Weniger bedeutend ist der zweite Bruder Diego, der als Befehlshaber in Isabella und in der Stadt San Domingo auftritt, aber ohne diese schwierige Stelle befriedigend behaupten zu können. Auch er starb auf Haiti.
Der einzige rechtmäßige Sohn des Admirals und Vicekönigs war gleichfalls Diego benannt. Er hatte von Kind auf den Vater während der langen peinlichen Zeit des Hoffens und Harrens in Spanien auf seinen Wanderungen begleitet, war ihm zur Seite, als in dem Kloster la Rabida endlich die günstige Wendung des Geschickes eintrat, wurde später, als der Vater seine Fahrten begann, unter die Pagen der Königin aufgenommen und kam erst 1509 nach Haiti. Er hatte dann den langwierigen fiscalischen Proceß wegen der Würden und Privilegien, die dem Vater zugesichert waren, zu führen, und erbte endlich den Titel eines Admirals von Indien. Er starb am 23. Februar 1526.
Ferdinand Columbus, der natürliche Sohn des Entdeckers, erhielt eine wissenschaftliche Bildung und wurde später Geistlicher. Nachdem er Amerika besucht hatte, ließ er sich in Sevilla nieder, wo er eine für jene Zeit bedeutende Bibliothek von 20,000 Bänden sammelte, welche noch unter dem Namen Biblioteca Colombina vorhanden ist. Es zeugt von seiner wissenschaftlichen Bedeutung, daß Cabot ihn einst als Schiedsrichter anrief. Er galt bisher als Verfasser der Lebensgeschichte seines Vaters, der s. g. vida del almirante (Historie et vera relatione della vita é de’ fatti dell Ammiraglio D. Christofero Colombo), welche 1571 erschien; allein dieses Werk enthält so viel gradezu legendenhaften Stoff und dazu anekdotenhafte Züge, welche nicht blos thatsächlich Unmögliches berichten, sondern auch aus der Feder des in der Nautik wohlerfahrenen Sohnes unmöglich stammen können,[305] so daß die Authenticität der „vida“ mit vollem Rechte bestritten ist.[306]
Don Luis, der Sohn Diego’s, führte den fiscalischen Proceß zu Ende und gab seine Ansprüche auf das Vicekönigthum auf gegen den Titel Herzog von Veragua, Marquis von Jamaica, Admiral von Indien und für eine Pension von 1000 Dublonen Gold. Er starb 1572 und es folgte ihm der Sohn seines Bruders Christobal, Don Diego II., als vierter Admiral von Indien. Mit ihm erlosch 1576 die directe männliche Linie des Columbus.
15. Die kleinen Entdecker.
Es war eine natürliche Folge des Misgeschicks, welches den Entdecker Amerikas auf seiner dritten Reise während seines Aufenthalts auf Haiti traf, daß, da sein Ansehen in dem unerquicklichen Streite mit der Partei Roldans im Sinken begriffen war, eine Anzahl von kühnen Unternehmern von der bereits 1495 gegebenen Erlaubniß, auf Entdeckungsfahrten ausziehen zu dürfen, Gebrauch machte und die Untersuchung des Festlandes von Paria, welches Columbus auf seiner dritten Reise aufgefunden hatte, weiter fortsetzte. „Do aber Admirans (Admiral) jnn das vngluck kam, das man in acht als wer er jn vngnaden der könig, do vndernamen sich vil der seinen, die vast wol kundten auff dem Meer faren, und vnderstunden vestigklich sich jn das gluck zu begeben, und vnerfaren ort der welt zu ersuchen“.[307]
Der erste, welcher diese günstigen Zeitumstände benutzte, war der jugendliche Ritter Alonso de Hojeda. Derselbe war ums Jahr 1470 in der Stadt Cuenca in Neu-Castilien aus einer angesehenen Familie geboren[308] und trat als Page in den Dienst eines der einflußreichsten, mächtigsten Granden Spaniens, des Don Luis de Cerda, Herzog von Medina Celi. Dieser ist uns bereits als einer der frühesten Gönner des Columbus bekannt, und in seinem Hause hatte Hojeda jedenfalls schon den Genuesen kennen gelernt und sich für dessen Pläne begeistert; denn wir haben schon oben ([S. 280]) mitgetheilt, daß Hojeda die zweite Reise des Columbus mitmachte und sich durch die Gefangennahme des Caziken Caonabo auszeichnete. Dann verweilte er einige Jahre in Spanien und wurde durch die Vermittlung seines Vetters, des Dominikanermönches Alonso de Hojeda, welcher als einer der ersten Inquisitoren Spaniens bei den Monarchen in Gunst stand, mit dem Bischof Fonseca, dem Leiter der indischen Angelegenheiten bekannt und erhielt durch diesen Einsicht in die Briefe und die Karte, welche Columbus über den Verlauf seiner dritten Reise und namentlich über die Entdeckung der Küsten von Südamerika eingesandt hatte. Diese Nachricht lief etwa um Weihnachten 1498 in Spanien ein. Wahrscheinlich ward bald nach dieser Zeit schon der Beschluß gefaßt, den Admiral von seiner Statthalterschaft in Haiti zu beseitigen; Fonseca förderte deshalb bereitwillig den Plan Hojeda’s, die perlenreiche Küste von Paria auszubeuten und stellte ihm einen Erlaubnißschein zur Ausrüstung von Schiffen aus; doch durfte Hojeda weder portugiesisches Gebiet berühren, noch jene Regionen besuchen, welche Columbus bis zum Jahre 1495 entdeckt hatte. Als Piloten für seine Expedition gewann der junge Ritter den Basken Juan de la Cosa, welcher nach Abschluß dieser Fahrt seine Karte, die erste von der neuen Welt, entwarf. Außerdem nahm an dem abenteuerlichen Zuge der Florentiner Amerigo Vespucci theil, welcher es verstand, durch die lebendigen Schilderungen seiner Erlebnisse und Beobachtungen sich bald einen weltbekannten Namen zu machen.
In welcher Stellung Vespucci mitging, läßt sich nicht mehr ermitteln. Er war am 9. März 1451 in Florenz geboren, also nur wenige Jahre jünger als sein Landsmann Columbus. Er war der Sohn eines öffentlichen Notars und von seinem Oheim, einem gebildeten Geistlichen, unterrichtet worden und zwar in Gemeinschaft mit Pietro Soderini, dem späteren Gonfaloniere von Florenz. An diesen hat Vespucci im Jahre 1501 den Bericht seiner zweiten Reise gesandt. Seit dem Jahre 1493 finden wir Vespucci in Spanien, wohin sich damals viele unternehmende Italiener wandten. Dort trat er in den Dienst des seit 1486 in Spanien ansäßigen italienischen Handelshauses Berardi, welches für das indische Amt die Geschäfte besorgte und die Ausrüstung der nach Westindien gehenden Schiffe übernommen hatte. Hierbei war auch Vespucci thätig und wird 1495 und 1496 erwähnt.[309]
In der Zeit vom April 1497 bis zum Mai 1498 finden wir ihn fast immer unterwegs zwischen Sevilla, dem Sitze des indischen Amts, und dem Hafen von San Lucar, von wo Columbus aussegeln wollte.