Abb. 133. Ernte bei Weißig.
Liebhaberaufnahme von H. Engert in Dresden. (Zu [Seite 136].)
Fabrikation künstlicher Blumen.
Es bleibt nur noch kurz zu erwähnen übrig, daß sich in Sebnitz und Umgegend und bis nach Schandau hinab die Herstellung künstlicher Blumen zu einem blühenden Erwerbszweig entwickelt hat. In Schandau ist sogar eine Fachschule für Blumenarbeiter gegründet. Die Ausfuhr dieser Erzeugnisse nach Nordamerika belief sich 1895 schon auf mehr als 750000 Mark.
So haben wenigstens die beiden größten Städte der Sächsischen Schweiz, Pirna und Sebnitz, eine Industrie, die ihren Namen über die Grenzen des deutschen Landes hinaus bekannt gemacht hat. Denn aller Sandstein, der versandt wird, heißt in der Fremde Pirnischer Sandstein. Und Sebnitz hat neben älteren Gewerbszweigen durch die Herstellung künstlicher Blumen einen erhöhten Handelsverkehr gewonnen. Übrigens sind die Städte in unserem Gebiete nur als klein zu bezeichnen, denn keine erreicht eine Bevölkerung von 20000 Seelen. Die meisten sind in ihrer Lage im engen Elbtal oder in einem tiefen Seitental oder auf einer Felsenanhöhe dermaßen beschränkt, daß an eine bedeutendere Ausdehnung nicht zu denken ist. Einzig und allein Pirna ist einer größeren Ausdehnung fähig. Daher kommt es, daß auch jetzt schon Pirna fast ebenso volkreich ist, als die anderen Städte zusammen, nämlich 18300 Einwohner gegen 18900 Einwohner.
Zunächst mögen diese Städte hier der Größe nach aufgeführt und zugleich ihre Volkszahl vor 100 Jahren in Klammern dahinter gesetzt werden.
Pirna zählte 1900: 18300 Einwohner (3660 im Jahre 1801), Sebnitz 8650 Einwohner (2320), Königstein 4270 Einwohner (1080), Schandau 3260 Einwohner (950), Wehlen 1400 Einwohner (670), Hohnstein 1320 Einwohner (600).
Man sieht daraus, daß Pirnas Bevölkerung in 100 Jahren um mehr als das fünffache, die von Sebnitz fast um das vierfache, Königstein um das vierfache, Schandau um mehr als das dreifache gestiegen ist und Wehlen und Hohnstein sich nur verdoppelt haben.
Pirna.
Pirna ([Abb. 137]) hat zweifellos die günstigste Lage, es lehnt sich an das Sandsteingebirge, genießt aber auch alle Vorteile des offenen Elbtalbeckens. Pirna hat schon im Mittelalter eine größere Bedeutung. Wir haben schon bei der Schilderung Dresdens auf den alten Straßenzug durch das Pirnische Tor und die Pirnische Straße hingewiesen. Gedeckt war die Stadt im Mittelalter durch die über Pirna auf der ersten Sandsteinhöhe thronende Feste Sonnenstein, die seit 1811 in eine Irrenanstalt umgewandelt ist. Die Stadt hat eine lebhafte Industrie, günstige Handelsverbindungen, da es im Knotenpunkt mehrerer Bahnen liegt und ist in erfreulicher Blüte begriffen. Erst seit 1404 gehört Pirna dauernd zur Markgrafschaft Meißen.