Königstein verdankt seine Entstehung dem Schutze der die Stadt überragenden Festung; die Stadt ist also jedenfalls jünger als Sebnitz. In seiner Lage im engen Bielatal und am schmalen Elbstrande hin für weitere Entwickelung beschränkt, war eine Ausdehnung nur in bescheidenem Maße gestattet. Trotzdem hat sich diese Stadt weiter entwickelt und bei wachsender Volkszahl auch neue Industriezweige entfaltet. Wenn Götzinger zu seiner Zeit als Hauptnahrung Brennerei und Viehmast, Schiffahrt und Steinbrechen nennt und darauf hinweist, daß das im siebzehnten Jahrhundert so berühmte Königsteiner Bier kaum noch gebraut werde, so finden wir statt dessen gegenwärtig bedeutende Holzsägewerke und Schiffbau, Papier- und Zellulosefabrikation und verschiedene Gewerbe, die sich mit der Verarbeitung und Verwendung des Holzes beschäftigen. Der Erfinder der Holzschleiferei und des Holzstoffes, Friedrich Gottlob Keller (1816 bis 1895), starb in Krippen, wo ihm auf dem Kirchhofe ein Denkmal gesetzt wurde. Die Inschrift auf dem Grabsteine Kellers lautet: „Hier ruht Friedrich Gottlob Keller, geb. den 27. Juni 1816 zu Hainichen, gest. den 8. September 1895 zu Krippen. Dem Erfinder des Holzschliffes in dankbarer Anerkennung gewidmet von Mitgliedern des Sächsischen Verbandes deutscher Holzschleifer und des Vereins Sächsischer Papierfabrikanten.“ Das Städtchen Königstein führte im Volksmunde auch den Spottnamen Quirlequitsch. Derartige Hänseleien und auch Spottverse, womit die „getreuen Nachbaren“ einander zu necken pflegten, waren auch an der Elbe beliebt. Da hieß es von Schandau: „Meißnische Ehre und Redlichkeit haben in Schandau ein Ende;“ und der Antiquarius des Elbstroms fügt 1741 in biederer Gesinnung hinzu, damit man sich nicht für die böse Seite des doppelsinnigen Ausspruches entscheide, daß das Meißner Land bei Schandau zu Ende gehe und daß man daher unrecht tue, wenn man diesen Ort zum Leitmeritzer Kreise und nach Böhmen rechne. — Von der Armut der Hohnsteiner lautete der Denkspruch: „Wer sich will in Hohnstein nähren, muß essen Schwämme, Pilze und Heidelbeeren.“ Die Städte Stolpen, Neustadt und Sebnitz wurden summarisch abgetan mit den Reimen:

Von Stolpen weht der Wind,

Zu Neustadt haben sie’n Bock geschindt,

Zu Sebnitz henkt man’s eigne Kind.

Auch Pirna blieb nicht ungeneckt, doch gehört der Spottvers erst der neueren Zeit an, da die darin ausgesprochene Gleichstellung der Insassen von Pirna und von der Irrenanstalt auf dem Sonnenstein erst nach Errichtung dieser Anstalt 1811 entstehen konnte.

Am meisten hat aber wohl stets der Name Quirlequitsch für Königstein heitere Zustimmung erfahren, auch wenn man sich die Entstehung des Namens nicht klar gemacht hat. Ist man doch in satirischer Laune sogar geneigt gewesen, das Wort aus dem Lateinischen „querularum quies“ zu deuten. Das mag wohl auch den Satiriker Rabener veranlaßt haben einen „Auszug aus der Chronike des Dörfleins Querlequitsch, an der Elbe gelegen“, zu schreiben, der zuerst in den Belustigungen des Verstandes und Witzes, 1742, erschien. Dieser Aufsatz enthält keinerlei Beziehungen auf Zustände in der Stadt Königstein, sondern soll nur, wie schon der Pfarrer Süßen in seiner Historie des Städtchens Königstein 1755 vermutet, durch eine inventierte angenehme Erzählung die Schwachheiten mancher Geistlichen kritisieren, welche diese bei Abfassung von Chroniken an den Tag legen, wenn sie zuweilen mitten in der Chronik anfangen zu predigen, oder sich sonst bei Erzählung geringfügiger und fabulöser Dinge aufhalten, aber dabei wichtigere Mitteilungen versäumen.

Abb. 137. Pirna und der Sonnenstein.
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu [Seite 147].)

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GRÖSSERES BILD]

Geschichte Klettenbergs.