wagerechter Sohle, von der nächsten Höhlung oft nur durch zierliche Pfeiler getrennt, die in ihrer Gestalt an Sanduhren erinnern. Auch übereinander treten sie auf ([Abb. 115]). Wenn die Pfeiler dann auch gefallen oder verwittert sind, vereinigen sich die benachbarten Vertiefungen schon zu größeren Höhlungen. Beispiele dafür bietet das Bild einer Felswand am Gorisch, rechts vom Aufstieg zur Tafel des Berges; aber hier finden sich die Höhlungen ziemlich niedrig an der Felswand. Weiter fortgeschritten sieht man solche Bildungen auch am Quirl und hier namentlich die große Höhle des Diebeskellers, die 29 m tief in den Felsen eindringt. Und schließlich können, wenn schmalere hochaufragende Felswände oder Felsmassen von zwei entgegengesetzten Seiten in dieser Art von der Auswitterung angegriffen werden, große Höhlen und Tore, wie der Kuhstall ([Abb. 116]) und das Prebischtor entstehen, die als die berühmtesten ihrer Art kleinen Nachbildungen wieder ihren Namen verliehen haben wie Kleines Prebischtor, Großer und Kleiner Kuhstall auf dem Pfaffensteine, wenn diese auch nicht auf dieselbe Art entstanden sind. Auch die Kleinsteinhöhle ([Abb. 117]) gehört hierher. Man ist früher der Ansicht gewesen, diese großen Höhlen seien durch Meeresbrandung ausgewaschen und hat auch die schrägliegenden und gestürzten Sandsteinbänke an den Nikelsdorfer Wänden mit den von der Brandung angegriffenen Klippen an der See verglichen oder auf die Stufenabsätze am Teichstein und am Prebischtor hingewiesen; allein wirkliche Spuren eines hier vorhandenen Meeres in der Diluvialzeit sind nicht nachzuweisen und es müßten, wenn die Höhlen durch Wellen und Brandung geschaffen wären, dieselben doch in annähernd gleicher Meereshöhe liegen. Das ist aber nicht der Fall. Das Prebischtor liegt 420 m, der Kuhstall 309 m, die Kleinsteinhöhle 325 m überm Meer. Allerdings muß zugegeben werden, daß das Prebischtor, statt durch Auswitterung, auch durch Ausbrechen der lockeren inneren Quadern entstanden sein kann. Jedenfalls bleibt dies Tor die merkwürdigste und sehenswerteste Bildung im ganzen Sandsteingebiet und wird außerdem noch wegen seiner einzig schönen Aussicht geschätzt.
Abb. 103. Am Wildschützensteige.
Nach einer Aufnahme von Dr. Trenkler & Co. in Leipzig. (Zu [Seite 105].)
Endlich gibt es noch eine Art von Auswitterung, die den Fels nur auf der Oberfläche angreift, ohne ihn völlig umzugestalten. Es entstehen dadurch an den Wänden schmale vortretende Simse oder wagerecht verlaufende Leisten. Oder es bilden sich auf den höchsten Steinplatten beckenförmige Vertiefungen, gleichsam rundliche Steinwannen, die eine allzu geschäftige Phantasie für Opferbecken aus der Heidenzeit erklärt hat, weil man an der Gestalt dieser Becken glaubte, die Arbeit von Menschenhand zu erkennen. Häufig findet sich Wasser in diesen Becken, wie auf dem Großen Zschirnstein, wo man diese Wanne das Rabenbad genannt hat; auch auf dem Lilienstein findet man ein solches Becken, das über 1 m lang und 40 cm tief ist.
Die Auswitterung.