Inzwischen war aber bereits der Admiral des indischen Meeres mit einer stattlichen Flotte zum zweiten Male über den Ocean gesegelt, ohne den Abschluß der Verhandlungen abwarten zu können. Juan Rodriguez de Fonseca erhielt die Leitung der indischen Angelegenheiten und mußte, wenn auch widerstrebend, allen Forderungen des Columbus bezüglich der Ausrüstung einer großen und theuren Flotte nachgeben, welche aus 14 Caravelen und drei großen Lastschiffen bestand und 1200 Bewaffnete und Reiter mit an Bord nahm. Es waren Vorkehrungen getroffen, die europäischen Hausthiere in genügender Anzahl nach Westindien zu verpflanzen, sowie Getreide, Gemüse und Weinreben anbauen zu können. Es war nicht mehr ein bloßes Entdeckungsgeschwader, sondern eine Flotte mit Auswanderern; denn es galt die thatsächliche Besitzergreifung der neuen Welt. Columbus wollte nicht allein Admiral des Meeres sein, sondern auch den andern Theil seines neuen Titels „Vicekönig“ durch Gründung von Colonien verwirklichen. Ein großes Gefolge von Beamten und Soldaten mußte diesen Plan unterstützen. Als Geistlicher wurde Fray Bernardo Boïl, ein Benediktiner von Monserrat in Catalonien, mitgegeben, welcher von Rom aus zum apostolischen Vicar in den neuen Ländern ernannt worden war. Auch war der spanische Adel in diesem Seezuge vertreten: Alonso de Hojeda, Juan Ponce de Leon, der Entdecker Floridas, sowie die späteren Statthalter von Cuba und Jamaica, Diego Velasquez und Juan de Esquivel nahmen an dem Zuge theil, welcher ebensowohl glänzenden Gewinn als die mannigfachsten Abenteuer in Aussicht stellte. War dann an geeignetem Platze die erste Niederlassung, in größerem Maßstabe als bei der ersten Fahrt in Navidad, begründet, dann wollte Columbus seine an der Küste Cubas abgebrochenen Entdeckungen wieder aufnehmen und nicht blos bis nach Cipangu und Katai zu den Weltmärkten Ostasiens vordringen, sondern wo möglich von da aus, in derselben Richtung weiter steuernd, den Erdball umkreisen. Es war also auch eine Erdumsegelung geplant, welche der Admiral um so eher auszuführen hoffte, weil er nach den auf der ersten Reise gemachten Beobachtungen überzeugt war, die Erde sei nicht so groß, als die Astronomen und Kosmographen behaupteten.
Am 25. September 1493 brach die Flotte von der Bucht von Cadix auf und steuerte zunächst nach den Canarischen Inseln. Wir besitzen über diese Expedition den Bericht eines Augenzeugen, des Doctor Chanca aus Sevilla, welcher als Arzt die Fahrt mitmachte und in objectiver Weise seine Beobachtungen aufgezeichnet hat.[235]
Am 2. October erreichte die Flotte Gran Canaria und mußte hier und später auch in Gomera einlaufen, weil eines der Schiffe leck geworden war und ausgebessert werden mußte. Erst am 13. October stach man von Ferro aus in See, durchschnitt in 20 Tagen den atlantischen Ocean, wobei Columbus einen südlicheren Weg einschlug, als auf der ersten Fahrt.
