Eine wirkliche Kleinarbeit trifft man aber an einzelnen Felsen namentlich in höheren Lagen, wo die Oberfläche so zierlich durchlöchert ist, daß man diese Auswitterungen mit Honigwaben oder mit einem Schwamm verglichen hat. Häufig ist hier der Sandstein von einem eisenschüssigen Bindemittel durchsetzt und rostbraun gefärbt, und wenn hier das Eisen nicht den ganzen Stein durchdringt, sondern nur eine Oberflächenschicht erfüllt, dann wird, da das Eisen sich am schnellsten zersetzt, nur der Überzug durchlöchert, wie bei einer Filigranarbeit, und diese fällt, wenn sich nach innen der Zusammenhang mit der Hauptmasse des Steines verloren hat, ab und sinkt zu Boden oder kann sehr leicht abgeschlagen werden. Als Beispiel für diese Art der Auswitterung geben wir zwei Ansichten, erstens von einem Felsblock unmittelbar am Eingange zur Götzinger-Höhle ([Abb. 118]). Hier ist die Oberfläche rostfarben von Eisen durchsetzt und die Oberflächenschicht an manchen Stellen schon abgefallen, so daß man den glatteren Fels sieht. Die zweite Ansicht zeigt einen grauweißlichen Sandstein, die untere Felsbank am Schuttkegel im Hochtal oberhalb des Großen Domes ([Abb. 119]). Hier wird nicht bloß die Oberflächenschicht angegriffen, sondern die Auswitterung dringt tiefer, die ausgewitterten Höhlungen sind verhältnismäßig größer.

Abb. 104. Der Bloßstock, fälschlich Blaustock; alleinstehender Felsen.
Liebhaberaufnahme von Hofgoldschmied P. Eckert in Dresden. (Zu [Seite 103].)

Die Ursache dieser Art von Aushöhlungen ist noch nicht mit Sicherheit gefunden. Gutbier schreibt dem Nebel die Ursache zu, und seine Begründung hat viel für sich. Nach seinen Beobachtungen werden diese Auswitterungen hauptsächlich am Fuß der Felsen angetroffen. „Diese Zone ist unabhängig von der Höhe über dem Meere, unabhängig von gewissen Schichten des Sandsteines, sie steht dagegen in genauester Beziehung zu den sogenannten Fichtendickichten, zu der Höhe, in welcher junge Nadelhölzer am dichtesten zusammengewachsen sind, tiefen Schatten verursachen und jeden Luftzug verhindern.[2] In dieser Zone schlagen sich an vielen Tagen im Jahre die Nebel nieder und können nicht entweichen. Die Feuchtigkeit hängt sich in Tropfen an das Gestein und wird zum großen Teile von demselben aufgenommen. Ein kieselig toniges Bindemittel, wie in den meisten feinkörnigen Sandsteinen vorhanden, widersteht am besten der Zerstörung; waltet aber der Ton vor, so nimmt er begierig das Wasser auf, welches ihn mechanisch aufweicht und ausführt; kalkiges Bindemittel wird durch die Kohlensäure im Wasser zersetzt, ebenso wird der vorhandene Eisenocker ausgelaugt und zur Zerstörung und Umbildung des Gesteines benutzt... Während der Wintermonate verstärkt der Frost den Verwitterungsprozeß, indem die kleinen Eiskristalle der eingedrungenen Feuchtigkeit das Gestein auseinander treiben und zum Zerfallen bringen. Wie schwer außerhalb der Nebelzone die ersten Anfänge der Verwitterung auf Felswände mit frischem Bruch einwirken, zeigt eine hohe Wand an der Nordseite des Pfaffensteines, welche sich durch helle Färbung vor ihren Nachbarn heraushebt. Am 3. Oktober 1838 fand nämlich hier ein Felsensturz statt, und die seit fast zwanzig Jahren bloßgelegte Wand hat ihre Farbe bis jetzt (1857) noch nicht im mindesten verändert. Sie ist aber auch der Wirkung aller Stürme bloßgestellt. Die architektonischen Verzierungen an der Spitze des Höckerigen Turmes zu Meißen, welche gegen 500 Jahre der Witterung ausgesetzt waren, haben kaum einen Zoll Stärke von außen herein eingebüßt. Welche Zeiten werden nötig gewesen sein, um die Felsensäule des Bieler Grundes aus dem Zusammenhange ihrer Schichten zu bringen! Je mehr sie aus der ursprünglichen Verbindung heraustraten, desto mehr wurden sie der Nebelzone, die überall in den Klüften herrscht, entrückt, desto langsamer ging in den letzten Jahrtausenden ihre Zerstörung von statten.“

Abb. 105. Zuckerhut am Gabrielensteig im Prebischgrunde.
Nach einer Aufnahme von Dr. Trenkler & Co. in Leipzig. (Zu [Seite 103].)

[2] Daß aber in allen Gegenden unseres Gebirgslandes seit Jahrtausenden viele Generationen der Nadelhölzer heranwuchsen, mithin jeweilig überall am Fuße der Felsen Dickichte bildeten, darüber wird niemand im Zweifel sein. —

VIII.
Die Steine und Felsenhöhen.

Die Steine und Felsenhöhen.