Schandau.

Schandau ([Abb. 141]), in ähnlicher Lage wie Königstein an der Mündung eines Nebenflusses und auf der schmalen Elbaue gelagert, hat zwar noch mehr Raum als Königstein zu weiterer Ausdehnung; allein die Lage der Aue ist so tief, daß der Ort mehr als alle anderen Städte den Überschwemmungen und Hochfluten ausgesetzt ist. Magister Christian Weiß bezeichnete Schandau im Jahre 1796 als eine kleine, aber sehr schön gelegene und meist von Schiffern, Webern und Handwerkern bewohnte Stadt. Die sehr schöne Lage ist der Stadt als natürliche Mitgift geblieben und hat vor allem nach diesem Mittelpunkte der Sächsischen Schweiz die Fremden hingezogen. Die ansehnliche Reihe großer stattlicher Gasthäuser, die sich an der Elbe erheben, verleiht der Stadt einen großstädtischen Anstrich. Kein anderer Ort kann sich in dieser Beziehung mit Schandau messen, es ist auch für vornehme Gäste nirgends in der Sächsischen Schweiz besser gesorgt als hier, sei es zu kürzerem Besuch oder zu längerem Aufenthalt. Auch der Stadtteil im Kirnitzschtal mit seinen Landhäusern und Gärten bis zu dem ehemals mehr als jetzt besuchten Bade macht einen anmutigeren, freundlicheren Eindruck als sonst eine Stadt an der Elbe. So ist Schandau die Stadt des lebhaftesten Fremdenverkehrs geworden, dem keine andere den Rang streitig machen kann. Wie bedeutend der Elbverkehr hier ist, an dem sich die Stadt auch beteiligt, ist bereits erwähnt worden.

Abb. 141. Schandau.
Nach einer Aufnahme von F. & O. Brockmanns Nachfolger R. Tamme in Dresden. (Zu [Seite 156].)

[❏
GRÖSSERES BILD]

Wehlen.

Wehlen, früher Wehlstädtel genannt, auf einer Vorstufe oder einem höheren festen Ufer unter einem mäßig hohen, alleinstehenden Burgfelsen gelegen, verdankt wohl seine Entstehung der ehemaligen Burg, von der gegenwärtig nur noch die unteren Mauern des Burghügels erhalten sind ([Abb. 142] u. [143]). Erst 1364 wird Wehlen als Städtchen (oppidum) bezeichnet. Die Burg war älter; aber, wenn auch slavischen Namens, wohl schwerlich schon im frühesten Mittelalter eine slavische Burg. Erwähnt wird sie erst in der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts, wo Heinrich der Erlauchte (1222–1288), Markgraf von Sachsen in der Zeit von 1269–1272, hier mehrfach Urkunden unterzeichnet hat, woraus geschlossen werden darf, daß er hier längere Zeit residiert hat. Ist dies der Fall, dann würde sich damit auch erklären, daß unter allen Burgen in der Sächsischen Schweiz Wehlen den stattlichsten, man möchte sagen einen fürstlichen Bau zeigte, der, wenn auch vernachlässigt, verfallen und mancher Schmuckteile beraubt, bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts noch eine sehenswerte, malerische Ruine vorstellte, die von den Künstlern jener Zeit vielfach gezeichnet und gemalt worden ist. Noch im Anfange des neunzehnten Jahrhunderts erinnerten die beträchtlichen und ehrwürdigen Ruinen des Schlosses, die aus hohen, sehr starken Mauern, Rundungen und Wänden von Türmen und Basteien bestanden, an den ehemaligen großen Umfang desselben. Auch aus den Trümmern konnte man noch erkennen, daß der Bau frühestens dem zwölften Jahrhundert angehört hatte. Aber die immer morscher werdenden Mauern bedrohten durch Einsturz mehrfach die darunterliegenden Häuser im Städtchen, infolgedessen dann die Burg bis auf die Grundmauern abgetragen werden mußte, wodurch die ganze Landschaft leider einen herrlichen, romantischen Schmuck einbüßte. Das Städtchen ist auf einen kleinen Raum am Ausgange des Uttewalder Grundes beschränkt und hat daher nicht in demselben Maße wachsen können, wie die anderen Elbstädte. Auch hier herrscht ein lebhafter Fremdenverkehr, denn die Stadt bildet, nach Beginn des Dampfschiff- und Eisenbahnverkehrs, recht eigentlich das Eingangstor zur Sächsischen Schweiz.

Abb. 142. Die alte Burg Wehlen um 1755.
Nach der gleichzeitigen Radierung von Grundmann. (Zu [Seite 158].)