Am 3. November, am ersten Sonntage nach Allerheiligen, entdeckte man, unter dem allgemeinen Jubel des Schiffsvolks, das erste Land. Die Piloten schätzten die Entfernung von Ferro auf 780 bis 800 Leguas. Rechts neben der ersten Insel wurde noch eine andere sichtbar. Jene war hoch und gebirgig, diese flach, aber dicht bewaldet. Als es heller Tag wurde, erschienen auf beiden Seiten noch andere Inseln. Die zuerst gesehene erhielt den Namen Dominica. Dieselbe liegt in der Mitte der Reihe der kleinen Antillen, zwischen 15 und 16° n. Br. Columbus erreichte also auf dieser Fahrt die westindischen Inseln an einem Punkte, welcher 8 bis 9 Breitengrade südlicher lag, als bei seiner ersten Unternehmung. Dominica bot aber keinen Hafen, und so steuerte die Flotte nach der zweiten nördlicheren Insel, welche nach dem Admiralschiffe den Namen Maria galante erhielt. Hier stieg der Flottenführer ans Land und nahm, mit dem spanischen Banner in der Hand, von der Insel Besitz. Dieselbe schien aber unbewohnt. Der nächste Tag führte die Entdecker nach der Doppelinsel Guadalupe. Einem Versprechen zufolge, welches Columbus den Mönchen des Klosters von Guadalupe in Estremadura gegeben, erhielt die Insel den neuen Namen. Von der See aus bot sie einen großartigen Anblick dar: vom hohen Gebirge stürzte sich ein prachtvoller Wasserfall ins Thal herab. Die Landung erfolgte bei mehreren verlassenen Hütten, in denen man Lebensmittel und viel, zum Theil verarbeitete Baumwolle fand, aber auch Menschenknochen. Die Insel war also von Menschenfressern bewohnt. „Menschenfleisch ist ihr bestes Essen, Knaben werden verschnitten und zu Festmahlen aufgemästet.“ Von einzelnen gefangenen Insulanern erfuhr man, daß die Bewohner Cariben hießen. Man deutete den Namen auf Canib und dachte sich die Leute als Unterthanen des Großchanes, nach dessen Lande man suchte. So entstand durch Misverständniß und falsche Deutung bald die Bezeichnung der Canibalen für die wilden Stämme, welche ihre Mitmenschen verzehrten. Bei dem Verkehr mit den Indianern leisteten die auf der ersten Entdeckungsreise entführten Bahama-Insulaner als Dolmetscher wesentliche Dienste. Leider waren von den sieben Mitgenommenen nur noch zwei am Leben geblieben. Die Canibalen zeigten offenbar eine höhere Entwicklung als die an Hilfsmitteln armen Bahama-Indianer und verstanden auch bessere Häuser zu bauen. Die einheimischen Freien und die von andern Inseln weggefangenen und zu Sklavinnen gemachten Weiber unterschieden sich durch Bänder von gewebter Baumwolle, welche am Knie und Fußgelenke getragen wurden. Die Sklavinnen ließen sich von den Fremdlingen leicht gefangen nehmen, oder kamen auch wohl aus freien Stücken zu den Schiffen. Von ihnen erfuhr man auch, daß die weiterhin entdeckte Insel Monserrat durch die Cariben erst entvölkert worden sei. Sodann gelangte man zu den Inseln Sa. Maria la Redonda, Sa. Maria la Antigua, San Martin. Sie erhielten ihre Namen nach den spanischen Kirchen, in denen man besondere Gelübde gethan hatte. Dann folgte am 15. November die Entdeckung von Sa. Cruz, Sa. Ursula und der 11,000 Jungfrauen, und endlich tauchte die schöne und fruchtbare Insel Puerto rico, die östlichste der großen Antillen, vor den Augen der Entdecker auf. Die Eingebornen nannten sie Burequen oder Burenquen,[236] der von Columbus zuerst gegebene Name „San Juan Bautista“ fand nicht lange Verbreitung. Hier lebten keine Cariben mehr.
