Abb. 126. Dittersbach.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 124].)

Abb. 127. Das Prebischtor und der Rosenberg.
Nach einer Aufnahme von Stengel & Co. in Dresden. (Zu [Seite 126].)

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GRÖSSERES BILD]

Dampf- und Segelschiffahrt.



Die Dampfschiffahrt begann durch die Sächsisch-böhmische Dampfschiffahrtsgesellschaft für öffentliche Benutzung am 25. August 1837. Die erste Fahrt wurde von Dresden nach Meißen gemacht. Gegenwärtig wird durch die Dampfer dieser Gesellschaft der Strom von Leitmeritz bis Mühlberg befahren. Später traten für den Frachtverkehr noch drei andere Schiffahrtsgesellschaften, die schon bei Dresden genannt sind, hinzu. Am Schluß des Jahres 1901 waren bei den sächsischen Elbstromämtern registriert 80 Personendampfer und zwar 35 große und 5 kleine Raddampfer, 40 Schrauben- und sonstige Maschinenschiffe, 8 Güterdampfer, 46 Radschleppdampfer, 31 Kettenschleppdampfer und 492 Segel- und Schleppschiffe mit zusammen 186641 Tonnen Tragfähigkeit. Die Häfen befinden sich in Postelwitz, Königstein, namentlich aber in Dresden, der Alberthafen im Großen Gehege, und in Riesa. Die Verbesserung des Fahrwassers durch Uferbauten begann 1861. Wie sehr seit dieser Zeit die Schiffahrt sich gehoben hat und die Tragfähigkeit der Elbkähne gesteigert werden konnte, wird aus folgendem Vergleiche ersichtlich: Um 1852 trugen die größten Kähne 3000 Zentner, 1886: 15000 Zentner oder 750 Tonnen. Verglichen mit dem Raumgehalt der neuesten großen Seedampfer erscheint die Zahl von 750 Tonnen gering; anders erscheint die Größe, wenn man zum Vergleiche in ältere Zeit zurückgeht. Man wird erstaunen, wenn man hört, daß die aus fünf Seeschiffen bestehende Flotte Magalhães’ bei der ersten Weltumsegelung 1519–1521 zusammen nur 500 Tonnen Gehalt hatte, also an Tragfähigkeit bedeutend gegen einen einzigen großen Elbkahn zurücktrat. Ehe die Schleppdampfschiffahrt ins Leben trat, machten die Segelkähne gewöhnlich drei Reisen nach Hamburg in einem Sommer, später aber und jetzt kann die Zahl auf sieben und gar auf zehn Reisen gesteigert werden. Die Segelschiffahrt ist daher fast völlig verschwunden und das durch die weißen, hohen Segel belebte Strombild, wenn die Schiffe mit günstigem Fahrwinde elbaufwärts flogen, gehört ebenso der Vergangenheit an, wie die zahlreichen Schiffsmühlen auf der Elbe, die hart am Ufer in mancher malerischen Stromecke, aber auch an Stellen sich angesiedelt hatten, die der lebhafter werdenden Schiffahrt unbequem waren. Auch die Schiffzieher, die Bomätschen, sonst eine volkstümliche Erscheinung auf den Leinpfaden am Wasser, sind ausgestorben. Über die Größe des Güterverkehrs auf der Elbe beim Zollamt in Schandau sei folgendes erwähnt. Es betrug dieser Verkehr im Jahre 1900: 2735000 Tonnen. Einen noch größeren Verkehr zeigen die vier Rheinhäfen Mannheim (4¼ Mill. T.), Duisburg (3½ Mill. T.), Ruhrort (über 5 Mill. T.) und Emmerich an der niederländischen Grenze (10 Mill. T.), und ferner die zwei Häfen im Elbgebiet Berlin (4¾ Mill. T.) und Hamburg (5⅓ Mill. T.). Schandau steht also unter den deutschen Flußhäfen an siebenter Stelle. Die Frachten gehen meistens flußabwärts. Befördert wurden 1698000 T. Braunkohlen, 369000 T. Holz, 309000 T. Zucker, 80000 T. Steine (nur von den Brüchen oberhalb Schandau), 72000 T. Gerste und 14000 T. Obst. Flußaufwärts gingen namentlich Düngmittel (81000 T.), Roheisen und Erze (je 51000 T.). Was die Beförderung von Floßholz betrifft, so weisen die Häfen an der Memel (Memel) und Weichsel (Thorn) eine noch höhere Zahl von Tonnen auf, nämlich Thorn 722000 T. und Memel 647000 Tonnen. Hier steht Schandau an dritter Stelle. Die Elbflößerei hat darum eine besondere Bedeutung. Das Holz kommt aus den böhmischen Herrschaften, vor allem von der oberen Moldau. In Böhmen haben die Prager Juden diesen Handelszweig in der Hand. Die größten Holzniederlagen sind in Niedergrund und Herrnskretschen. Von hier gehen die großen Prahmen oder Flöße nach Magdeburg als dem Haupthandelsplatz an der mittleren Elbe; jedes Floß ist bis 110 m lang und hat vorn und hinten Ruder, acht Stämme liegen nebeneinander. Eine solche Magdeburger Prahme hat 14 Mann zur Bedienung für die 14 Ruder, je sieben vorn und hinten. Die Flöße dürfen nach dem Reichsgesetz von 1894 nicht länger als 130 m und 12,6 m breit sein. Sie dürfen auf der Elbe auch nicht nebeneinander, sondern nur, und zwar in einem Abstande von 400 m, hintereinander fahren. In der Regel dauert eine Fahrt bis Magdeburg acht Tage. Wenn die Flöße die Elbbrücken passieren, sammeln sich immer Zuschauer, um dem Steuern dieser schlangenartig sich bewegenden Fahrzeuge zuzusehen. Seit 1878 wird ein Zoll von dem böhmischen Holze erhoben, der dem Deutschen Reiche etwa ¾ Mill. Mark abwirft. Seitdem kommen nicht mehr verarbeitetes Holz, Bretter und dergleichen herein, sondern nur Rundholz und es haben sich auf deutschem Gebiet große Schneidemühlen an der Elbe in Schandau, Königstein, Laubegast, Dresden und Riesa entwickelt. Die Flößer stammen meistens aus den böhmischen Elbdörfern Herrnskretschen, Johnsdorf, Rosendorf, Arnsdorf, Elbleiten, Kamnitzleiten und Stimmersdorf, die sich, von Haus aus Handwerker und Bauern, ein Nebengewerbe aus der Flößerei gemacht haben.