Am vierten Tage kamen diese Abgesandten wieder zurück und erzählten, sie seien 12 Meilen zu einem Orte von 50 Häusern und etwa 1000 Einwohnern gekommen. Man hatte sie nach Landessitte feierlich empfangen und in den besten Häusern untergebracht. Die Indianer küßten ihnen Hände und Füße, weil sie die Fremdlinge für Sendboten des Himmels hielten. Die Vornehmsten des Dorfes trugen sie auf ihren Armen zu dem größten Gebäude und ließen sie niedersitzen; auch die Frauen erschienen sodann und erwiesen ihnen gleiche Verehrung wie die Männer. Auf die Frage nach Gewürzen, von denen man den Eingebornen die Proben vorlegte, zeigten diese nach Süden, wo dergleichen Produkte gedeihen sollten. Bei ihrer Wanderung durch das Land lernten die beiden Spanier auch zuerst die Sitte des Rauchens kennen. Man nannte nicht das Kraut, sondern die daraus gefertigten Rollen, welche man anzündete und deren Rauch man einsog, tabaco. Der Admiral fügte diesem Berichte die Hoffnung hinzu, daß die spanischen Majestäten bald Geistliche herübersenden würden, um die zahlreichen Völker zum rechten Glauben zu bekehren.

Am 12. November lichtete er die Anker, um seine Entdeckungsfahrt weiter fortzusetzen. Mit günstigem Fahrwind steuerte er an der Nordküste Cubas weiter gegen Nordwesten. Mit Entzücken spricht er von dem Reichthum an Gold, Perlen und Spezereien und hofft bald die großen Städte des Kaans zu erreichen. Da sich aber die Küste immer weiter gegen Nordwesten zog, und Columbus fürchtete, in den Winter hineinzukommen (denn nach einer ganz fehlerhaften Beobachtung glaubte er schon bis zur Breite von Spanien, bis zum 42° n. Br. vorgedrungen zu sein), und da ferner seine indianischen Begleiter wiederholt die Insel Babeque als besonders goldreich nannten und behaupteten, dieselbe liege weiter nach Osten, so ließ Columbus am 13. November die Schiffe wenden und wieder nach Osten steuern. Er war etwa bis zum 77½° westlich von Greenwich gelangt.[214]

Am folgenden Tage (am 14. Nov.) glaubte er in der Nähe der zahllosen Inseln sich zu befinden, welche auf den Weltkarten im äußersten Osten, Asien vorgelagert, gezeichnet sind. Diese phantastische Inselwelt fand sich also wahrscheinlich bei Toscanelli in ähnlicher Weise dargestellt, wie auf dem Globus Behaims. Von diesen Vorstellungen war Columbus ganz erfüllt und wie in einem Banne gefangen. Nie hat er sich von diesen Anschauungen losmachen können und schloß dann später daraus, daß, da er nach seiner Schätzung nicht so weit von den Canarien entfernt war, als man nach der Darstellung der ihm vorliegenden Karten erwarten konnte, die Erde einen geringeren Umfang besitze, als die Kosmographen auf die Autorität der Alten hin allgemein annahmen.