Von dieser Insel aus erreichte das Geschwader am 22. Nov. die Insel Hispaniola; derjenige Theil der Küste, wo man zuerst landete, hieß Haiti. Aber man verweilte nicht lange, sondern strebte der Ansiedlung Navidad zu, welche man nach der Meinung des Admirals in blühendem Zustande und vielleicht auch schon im Besitz reichlichen Goldes, welches von den Indianern so leicht zu erlangen war, anzutreffen wähnte. Aber es sollte bald eine furchtbare Enttäuschung eintreten. Das Vorspiel dazu bot sich ihnen im Hafen von Monte Christi, 12 Meilen von Navidad, dar. Zuerst fand man zwei Leichen nicht weit vom Strande im hohen Grase, unbekleidet und bereits unkenntlich geworden; von denen trug die eine noch einen Strick um den Hals, die andere um die Füße. Am zweiten Tage wurden noch zwei Leichen entdeckt, von denen eine durch ihren großen Bart auffiel; ein sehr verdächtiges Zeichen, weil die Insulaner sämmtlich bartlos waren. Am Abend des 27. November, kurz vor Mitternacht, kam die Flotte vor Navidad an, aber wegen den Klippen blieb man die Nacht auf See und landete erst am folgenden Morgen. Der Admiral ließ zwei Kanonen lösen, um seine Ankunft zu melden und wartete in höchster Spannung auf Antwort. Aber alles blieb still. Statt, wie man gehofft hatte, eine fröhliche, jubelnde Menge sich am Strande versammeln zu sehen, ließ sich in der Nähe des Hafens nur ein einsamer, indianischer Nachen sehen. Bange Ahnung erfüllte das Schiffsvolk. Endlich kam das Boot näher und fragte nach dem Admiral. Die Indianer brachten zwei goldene Masken als Geschenk ihres Königs mit und erwiderten auf die Fragen nach den zurückgebliebenen Spaniern in zurückhaltender, dunkler Weise: diejenigen, welche im Kastelle geblieben seien, befänden sich wohl. Einige seien an Krankheiten gestorben, andere in einem unter ihnen ausgebrochenen Streite erschlagen worden. Ihr Land, berichteten die Indianer ferner, sei von zwei Fürsten, Caonabo und Mayreni überfallen und verheert, die Hütten niedergebrannt. Ihr König Guacamari[237] sei im Kampfe verwundet und habe daher nicht kommen können.
Das hölzerne Kastell in Navidad war bis auf den Grund niedergebrannt, man sollte danach wohl annehmen, es sei von feindlicher Hand vernichtet. Aber auffällig blieb, daß die Indianer in der Nähe sich gegen früher sehr scheu zeigten. Nur mit Mühe wußte man einige zu bewegen, an Bord zu kommen. Hier gestanden sie nun, daß die Spanier sämmtlich todt seien. Aber man fand in der nächsten Umgebung von Navidad keine Leiche. Man durchstreifte nun weiterhin das Land und entdeckte zunächst in einem kleinen aus 7 oder 8 Hütten bestehenden Dorfe, deren Insassen geflohen waren, mancherlei Gegenstände, namentlich Kleidungsstücke, welche den Spaniern gehört hatten. Nach der Stätte der Festung zurückgekehrt, zeigten die inzwischen bereits dreister gewordenen Indianer die Stellen, wo man von hohem Grase überwuchert, die Leichen von eilf Spaniern fand. Dann suchte der Admiral in stärkerer Begleitung den anscheinend kranken Guacanagari auf. Derselbe lag, mit verbundenem Bein, ausgestreckt auf einem Lager, das nach Landesart aus einem von starken Baumwollfäden gefertigten Netzwerk bestand, welches an beiden Enden an die Pfosten der Hütte befestigt war. Es ist die erste Erwähnung der Hängematte. Der König beklagte thränenden Auges den Tod der Spanier. Einige seien an Krankheiten gestorben, andere auf einem beabsichtigten Beutezuge nach den Goldminen im Gebiete Caonabos erschlagen, der Rest in der Citadelle angegriffen und bei der Vertheidigung gefallen. Der begleitende Arzt, Doktor Chanca, welcher über diese Vorfälle ausführlich berichtet hat,[238] erbot sich, den Verwundeten zu heilen. Dieser schien gerne dazu bereit; da es aber in der Hütte zu dunkel war, um die Wunde untersuchen zu können, so mußte er seine Lagerstelle verlassen. Mehr aus Furcht vor den Spaniern, als aus Neigung begab er sich, auf den Admiral gestützt, ins Freie. Er wollte durch einen Steinwurf empfindlich getroffen sein. Als der Verband entfernt war, war keine Verletzung zu bemerken, trotzdem klagte der Indianer über heftigen Schmerz. Unbekannt mit dem