Abb. 113. Das Pechofenhorn am Zeughauswege.
Nach einer Aufnahme von Dr. Trenkler & Co. in Leipzig. (Zu [Seite 110].)

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GRÖSSERES BILD]

Östlich vom Rosenberg zieht die Kamnitz von Windisch-Kamnitz über Kamnitzleiten und Stimmersdorf eine immer tiefer eingeschnittene Erosionsfurche in einem mächtigen Bogen durch das Gelände bis nach Herrnskretschen; breite, wellige Hochflächen, hie und da von basaltischen Kegeln überragt, begrenzen das tiefe Flußtal. Aber jenseits desselben, im Nordosten, erheben sich in einer durchschnittlichen Entfernung von 2 km von der Kamnitz die Steilwände des Sandsteingebirges, nordöstlich vom Rosenberge, um den malerisch gelegenen böhmischen Ort Dittersbach ([Abb. 126]) ein förmliches Amphitheater von grotesken Felshörnern, Kuppen und Wänden bildend. Unter ihnen ragen besonders der Rudolfstein (486 m) und der Marienfelsen (422 m), beide nach dem Fürsten und der Fürstin Kinsky benannt, als aussichtsreiche Punkte hervor. Der Rudolfstein, 1824 zugänglich gemacht, ragt zwar nur etwa 50 m über die umgebenden Felsenhöhen hinaus, aber er gewährt doch die schönste Aussicht in der ganzen Umgebung von Dittersbach. Er bietet (nach Schiffner) eine lehrreiche Übersicht über die Felsenzüge und wildschönen Waldgründe der hinteren Schweiz, sowie herrliche Fernsichten nach dem Kreibitzer Gebirge, nach dem Rosenberge und besonders ins sächsische Land hinab, wo er dagegen wenig bemerkt wird. Der Marienfelsen erhebt seine schlanke Turmgestalt noch näher bei Dittersbach, etwa 200 m über dem Tal; man steigt zu seiner von einem Pavillon gekrönten Höhe auf 240 Stufen hinan. Der Marienfelsen bietet wohl die abenteuerlichste Gestalt im ganzen Sandsteingebirge.

Abb. 114. Verwitterungen des Sandsteins auf dem Gorisch.
Liebhaberaufnahme von Marine-Oberstabsarzt Dr. Ruge in Kiel. (Zu [Seite 110].)

Das Prebischtor.

Weiter westlich und näher dem Großen Winterberge findet sich auf den schroff abbrechenden Felswänden des großen Amphitheaters auch das vielbewunderte Prebischtor (438 m), das sich in einer schmalen und kurzen Felsenmauer, in den obersten Bänken des wagerecht gelagerten Sandsteines über 20 m hoch auswölbt ([Abb. 127]), nach oben einen schön geschwungenen Bogen zeigt und auf dem unteren Boden sonst eine hohe Kiefer nährte, deren Gipfel das obere Gewölbe nicht erreichte. Allein schon die Größe dieses natürlichen Tores bringt eine mächtige Wirkung auf den Beschauer hervor. Es ist eine in ihrer Art einzig dastehende Felsbildung. Der mächtige Eindruck wird aber noch wesentlich erhöht durch die Aussicht, die man von der oberen Platte des Tores aus gegen Süden hat. Es ist die reizendste Mischung der Böhmischen Mittelgebirgslandschaften mit den wilden Felsmassen des Sandsteines. Daher kein Wunder, daß das Prebischtor zu den wichtigsten Reisezielen im Gebirge gehört.

Die hintere Sächsische Schweiz.

Nördlich von diesen berühmten Aussichtspunkten breitet sich zwischen den Elbzuflüssen Kamnitz und Kirnitzsch eine fast gänzlich unbewohnte Felsen- und Waldwildnis aus von über 100 qkm Fläche, ohne Dörfer und Ackerfluren. Diese Wüstenei wird im Westen durch die Elbe begrenzt, im Süden etwa durch eine Linie, die die Dörfer Herrnskretschen, Stimmersdorf und Hohenleipa berührt und nach Osten bis Kreibitz reicht. Die Ostgrenze läuft von Niederkreibitz durch Daubitz, Khaa nach Zeidler und die Nordgrenze von hier über Hemmhübel und Hinterhermsdorf ins Kirnitzschtal nach Schandau. Die Nordgrenze trifft ungefähr mit der des Lausitzer Granits zusammen. Das Ganze bildet ein Schluchtengewirr ohne Wasser, und doch scheinen sich diese Gründe und Schluchten zu förmlichen Flußsystemen mit Haupt- und Nebenflüssen zu ordnen, die sich alle nach Norden zum Kirnitzschtale senken und öffnen; denn die Wasserscheide dieses Gebietes liegt hart an der südlichen Grenze. Nur zwei Straßen durchschneiden diese Wildnis: die Zschandstraße von der Neumannsmühle an der Kirnitzsch über den Ziegenrücken nach Reinwiese, und die Böhmer Straße von der Kirnitzschschänke nach Dittersbach, diese aber noch nicht völlig fahrbar. Die beste Aussicht in die Waldeinsamkeit der hinteren Sächsischen Schweiz genießt man vom Königsplatz (434 m) aus, der südlich von Hinterhermsdorf liegt. Die Wald- und Felsenstufen bringen in das Bild des unermeßlichen Waldes, in dem keine menschliche Wohnung sichtbar wird, eine Abwechslung, die das Auge fesselt und den Sinn beruhigt.