Mit widrigen Winden kämpfend ging Columbus an der Nordseite Cubas wieder zurück nach Osten. Als er am 21. November, nahe der östlichen Spitze der Insel, sich genöthigt sah, die Küste zu verlassen und gegen Nordosten weit ins Meer hinauszusteuern, so daß er bereits den halben Weg nach der Bahama-Insel Isabella zurückgelegt hatte, entfernte sich am Abend die Pinta heimlich von den andern Schiffen, um auf eigene Hand das goldreiche Babeque aufzusuchen. Der Admiral selbst wandte sich wieder nach Cuba zurück. Entzückt von der Schönheit dieses Theils der Insel schrieb er am 27. November, tausend Zeugen genügten nicht, alle die Herrlichkeiten zu preisen, und seine Hand sei nicht im Stand, die Wunder, die ihn umgäben, zu beschreiben. In dem milden, lieblichen Klima, welches von demjenigen an der Guineaküste durchaus verschieden sei, befände sich die ganze Mannschaft wohl, nicht ein Einziger sei krank. Aber, setzt er hinzu, die spanischen Majestäten dürften keinen Menschen, der nicht gut katholisch sei, gestatten, dies Paradies zu betreten. „Denn das ist das Ziel der Entdeckungen gewesen, die ich auf Befehl Ew. Maj. gemacht habe, und die nur unternommen sind, den christlichen Glauben zu verbreiten und zu verherrlichen.“

Am 5. December steuerte er von der Ostspitze Cubas, dem C. Maysi, dem er den Namen Alpha und Omega gab, weil er dasselbe für den äußersten Vorsprung Asiens hielt, nach Haiti hinüber und erreichte die Nordwestspitze dieser Insel am folgenden Tage. Wegen der Aehnlichkeit mit südspanischen Landschaften benannte der Entdecker sie Espagnola.[215] Sie schien noch herrlicher als Cuba. „Ihre Berge und Ebenen, ihre Auen und Fluren sind so schön und üppig. Hier könnte man alle Feldfrüchte bauen, alle Arten Vieh züchten, Städte und Dörfer gründen. Die Küste ist reich an Häfen; die Menge und Größe der Flüsse, von denen die meisten Gold in ihrem Sande mit sich führen, übertrifft alles.“ Acht Tage später glaubte er ganz nahe jener Gegend zu sein, wo die Erde die größten Reichthümer birgt, und er hoffte, daß Gott ihn bald in die ergiebigsten Goldfelder führen werde. Dieser lebhafte Wunsch wird zum täglichen Gebet und Stoßseufzer. Möge der Herr nach seiner Barmherzigkeit mich die Goldminen finden lassen! Die letzten Tage der Fahrt waren sehr mühevoll gewesen, Columbus hatte zwei Tage lang kein Auge zugethan. Da die See ruhig geworden, begab er sich am Abend des 24. December, erschöpft von Anstrengungen, in seine Cajüte, um auszuruhen. Er wußte das Steuer in sicherer Hand; aber auch der Pilot hatte das Bedürfniß nach Ruhe empfunden und unverantwortlicher Weise die Leitung des Fahrzeuges einem Schiffsjungen überlassen. So kam es, daß kurz vor Mitternacht die Santa Maria auf eine Untiefe gerieth und auf eine Sandbank stieß. Auf das Geschrei des unerfahrenen Steuermanns eilte der Admiral sofort herbei, allein das Schiff war nicht mehr zu retten. Die bestürzte Mannschaft wollte sich zum Theil auf die nicht weit entfernte Niña retten, fand aber, als sie mit dem Bote dort anlangte, mit Recht keine Aufnahme, denn das Meer war vollkommen ruhig. Als nun aber bei zunehmender Ebbe das Hauptschiff sich stark auf die Seite zu neigen begann, ließ Columbus den Hauptmast kappen, um das Fahrzeug zu erleichtern; aber umsonst, das Schiff neigte sich immer mehr und füllte sich mit Wasser. Da die Windstille glücklicherweise anhielt, wurde mit Hilfe des Capitäns der Niña, Vicente Yañez Pinzon, nicht nur die Mannschaft des gescheiterten Schiffes gerettet, sondern am nächsten Tage ein großer Theil der Ladung geborgen. Hierbei halfen auch zahlreiche Indianer, mit denen Columbus bereits in freundschaftlichen Verkehr getreten war, und deren Häuptling Guacanagari die geretteten Sachen bewachen ließ.