wahren Verlauf der betrübenden Katastrophe, konnte Columbus nicht zu einem entscheidenden Schritte bewogen werden. Mehrere seiner Begleiter glaubten entschieden an die Mitschuld Guacanagari und riethen deshalb dem Admiral, den Fürsten gefangen zu nehmen. Aber Columbus lehnte dieses trotz mancherlei Verdachtsgründe ab. Er suchte so lange wie möglich mit den Eingebornen in Frieden zu leben. Auf seinen Plan, die niedergebrannte Festung wieder zu errichten, wollte Guacanagari keine zustimmende Meinung äußern, er wies vielmehr, und wohl auch mit Recht, auf die ungesunde Lage des Platzes hin. So entschloß sich denn Columbus, eine geeignetere Stelle auszusuchen; aber man suchte lange vergeblich nach einer günstigen Oertlichkeit. Man steuerte an der Küste zurück und kämpfte dabei mühsam gegen Wind und Wetter. So vergingen drei Monate, ehe man 10 Leguas östlich von Monte Christi den Fuß ans Land setzte und hier sich zu befestigen beschloß. Die neue Burg erhielt den Namen Isabella. Daneben wurde der Plan zu einer Stadt entworfen, in welcher die Hauptgebäude aus Stein errichtet werden sollten. Jetzt finden sich nur noch einige Trümmer dieser Anlagen, alles ist mit Wald bedeckt; denn es zeigte sich bald, daß auch dieser Platz ein ungesundes Klima hatte, welches den dritten Theil der neuen Ankömmlinge aufs Krankenlager warf. Selbst der Admiral blieb nicht verschont und konnte in Folge dessen ein Vierteljahr lang sein Tagebuch nicht fortführen.
Von der Willfährigkeit der Indianer äußerte Chanca:[239] „Ich glaube, wenn wir mit dem Volke sprechen könnten, würde man es leicht bekehren können, denn sie machen alles nach, beugen die Knie vor den Altären und machen bei dem Ave Maria sowie bei den anderen Ceremonien das Zeichen des Kreuzes. Sie sind zwar Götzendiener, denn man findet in allen Hütten Götzenbilder; aber sie wünschen Christen zu werden.“ Die Gegend schien reich an werthvollen Produkten, man glaubte mancherlei Gewürze, Zimmt und Muskatnüsse entdeckt zu haben und sammelte Wachs und Baumwolle. Besonders aber lockte die Kunde von Goldfeldern, welche im Innern der Insel, 25 bis 30 Leguas von der Küste entfernt, in einer Landschaft, Namens Cibao, liegen sollten. Im Januar 1494 machte sich der muthige Alonso Hojeda mit 15 Begleitern auf den Weg, kam nach 7 Tagen ans Ziel und brachte als besten Beleg für den Erfolg seines Streifzuges aus den Bächen gesammelten Goldsand mit.
Nachdem Columbus am 2. Februar sodann 12 Schiffe unter Antonio de Torres nach Spanien zurückgeschickt hatte, theils um die Kranken heimzubringen, welche bei dem zunehmenden Mangel an guten Lebensmitteln sich nicht erholen konnten und der Colonie zur Last fielen, theils um den spanischen Majestäten einen Bericht über den Verlauf seiner Reise zu überreichen, brach er selbst mit einer größeren Schar nach dem Goldlande auf. Mit kriegerischer Musik und mit fliegenden Fahnen zog er durch die Dörfer, erreichte am 16. März das Bergland von Cibao und ließ dort zum Schutze für die Goldgräber aus Holz und Erde ein festes Haus anlegen, in welchem eine Besatzung von 56 Mann unter dem Befehle des Pedro Margarita zurückblieb. Columbus kehrte dann wieder nach Isabella zurück. Er war der Ueberzeugung, das Ophir Salomos gefunden zu haben.[240] Den unerwartet reichen Goldfund bestätigt auch Chanca am Ende seines Berichtes. „Seit Anfang der Welt ist kein solches Wunder gesehen oder davon gelesen. Man wird Gold in solcher Menge mitbringen, daß man staunen soll. Man mag mich vielleicht für einen Schwärmer halten; aber Gott ist mein Zeuge, daß ich auch nicht im mindesten übertreibe.“
Dann schickte sich Columbus an, nachdem er von den wiederholten Fieberanfällen genesen war, den Plan seiner ersten Reise wieder aufzunehmen und den Weg nach Katai zu vollenden. In der Niederlassung ließ er seinen Bruder Diego als Statthalter zurück und lichtete am 24. April die Anker, um zunächst nach Cuba zu segeln. Am folgenden Tage erreichte er mit seinen drei Schiffen Niña, S. Juan und Cardera die Insel Tortuga und steuerte am 29. April von der Nordwestspitze Haitis, von dem Cap S. Nicolas, nach der Südküste Cubas hinüber.
