Abb. 109. Der Naundorfer Bärenstein mit schräger Klüftung,
rechts schräge und senkrechte Klüftung wechselnd.

Liebhaberaufnahme von Marine-Oberstabsarzt Dr. Ruge in Kiel.
(Zu [Seite 108].)

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GRÖSSERES BILD]

Abb. 110. Im Tal oberhalb des Großen Domes.
Unten horizontale Bänke, darüber in der Mitte schräge Klüftung, links davon senkrechte Klüfte.
Liebhaberaufnahme von Marine-Oberstabsarzt Dr. Ruge in Kiel. (Zu [Seite 109].)

Der Pfaffenstein.

Das Gegenstück zum Gorisch bildet in vieler Beziehung der Pfaffenstein ([Abb. 123]). Er ist in seiner Weise ebenso originell wie der Gorisch, wird aber weit mehr besucht, weil er bei weiter fortgeschrittener Zerklüftung und Verwitterung bereits die mannigfachsten Formen zusammengebrochener Wände und dadurch entstandener Höhlen und einzelne stehengebliebene Felstürme zeigt. Die Oberfläche der Felstafel ist bedeutend umfänglicher als die des Gorisch und bietet viel eher Gelegenheit zur Errichtung von Hütten und Häusern, und doch ist auch der Pfaffenstein erst in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts mehr besucht, seitdem sich oben eine Bergwirtschaft, jetzt ein stattliches Gasthaus, befindet. Man hat auch in der Sächsischen Schweiz die alte Erfahrung gemacht, daß, so gering auch die relativen Erhebungen der Felsberge über den Ebenheiten sind, doch jene Berge wenig besucht werden, auf denen dem „erschöpften“ Wanderer nicht eine leibliche Erfrischung in Aussicht steht. Die gegenwärtige Gestalt des Pfaffensteins mit seinen zahlreichen Klüften, durch die man sich hindurchzwängen mag, mit seinen Felsenengen und Toren, durch die man kriechen kann und dazu dem überraschend reichen Pflanzenwuchs ist vor allem der sehr starken Verwitterung zuzuschreiben. Infolge stärkerer Tonbeimischung ist der Pfaffenstein stärker verwittert als ausgewittert. Daher sind die Klüfte wesentlich weiter, vielfach auch bequem zu durchwandeln. Häufig sind die Klüfte zu förmlichen Felsenkesseln erweitert. Blöcke sind hineingestürzt, oder die Gesteinsschichten sind schief gestellt. Die so entstandenen grotesken Höhlen bilden natürlich einen „Kuhstall“. Anderswo sind die Schichtfugen der Bänke durch den Einfluß der Verwitterung dermaßen erweitert und damit der Verband der Steinlager gelockert, daß die mächtigen Felsmauern der Außenseite zusammengebrochen sind und die Riesenblöcke nun über den Schuttkegel des Pfaffensteins zerstreut liegen. Die größten dieser Blöcke, größer als am Gorisch oder Papststein, liegen an der Westseite, an der Wetterseite des Berges. Die starke Verwitterung auf der Hochfläche des Steines hat oben den tiefsten, zum Teil moorigen Boden geschaffen, den wir nur auf den Bergplatten des Sandsteingebirges antreffen. Auf diesem tiefgründigen Boden hat sich eine üppige Pflanzenwelt angesiedelt: Eichen, Buchen, Birken, Ebereschen, Tannen, Fichten, Föhren und darunter üppiges Heidekraut. Der gute Boden hier oben muß schon in ältester Zeit Ansiedler angelockt haben, denn nur hier allein sind die deutlichen Spuren von Ansiedelungen in der jüngeren Steinzeit gefunden. Seiner Natur nach hätte man ähnliches auch auf dem Königstein erwarten können; allein auf seiner seit Jahrhunderten bewohnten Hochfläche sind die ältesten Spuren längst unkenntlich geworden. — So bietet also der Pfaffenstein in seiner jetzigen, allenthalb bequem zugänglich gemachten Natur wiederum etwas durchaus Eigenartiges, das sich auf den anderen Steinen nicht findet.

Abb. 111. Aussicht von den Schrammsteinen.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 110].)

Der Königstein.

Für sich allein steht der Königstein (360 m); er liegt der großen Schleife, die die Elbe um den Lilienstein macht, gegenüber und ist zum Beherrscher des Flusses wie kein anderer Fels geschaffen ([Abb. 124]). Daher erscheint der Berg auch schon früh im Mittelalter auserlesen, als Grenzwächter zu dienen. Bis ins fünfzehnte Jahrhundert war aber das Gebiet der Sächsischen Schweiz von Böhmen abhängig, nur in Böhmen gab es seit 1198 Könige, aber nicht in Sachsen. Die ersten Befestigungen müssen also von den Herrschern in Böhmen ausgegangen sein. Der Name Königstein wird nun in der lateinischen Form lapis regis zuerst 1241 in einer Urkunde genannt, die der König Wenzel am 7. Mai auf dem Königstein vollzog und in der er die Grenze zwischen Böhmen und der Lausitz genau festsetzte. Das Jahr und die Ursache, weshalb der König die neue Festung besuchte, sind merkwürdig genug, um noch länger dabei zu verweilen.