Der Admiral hielt den Schiffbruch für eine unmittelbare Fügung Gottes, der ihn dadurch gleichsam auf die in der Nähe befindlichen, sehr goldreichen Gebiete hinführen wolle.[216] In diesem Glauben wurde er noch besonders durch den Namen einer Landschaft in Haiti bestärkt, welche die Indianer Cibao nannten und welche Columbus, durch die Aehnlichkeit des Klanges getäuscht, für Cipangu hielt. Da nun das Volk sehr gutmüthig schien und viel Gold in der Nähe zu finden sein sollte — hatte man doch den Spaniern schon mancherlei goldenen Zierat und dünne Goldblättchen gegeben —, da ferner der Boden des Küstenlandes eine üppige Fruchtbarkeit zeigte, so beschloß Columbus hier eine Colonie anzulegen, um so mehr, als in dem einzigen kleinen Fahrzeuge, welches ihm noch geblieben war, die ganze Mannschaft nicht untergebracht und nach Spanien zurückgeführt werden konnte. In diesem Plane wurde er noch dadurch unterstützt, daß sich viele Matrosen freiwillig erboten, zurückzubleiben, die sich schmeichelten, durch einträglichen Tauschhandel ihre Goldgier in kurzer Frist befriedigen zu können. So wurde auch der Admiral über den Verlust seines Schiffes bald beruhigt und schrieb am zweiten Weihnachtstage: „Ich hoffe zu Gott, daß ich bei meiner Zurückkunft von Castilien hieher eine Tonne Goldes finden werde, welche die Hierbleibenden eingetauscht haben, und daß diese inzwischen die Goldminen selbst und die Spezereien in solcher Fülle entdeckt haben, daß, ehe drei Jahre vergehen, der König und die Königin die Eroberung Jerusalems in Angriff nehmen können. Denn das war — ich bezeugte es vor Ew. Maj. — mein Verlangen, durch meine Unternehmung die Mittel zur Eroberung Jerusalems zu schaffen. Ew. Maj. lachten darüber und sagten, daß ihnen das gefalle, daß sie aber auch ohne dies bereit seien, die Entdeckungsfahrt zu unterstützen.“ Dies sind, fügt Las Casas hinzu, die eigenen Worte des Columbus.[217]

In der neuen Colonie, welche den Namen Navidad (Weihnachten) erhielt, blieben 39 Spanier zurück. Am 4. Januar 1493 nahm Columbus Abschied und steuerte der Heimat zu. Zwei Tage darauf traf er zufällig wieder mit der Pinta zusammen, welche seit jener Zeit, wo sie im November sich getrennt, zuerst die Insel Groß-Inagua (nördl. von dem Canal, welcher Cuba von Haiti trennt) und dann die östlichen Theile von Haiti besucht hatte. Hier war sie dem Admiral zuvorgekommen und hatte viel Gold eingetauscht, für ein Stück Schnur hatte Pinzon schöne, zwei Finger lange, selbst handgroße Goldstufen erhalten.[218] Martin Alonso kam zum Admiral an Bord der Niña und entschuldigte sich wegen seiner Sonderfahrt, welche nur durch die ungünstigen Verhältnisse veranlaßt und gegen seinen Willen geschehen sei. Columbus glaubte ihm zwar nicht, aber er zeigte sich mit der Erklärung zufriedengestellt, „um den Lockungen des Satans nicht nachzugeben, welcher diese Reise von Anfang an zu hindern gesucht hatte“.

Von nun blieben beide Schiffe zusammen. Am 13. Januar fand der erste blutige Zusammenstoß mit Indianern statt, bei welchem zwei derselben schwer verwundet wurden. Am 16 Januar verließen sie bei dem Cap Samana (19° 18′ n. Br., 69° 8′ w. L. Gr.) die Insel Haiti und steuerten über den Ocean zurück. Die Fahrt ging bis zum 12. Februar ohne Unfall von statten, aber in den folgenden Tagen überfiel sie ein heftiger Sturm. Auf der Niña gelobte Columbus eine Walfahrt nach Loreto und Guadelupe, je nachdem das Los einen von der Mannschaft dazu bestimmte; auch verpflichteten sich alle, am nächsten Lande, wohin sie sich retten würden, im Bußgewande eine Procession zu machen und der heiligen Mutter ihr Dankgebet darzubringen. Als in der Nacht vom 13. zum 14. Februar die Gefahr aufs höchste stieg, und die kleinen Fahrzeuge sich unter der Wuth der Elemente kaum noch über Wasser hielten, so daß Columbus das schlimmste fürchtete, traf er