In einer Entfernung von 8 km Luftlinie beginnt nun im Norden vom Hohen Schneeberg die Zone der „Steine“. Die Zone erstreckt sich von Südost nach Nordwest, hat eine Länge von etwa 16 km und eine Breite von 6 km und liegt mit Ausnahme der von der Elbe umflossenen Halbinsel des Liliensteins ganz auf dem linken Ufer des Stromes. Meistens liegen diese Steine paarweise, wie der Große und Kleine Zschirnstein, der Zirkelstein und die Kaiserkrone, der Katzstein und der Müllerstein, Koppelsberg und Kohlbornstein, Papststein mit Gorisch und Kleinhennersdorfer Stein (hier liegen drei Steine zu einer Gruppe vereinigt), Pfaffenstein und Quirl, Bernhardstein und Nickolsdorfer Stein, Große und Kleine Bärenstein. Diese Steinpaare liegen stets nordsüdlich zueinander. Dabei ist der südliche Stein höher als der nördliche, wenn auch in einzelnen Fällen nur um einige Meter.
Getrennt voneinander durch das tiefe Elbtal und einsam liegen die beiden Stromwächter Königstein und Lilienstein.
Abb. 108. Eingang zur Götzinger-Höhle (Diebeskeller) am Bärenstein.
Liebhaberaufnahme von Marine-Oberstabsarzt Dr. Ruge in Kiel. (Zu [Seite 106].)
Der Große Zschirnstein (561 m), der höchste Sandsteingipfel in Sachsen, bildet fast eine rhombische Gestalt mit der Längsachse von Südost nach Nordwest und erhebt sich von allen Seiten in steilen, zum Teil überhängenden Wänden. Die Bergplatte ist etwa 1 km lang und im Norden etwa 40 m niedriger als im Süden. Der Buchenwald auf der Höhe deutet auf das Vorkommen von basaltischem Gestein. Es ist Dolerit, ein Feldspatdolerit, der gelegentlich in Feldspatbasalt übergeht, aber sich nicht in Säulen absondert. Der Sandstein ist grobkörnig und arm an Versteinerungen. Die Aussicht von seiner Höhe gehört durch die prächtige Gruppierung der ihn umgebenden Berge und Felsenhöhen zu den reichsten und reizendsten in der Sächsischen Schweiz, daher manche sie auch jener vom Großen Winterberge, der nur 10 m niedriger ist, vorziehen. Der Kleine Zschirnstein (471 m) fällt nur gegen Norden in steilen Wänden ab. Nordöstlich vom Zschirnstein liegen, in der Luftlinie nur einen Kilometer von der Elbe entfernt, der Zirkelstein (385 m) und die Kaiserkrone (358 m), beide nur noch Trümmer ehemaliger Tafelberge, aber weil von offenen, etwa 270 m hohen Ebenheiten umgeben, weithin sichtbar und immer eine charakteristische Erscheinung in der Landschaft. Der Zirkelstein ist nur noch ein bewaldeter Felsturm, der in zwei Absätzen aufgebaut ist, so daß man auf der unteren Stufe ganz um den Felsen herumgehen kann, der sich als oberer Absatz noch 42 m hoch als steile Wand erhebt und in einer Schlucht erstiegen wird. Von Odeleben meinte, der so einzig und sonderbar gestaltete Zirkelstein könnte dem Mathematiker und Geometer als Symbol dienen.
Kaiserkrone, Papststein und Gorisch.
Die Kaiserkrone ist bis auf drei einzelne Felsspitzen zertrümmert, die in der Ferne eine gewisse Ähnlichkeit mit einer einfachen Krone, aber nicht mit einer Kaiserkrone haben mögen. Früher hieß der Felsen Galitzstein, ein Name, der erst im neunzehnten Jahrhundert verdrängt wurde. Beide Felsen bestehen aus grobkörnigem Gestein, ihre Zertrümmerung muß dem ehemaligen Elblauf, dessen Spuren wir weiter westlich noch im Cunnersdorfer Tal finden, zugeschrieben werden.
Nordwestlich von ihnen erheben sich die drei Steine: Papststein (452 m), Gorisch (448 m, [Abb. 121] u. [122]) und Kleinhennersdorfer Stein (395 m). Von ihnen sind die beiden ersten einer kurzen Beachtung wert. Die Paßhöhe der Straße, die zwischen diesen Bergen hindurchführt, beträgt 350 m, die „Steine“ an beiden Seiten ragen also nur 100 m darüber hinaus und sind daher in einer Viertelstunde von der Straße aus bequem zu ersteigen. Die Felsbildungen auf dem Papststein bieten nichts Eigentümliches; aber der Berg wird vornehmlich seiner Aussicht wegen besucht; er trägt seinen Namen nach dem nahegelegenen Orte Papstdorf und wurde, seitdem der sächsische Prinz und Mitregent, später König Friedrich August, ein großer Naturfreund, 1830 oben gewesen war, bequem zugänglich gemacht und erhielt 1852 einen Aussichtsturm. Die Ausblicke sind durch den Vordergrund bewaldeter Felsberge in der Nähe malerischer als vom Gorisch oder Pfaffenstein. Man könnte den Papststein ein Idyll nennen, lieblicher, traulicher als die anderen Felsennachbarn. Die Rundsicht dagegen vom Turme aus umfaßt zwar den ganzen Gesichtskreis, ist dadurch lehrreich, aber eigentlich nicht schön.
Einen ganz anderen Charakter zeigt der Gorisch, der sich südlich vom Dorfe Gorisch erhebt. Er hat im Grundriß fast dreieckige Gestalt und wird durch eine von Nordwest nach Südost gehende Kluft in zwei Teile getrennt, von denen der nördliche mehr als doppelt so groß als der südliche ist. Außerdem ist früher ([S. 103]) schon darauf aufmerksam gemacht, daß der ganze Felsberg auch noch durch zahlreiche Spalten in der Richtung von Südwest nach Nordost zerschnitten ist. Die Sandsteinmasse hat der Verwitterung gegenüber einen ungleichen Widerstand geleistet. Es ist auf den oberen Bänken nur wenig Humus gebildet worden, meist sind die höckerigen und seltsam ausgewitterten Platten der Oberfläche ohne Pflanzenwuchs und so rauh und uneben, daß man nicht darüber hingehen kann. Die wunderlichen Felsgebilde haben ebenso wunderliche Namen, wie Schildkröten, Hundsköpfe, ruhende Löwen, Vögel, Drachen u. s. w. veranlaßt. Nach dem Westende zu sieht man auf einer Felsplatte, die wie mit lauter kleinen Pyramiden besetzt zu sein scheint, auch die Riesenmaske eines menschlichen Gesichts (natürlich etwas verzerrt) liegen. Besonders schön ist der Berg an seiner Ostseite; tief unten an den Felswänden finden sich jene zierlichen Höhlenbildungen, wie man sie auch an der Nordseite des Königsteins antrifft. Der Basalt tritt an der Ostseite des Schuttkegels zu Tage, und hier findet man auch die Nachbildung der Basaltsäulen von Sandstein geformt. — Die Zerrissenheit der ganzen Felsmasse, die wildrauhen Verwitterungsflächen und die Schwierigkeit, einen bequemen Platz zum Umschauen zu gewinnen, haben lange Zeit von einem Besuch des Berges abgehalten, bis er im Jahre 1886 bequem zugänglich gemacht wurde, so daß er nun gerade wegen seiner von anderen Felsbergen abweichenden Erscheinung, seinen seltsamen Verwitterungen und einzelnen fesselnden Landschaftsbildern häufiger besucht wird.