Was den spülenden Wassern der Elbe und ihren Zuflüssen, und was den zersetzenden Einwirkungen der Luft auf dem Boden der Sandablagerungen widerstand und im ganzen Gebirge durch seine auffälligen Gestalten und seine Höhe vor allen den Blick auf sich zieht, sind die Felsenhöhen, die nackten und zerrissenen Klippenreihen und die einzeln aufragenden Steine. Ihre Höhe nimmt nach Norden ab; eine durch ihre Gipfelpunkte oder Bergplatten gezogene Linie würde die allmähliche Neigung nach Norden deutlich zum Ausdruck bringen. Aber es besteht doch ein Unterschied zwischen den Bergen und Felsen rechts und links der Elbe; ähnlich wie uns die Lagerung der Sandsteinbänke rechts der Elbe wagerecht, links vom Strome nach Norden geneigt erscheint. Links von der Elbe liegen die höchsten bewaldeten Bergplatten und einzeln aufragende Steine, rechts die höchsten Basaltkuppen und zahlreiche Felsenkessel und Klippenzüge. Wir wollen die höchsten und bekanntesten Höhen hier einander gegenüberstellen.

Links der Elbe:

Rechts der Elbe:

Schneeberg

721 m

Rosenberg

620 m

Großer Zschirnstein

561 m

Großer Winterberg

551 m

Kleiner Zschirnstein

471 m

Kleiner Winterberg

500 m

Papststein

452 m

Rudolfstein

486 m

Pfaffenstein

428 m

Lilienstein

411 m

Königstein

360 m

Basteifelsen

305 m

Über den Ebenheiten oder über den Fuß des Berges erheben sich diese Höhenpunkte durchschnittlich etwa 200 m, mit Schwankungen von 120–270 m. Es sind das natürlich nur annähernd zutreffende Zahlen, weil sich bei manchen dieser Berge der Fuß nicht sicher angeben läßt. Die angesetzten Zahlen sollen nur eine allgemeine Vorstellung davon geben, wie hoch sich über der umgebenden Landschaft die einzelnen Felsenberge mit ihren Steilwänden erheben und welchen Einfluß diese kühnen Formen auf das Landschaftsbild ausüben müssen, so daß sich die Sächsische Schweiz dadurch schon in weiter Ferne von den Umrissen der Lausitzer oder Erzgebirgischen Höhen durchaus unterscheidet.

Abb. 106. Felsentor im Uttewalder Grund. (Zu [Seite 104].)

Der Hohe Schneeberg.

Wir beginnen mit der Beschreibung der wichtigsten Berge auf dem linken Elbufer. Der Hohe Schneeberg ([Abb. 120]) stellt eine von Südwest nach Nordost gestreckte Bergplatte von fast 2 km Länge und 700 m Breite dar. Die Sandsteintafel, die ganz mit Wald, auch an den Abhängen, bedeckt ist, neigt sich in der Richtung der Längserstreckung und fällt vom höchsten Punkte im Süden, 721 m, auf 628 m im Nordosten. Der Berg bricht allenthalben in Steilwänden in den ihn rings umgebenden Wald ab, namentlich aber nach der Südseite, wo der rasche kurze Abfall ins Tal des Eulaer Baches einen Höhenunterschied von 500 m ausmacht, während auf der Nordseite der Unterschied höchstens 200 m beträgt. Der Abfall nach Süden ist aber nicht, wie bei den meisten „Steinen“, durch eine einzige senkrechte Felswand erfolgt, sondern in mehreren Absätzen und es sind hier infolge der großen Verwerfungsspalte am ganzen Südrande des Erzgebirges die etwa 10 m starken Sandsteinbänke unter einem Winkel von fünf Graden nach Süden eingefallen. Im Jahre 1824 wurde auf der höchsten Stelle des Berges ein Steinwürfel gesetzt mit der Inschrift: Monumentum astronomico-geometricum. Er bildete also einen wichtigen Knotenpunkt für die Landesvermessung von Böhmen. Östlich von dem Denkstein erhebt sich seit dem Jahre 1864 ein hoher steinerner Aussichtsturm, von dem aus man die schönste und umfassendste Aussicht im ganzen Sandsteingebirge genießt; denn man hat von hier aus nicht bloß das landschaftlich schönste Bild namentlich gegen das Böhmische Mittelgebirge vor sich, sondern auch die belehrendste Rundsicht, insofern man vier verschieden gestaltete Gebirge: Erzgebirge, Mittelgebirge, Sandsteingebirge und Lausitzer Gebirge um sich erblickt. Der südliche Abhang des Schneeberges ist an der tektonischen Bruchlinie mit einem ausgedehnten Felsenmeere von mächtigen Sandsteinblöcken überdeckt.

Abb. 107. Tyssaer Wände nach Franzens Aussicht.
Nach einer Aufnahme von Paul Heine in Dresden. (Zu [Seite 105].)

Die Zschirnsteine.