Vorkehrung, um womöglich wenigstens eine Kunde seiner Entdeckungen nach Europa gelangen zu lassen und ließ den auf Pergament geschriebenen Bericht seiner Reise sorgfältig in Segeltuch einpacken und in einem wasserdichten Kistchen verwahrt über Bord werfen, in der Hoffnung, daß die Wellen und die Strömung die Botschaft irgendwohin ans Gestade tragen möchten. Am 15. Februar kam die südöstlichste der Açoren, Sa. Maria, in Sicht, aber erst am 17. konnten sie landen. Die Hälfte der Mannschaft zog in Procession zur Kapelle der Mutter Gottes, aber der portugiesische Gouverneur der Insel Juan da Castañeda ließ sie während der Andacht überfallen und gefangen nehmen. Erst nach Verlauf mehrerer Tage, während welcher das Unwetter von neuem losbrach und auf der unsichern Rhede die Schiffe von den Ankern riß, erhielt Columbus seine Leute zurück, nachdem er den Abgesandten des Statthalters seine königlichen Vollmachten vorgezeigt hatte, welche ihn zu seiner Reise autorisirten. Um sich weiteren Unannehmlichkeiten zu entziehen, ging der Admiral am 24. wieder unter Segel; aber am 3. März Abends brach ein so wüthender Orkan los, daß die Schiffe von einander getrennt und der Segel beraubt ein willenloser Spielball der aufgeregten Elemente wurden. Glücklicherweise beruhigte sich die See am andern Morgen, je näher sie dem Lande kamen und zu ihrem großen Entzücken erkannte die Mannschaft in der hochaufsteigenden Küste das Cintragebirge an der Mündung des Tajo. Das Schiff des Columbus gelangte glücklich in den Hafen von Lissabon, wo sich die Kunde von der staunenswerthen Reise, welche durch das Erscheinen der mitgenommenen Indianer beglaubigt wurde, rasch verbreitete und gewaltiges Aufsehen machte. Das portugiesische Wachtschiff verlangte, Columbus solle an Bord kommen und über sein Unternehmen Auskunft geben; dieser aber, im Bewußtsein seines hohen Ranges als castilischer Admiral lehnte die Forderung ab und sandte nur seine königlichen Vollmachten. Sofort wurde dem Könige Johann II., welcher sich in Valdeparaiso bei Santarem, oberhalb Lissabon am Tajo aufhielt, die Nachricht von dem großen Ereigniß überbracht, und dieser lud den glücklichen Entdecker ein, an den Hof zu kommen. In der am 9. März stattfindenden Audienz wurde Columbus freundlich empfangen, wenn auch der König äußerte, daß nach den wiederholten Schenkungen der Päpste und den Verträgen mit Castilien die neuentdeckten Länder von Rechtswegen ihm gehören müßten. Aus solchen Aeußerungen glaubten einige Hofleute entnehmen zu dürfen, daß sie ihrem Könige einen großen Gefallen erwiesen, wenn sie den Genuesen beseitigten. Sie erboten sich, mit demselben wie von ungefähr Händel anzufangen und ihn zu tödten, um so die Entdeckung für immer zu vernichten. Aber der König wies solches Ansinnen entschieden zurück und entließ seinen Gast unter Gnadenbezeugungen. — Columbus segelte am 13. März von Lissabon ab und langte nach zwei Tagen glücklich an der Barre von Saltes vor Palos an. An demselben Tage kam auch Alonso Pinzon mit seinem Schiffe dahin zurück. Er war nach der Nordwestküste Spaniens, nach Galicien verschlagen worden, hatte von dort aus die erste Kunde der glücklichen Heimkehr an den König von Spanien gelangen lassen und um Audienz gebeten, war aber dahin bedeutet worden, daß er nur im Gefolge seines Admirals zu erscheinen habe. Diese Zurücksetzung kränkte ihn so tief, daß er bald darauf starb. Unzweifelhaft war er der bedeutendste unter den Begleitern des Columbus, was schon daraus hervorgeht, daß er auf eigne Hand auf Entdeckungen ausging, indem er sich von Columbus trennte, wenn auch nicht geleugnet werden darf, daß er durch dieses eigenmächtige Verfahren den Erfolg der kühnen Unternehmung im ganzen in Frage stellte. Erst später hat die spanische Krone diese Verdienste anerkannt, indem sie die Nachkommen Alonso’s in den Adelsstand erhob.