Während Columbus an dieser Küste entlang fuhr, näherten sich ihm die Indianer zutraulich in ihren Böten und brachten Früchte, Fische, Wasser, oder luden ihn ein ans Gestade zu kommen und ihre Gastfreundschaft anzunehmen. Wenn sie nach Gold befragt wurden, wiesen sie in der Regel nach Süden. Ihrem Fingerzeige folgte der Admiral, verließ am 3. Mai das Gestade von Cuba und steuerte nach Südwesten. Am 2. Tage erreichte er die Mitte der Nordküste Jamaicas, deren landschaftliche Schönheit ihn über alles entzückte, so daß er sie nur mit den Wohnungen der Seligen vergleichen zu können meinte, und nannte die Gegend daher Santa Gloria und den zuerst gefundenen Hafen Santa Anna. Da er aber zur Ausbesserung seines leck gewordenen Hauptschiffes einen günstigeren Ankerplatz wählen wollte, richtete er den Lauf seiner Schiffe wieder nach Westen bis zum Hafen, der noch heute Puerto bueno heißt. Die Insulaner zeigten sich weit kriegerischer als auf Cuba, umschwärmten in ihren Kähnen unter wildem Geschrei seine Schiffe, schossen ihre Pfeile ab und schienen eine beabsichtigte Landung ernstlich hindern zu wollen. Aber man vertrieb die Indianer leicht durch einige Schüsse, ganz besonders aber dadurch, daß man große Bluthunde auf sie hetzte. Als die Einwohner, welche vor solchen unbekannten Angriffswaffen zurückwichen, in den folgenden Tagen sich wieder ermannten und allmählich näherten, zeigten sie sich in ihrer Haltung wesentlich verändert, sie begannen sogar den üblichen Tauschhandel mit den Spaniern. Man bemerkte mit Vergnügen, daß sie in manchen Dingen sich weiter entwickelt zeigten als auf Cuba, ihre großen, bis zu 96 Fuß langen und 8 Fuß breiten, aus einem Stamm gefertigten Kriegsböte waren an beiden Enden mit Schnitzwerk hübsch verziert; aber, was man vor allem bei ihnen suchte, Gold, war nirgends zu finden. Darum verließ Columbus, nachdem sein Schiff wieder in Stand gesetzt war, die Insel, der er den Namen Santiago gab, und kehrte, nordwärts steuernd, wieder nach Cuba zurück. Vom Cap Santa Cruz, wo das Gebirge an der Südostküste jener Insel endigt, drang er in das Labyrinth von Klippen und kleinen zum Theil grünbewachsenen Inseln ein, welche den größten Theil der Südküste Cubas umsäumen. In diesem „Garten der Königin“, wie Columbus diesen Theil Westindiens nannte, hatte er, unter täglich wiederkehrenden Gewittern mit tausend Gefahren zu kämpfen und mußte die äußerste Wachsamkeit üben, um seine Fahrzeuge sicher hindurchzuführen. Die unzähligen kahlen Korallenbänke und grünen Eilande, die er um sich sah, hielt er für jenen Archipel, welcher nach Marco Polos Erkundigungen östlich von Cim (China) liegen und über 7000 Inseln umfassen sollte.[241] Von diesem wunderbaren Inselgarten erzählt auch eine Inschrift auf dem Globus Behaims, westlich von Cipango, also in jener Weltgegend, wo sich Columbus bereits zu befinden glaubte. Er athmete ja auch die Wohlgerüche, die von den mancherlei Gewürzbäumen und prächtigen Blumen übers Wasser zu ihm herüberwehten.