Abb. 115. Höhlenartige Auswitterungen am Fuße des Gorisch.
Liebhaberaufnahme von Marine-Oberstabsarzt Dr. Ruge in Kiel. (Zu [Seite 111].)

Durch die beiden genannten, von Nordwesten nach Südosten ziehenden Straßen wird die ganze Felsen- und Waldzone in drei Teile zerlegt. Es mag dabei noch darauf aufmerksam gemacht werden, daß auch die Elbe, an der Westgrenze dieses Gebietes von Herrnskretschen an eine nordwestliche Richtung einschlägt. Der östliche Abschnitt, östlich von der Böhmer Straße, ist ziemlich eintönig, ohne besondere Felsbildungen, ohne hervorragende Gipfel; der mittlere Teil bis zur Zschandstraße macht in den Torwalderwänden östlich vom Zschand den Anfang jener zersprengten und verwitterten Wände und Felsmassen, wie sie in dem westlichen Stücke so hervorragend ausgebildet sind. Gegen Norden lösen sich auch die Torwalderwände bereits in einzelne Steine auf, die auch als kurze, in der Richtung des Erzgebirges streichende Felsketten bezeichnet werden könnten: der Teichstein, Kanstein und Heulenberg (mit Basalt). Zwischen dem Zschand und der Elbe erstreckt sich von Südosten nach Nordwesten das Gebiet des Großen Winterberges, das bedeutendste und eigenartigste Gebirgsstück östlich von der Elbe. An der Außenseite seiner grotesken Schluchten, Wände und Felsentürme liegen im Süden das Prebischtor und der Prebischkegel, im Norden der Winterstein (Hinteres Raubschloß), Affenstein, die Schrammsteine mit dem Falkenstein und im Westen der Rauschenstein ([Abb. 128]). Zu Füßen dieser wilden Felsen und Klippen schmiegt sich in eine nach der Elbe rasch abstürzenden Schlucht das kleine malerische Dörfchen Schmilka ([Abb. 129]), von wo auch ein vielbegangener Weg zum Großen Winterberge hinanführt.

Abb. 116. Der Kuhstall.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 111].)

Der Große Winterberg.

Der Große Winterberg erhebt sich so recht in der Mitte des Gebietes bis zu 551 m Höhe und überragt mit seiner Basaltkuppe die Umgebung noch um mehr als 100 m. Der Basaltkamm, richtiger noch als Basaltkuppe, streicht von Südwesten nach Nordosten in der Hauptkluftrichtung des Sandsteines. Daß der Cottaer Spitzberg und der Sattelberg im Erzgebirge dieselbe Richtung einschlagen, hat schon Gutbier bemerkt. Das Winterberggebiet kam erst 1492 von Böhmen an Sachsen; richtiger wäre damals schon, auch nach historischem Recht, die Grenze an die Kamnitz gelegt. Die erste genaue Vermessung erfolgte 1782 durch Offiziere des sächsischen Ingenieurkorps. Eigentümliche Beobachtungen machte Odeleben 1825 bei seinen Vermessungen. Er kam erst am sechsundachtzigsten Tage seiner Arbeiten auf den Großen Winterberg und schreibt in seinem Kommentar: „Wie gut war es, daß ich die Arbeit nicht von diesem Gipfel begonnen hatte, denn dies würde zu den schwierigsten Rätseln geführt haben. Sollte man es glauben, daß die Magnetnadel auf dem Basaltknopfe neben dem kleinen Häuschen für Besuchende, wo der Meßtisch aufgestellt ward, mehr als 37 Grad von der, zuvor sorgfältig geprüften und auf den anderen Punkten größtenteils genau übereinstimmenden Richtung abwich.... Die Abweichung blieb sich, wie späterhin bemerkt wurde, nicht gleich. Zwei, drei Schritt von jenem Standpunkte war sie minder bedeutend. Sie schien selbst durch die Witterung zu variieren ... Dieses Schwanken läßt sich wohl nicht anders erklären, als durch die Anhäufung von Magneteisenstein.“ Der 100 m mächtige Basaltgang besteht nach den neueren Untersuchungen aus Nephelinbasalt mit zahlreichen Olivinkristallen. Die Aussicht vom Winterberge ist umfassend, großartig durch den Reichtum an Gestaltungen der Erdoberfläche in der nächsten Umgebung, besonders fesselnd durch den Blick auf die Elbe. Die Aussicht reicht vom Kollmberge bei Oschatz bis zur Tafelfichte. Einer der ersten Reisenden, Magister Christian Weiß, der seine Wanderung 1796 zu Fuß und größtenteils allein unternahm, meint: „Es war mir am interessantesten, den Lauf der Elbe aus Böhmen nach Sachsen zu übersehen.“ Der jugendliche Dichter Theodor Körner äußerte sich 1810 über die Aussicht so: „Der Blick, den der Winterberg gewährt, ist weniger weit umfassend, aber malerischer als viele bedeutend höhere Berge ihn gewähren.“ Dieser Ausspruch ist insofern berechtigt, als Körner die Aussicht vom Gipfel mit der von noch höheren Bergen vergleicht und sie in dieser Beziehung malerischer nennt; denn je höher der Standpunkt ist, um so weniger malerisch wirkt die Ansicht der Landschaft. Bei der Bedeutung und Höhe des Berges ist es auch erklärlich, daß er in die Hauptwanderlinie einbezogen ist, die von Schandau über den Kuhstall, Winterberg, Prebischtor nach Herrnskretschen führt. Sehr bezeichnend heißt der Teil des Weges zwischen Kuhstall und Winterberg „der Fremdenweg“.

Abb. 117. Der Kleinstein.
Nach einem älteren kolorierten Kupferstich von C. A. Richter. (Zu [Seite 111].)