Unter dem Jubel des Volkes zog Columbus in Palos ein und ging von da nach Sevilla. Durch Eilboten wurden die kgl. Majestäten, welche zu jener Zeit in Barcelona Hof hielten, von der glücklichen Heimkehr und dem glänzenden Erfolg der Expedition in Kenntniß gesetzt. Durch ein königliches Schreiben vom 30. März wurde der Entdecker eingeladen nach Barcelona zu kommen; zugleich wurde die Ausrüstung einer großen Flotte nach dem Wunsche des Admirals angeordnet und ihm selbst die Ertheilung der verheißenen Titel und Würden zugesagt. Mit allen Kostbarkeiten und Merkwürdigkeiten Indiens, welche er auf seiner Fahrt gesammelt hatte, und mit einigen der entführten Indier brach Columbus von Sevilla auf und zog wie im Triumphzuge durch ganz Spanien. Die Kunde von den unerhörten Entdeckungen flog durchs Land, überall strömte das Volk zusammen, um den Bezwinger des Oceans zu sehen und seine Wunderdinge anzustaunen. So zog er in der Mitte des April in Barcelona ein.[219] Bei Hofe wurden ihm die höchsten Ehren zu Theil, in öffentlicher Audienz lud man ihn ein sich zu setzen, was als die höchste königliche Gnadenbezeugung galt,[220] und von seiner Fahrt zu erzählen. Da Columbus gegen Ausgang und zum Schluß seiner Reise zwei ziemlich gleichlautende Berichte in Briefform über den Erfolg seiner Entdeckungsfahrt abgefaßt und dieselben, den einen „auf der Höhe der Canarischen Inseln,“ am 15. Februar 1493 unter der Adresse des Geheimsecretärs Luis de Sant-Angel[221] an den König und die Königin gerichtet und den andern von Lissabon aus am 14. März an den königlichen Schatzmeister Rafael Sanchez[222] gesandt hatte, und da in diesen Schreiben der Gesammtgewinn der Unternehmung zusammengestellt ist, so darf man wohl annehmen, daß der mündliche Bericht an die Majestäten in ähnlicher Weise, wenn vielleicht auch in glühenderen Farben und in wärmeren Worten erfolgt ist. Jedenfalls lernen wir aus jenen Schreiben die Anschauungen und Hoffnungen des Admirals deutlich erkennen. Daß er wirklich im indischen Meere gewesen, bezweifelt er keinen Augenblick. Wenn auch die volkreichen Städte und Seeplätze mit ihren Gewürzfrachten, die im äußersten Asien liegen, noch nicht gefunden sind, so haben doch die großen neuentdeckten Inseln so viele werthvolle Produkte, und verheißen in ihren goldführenden Flüssen eine so reiche Ernte des edelsten Metalles, daß das zweite Ziel und die zweite Aufgabe, welche der Entdecker sich gestellt hat, das heilige Land wieder zu gewinnen, bald wird in Angriff genommen werden können. So viel steht fest, daß die Zweifler und Spötter verstummen werden „denn Gott hat auf so wunderbare Weise alles bestätigt, was ich behauptet habe gegenüber den Meinungen hochgestellter, einflußreicher Persönlichkeiten, welche meinen Plan für Träumerei und mein Vorhaben für ein Hirngespinnst hielten“. „Aber daß dieses große Unternehmen so glänzend verlaufen, ist nicht mein Verdienst, sondern dasselbe gebührt dem heiligen katholischen Glauben und der Frömmigkeit unserer Monarchen, weil, was der menschliche Geist nicht zu fassen vermag, doch der göttliche Geist den Menschen gibt. Denn es erhört Gott die Gebete seiner Diener, welche seine Gebote befolgen, auch dann, wenn sie, wie in diesem Falle, Unmögliches zu bitten scheinen. So habe auch ich Erfolg gehabt in meinem Unternehmen, welches bis jetzt menschliche Kraft überstieg; denn wenn bisher einige über diese Inseln geschrieben oder gesprochen haben, so geschah es doch nur in der Form von Muthmaßungen, da noch niemand dieselben gesehen hatte, so daß das ganze fast für Fabel gehalten wurde. Deshalb mögen nun der König und die Königin, die Fürsten und ihre glücklichen Staaten, so wie alle anderen Länder der Christenheit, wir alle, dem Erlöser unserm Herrn Jesu Christo danken, daß er uns einen solchen Sieg verliehen hat. Es mögen Processionen begangen und heilige Feste gefeiert, die Tempel mit grünen Zweigen geschmückt werden. Christus mögen auf Erden jubeln, wie im Himmel, wenn er so vieler Völker bis hieher verlorene Seelen gerettet sieht. Auch wir wollen uns freuen über die Erhöhung unseres Glaubens, über den Zuwachs an weltlichen Gütern, an denen in Zukunft nicht blos Spanien, sondern die ganze Christenheit theilhaben wird.“