Die Idee einer Meerenge hat Cortes beschäftigt, seitdem ihm Montezuma eine Küstenkarte seines Reiches übergab. Alle Land- und Wasserexpeditionen, welche er in den ersten Jahren nach Bezwingung der Hauptstadt aussandte, hatten den Auftrag danach zu forschen. Von beiden Oceanen, von den gegenüberliegenden Küsten wurde zu gleicher Zeit nach dieser Meerenge gesucht.[388] Anfänglich glaubte er, sie in der Nähe des Goatzacoalcoflusses zu treffen, weil auf der mexikanischen Karte in dieser Gegend eine große Hafenbucht zwischen Gebirgen angegeben war. Der genannte Fluß ist an der Mündung ein Kilometer breit, weitet sich oft seenartig aus und hat selbst noch oberhalb der neuen Stadt Amatitlan einen Durchmesser, wie der Rhein bei Cöln.[389]

Als sich hier am Isthmus von Tehuantepec die gewünschte Durchfahrt nicht fand, richtete er seinen Blick auf die zweite Verengung des centroamerikanischen Landes, auf den Golf von Honduras, und sandte Cristoval d’Olid (Dolid) dahin, um das Gebiet zu besetzen, weil, wie er an den König von Spanien schrieb, nach der Ansicht vieler Piloten dort eine Wasserstraße zum andern Meere führe, und es sein sehnlichster Wunsch sei, dieselbe zu entdecken, da eine solche Wasserverbindung für die Entwicklung der spanischen Macht von großer Bedeutung sei.[390] Mit der Expedition d’Olid’s sandte er zugleich seinen Vetter Hurtado de Mendoza mit drei kleinen Schiffen aus, welche, während Olid am Golf von Honduras eine Colonie gründete, die Küsten des caribischen Meeres bis nach Darien hin auf das Vorhandensein eines natürlichen Canals untersuchen sollten.

Später suchte Cortes die Straße weiter nordwärts. Nachdem Magalhães durch das Südmeer den Weg bis zu den Molukken gebahnt hatte, wuchs die Bedeutung einer solchen Straße in hohem Maße. Wie leicht konnte, wenn eine solche Meerenge in Mittelamerika vorhanden war, der Weg von Spanien nach den Gewürzinseln zurückgelegt werden. Es war nicht mehr ein auf haltlose Hypothesen gebautes nautisches Problem, wie zur Zeit des Columbus, welches den Eroberer Mexiko’s zu diesen Unternehmungen trieb, sondern ein weiter, staatsmännischer Blick; denn wenn sein neuspanisches Reich an die Hauptfahrbahn des Weltmeers gerückt wurde, mußte seinem Pflanzlande an einer solchen Weltstraße zwischen Europa und dem gewürzreichen Indien eine glänzende Entwicklung zu theil werden.

All sein Sinnen und Trachten ging nur darauf aus, diese höchstwichtige Straße zu finden.[391] Er suchte sie entweder zwischen Mexiko und Florida, oder zwischen Florida und Neufundland. Die Fahrt durch diese Straße würde den Weg zu den Gewürzländern bedeutend abkürzen und ganz sicher sein, weil er stets durch spanisches Gebiet führe.

An Stelle der beiden ersten auf der Werft von Zacatula verbrannten Caravelen wurden neue Schiffe gebaut und in den Jahren 1523 und 1524 von beiden Gestaden Mexiko’s aus die Untersuchungen nach einer Passage fortgesetzt, aber umsonst. Und der Plan, die Schiffe an der Westseite bis zur Magalhãesstraße auszusenden, unterblieb, seitdem er selbst sich durch seinen (im nächsten Capitel zu schildernden) Feldzug von Honduras überzeugt hatte, daß bis dorthin keine Verbindung zwischen den beiden Meeren vorhanden sei. Dazu waren die weiter südlich gelegenen Striche in der Statthalterschaft von Darien bereits genauer bekannt, und kurz darauf nahmen die von Pizarro begonnenen Unternehmungen gegen Peru ihm nach dieser Seite die Arbeit ab. Um so lebhafter wurden die Forschungen in den nordwestlichen Gewässern, aber erst zehn Jahre später aufgenommen. Ehe er dazu vorschreiten konnte, mußte das weite Gebiet Neuspaniens am großen Ocean erst völlig unter die Verwaltung der neuen Herren gebracht und die Communication nach den Küstenplätzen geregelt sein.

Zunächst war Cortes noch mit der Organisation des eigentlichen, engeren Gebiets von Mexiko beschäftigt. Ueber die Zahl der Städte, Dörfer und Bewohner wurden statistische Erhebungen veranstaltet. Der Landbau wurde durch Einfuhr von neuen Kulturgewächsen: Wein, Oliven, Orangen, Mandeln, Pfirsichen und Zuckerrohr bereichert, und für die Auffindung von Kupfer, welches zur Herstellung von Waffen von großer Wichtigkeit war, wurden Prämien ausgesetzt. So wurden im Lande selbst kupferne Feldschlangen gegossen, und da sich Salpeter und Schwefel in reichlicher Menge vorfand, auch das für den Kriegsbedarf erforderliche Pulver fabricirt.

Dann wurden nacheinander zwei größere Expeditionen gegen Südosten ausgeschickt. Die eine unter Alvarado wendete sich zu Lande nach der Küste der Südsee und drang durch den heutigen Staat Guatemala bis in das Gebiet von S. Salvador vor, die andere unter Olid nahm den Weg zur See nach Honduras.

Alvarado brach zuerst auf, angeregt durch das Gerücht von einem Kulturvolke, welches in den Landstrichen südlich von Tabasco wohnen sollte. Da der Fürst von Tehuantepec sich bereits den neuen Herrn von Mexiko unterworfen hatte, und dem Alvarado bei seinem Erscheinen auch Soconusco huldigte, so waren damit die Thore des Hochlandes von Guatemala, wo jenes gesuchte Kulturvolk seinen Sitz hatte, geöffnet. Ansteckende Krankheiten hatten dort kurz vorher die Hälfte der Bewohner hinweggerafft und ihre Widerstandsfähigkeit gebrochen; daher wurden die Abgesandten Alvarado’s freundlich aufgenommen und reich beschenkt entlassen. Diese Geschenke reizten aber den spanischen Heerführer nur noch mehr, das Land zu unterwerfen. Den Grundstock der Bevölkerung bildeten Mayastämme: die Quiché, die Kakchiquel, zur Zeit der Eroberung der mächtigste Stamm, und die Zutugil. Seit 1500 war Guatemala dem Aztekenreiche einverleibt gewesen; aber mit dem Fall von Mexiko hatte sich der Verband gelockert. Aztekische Ortsnamen reichten durch Guatemala bis nach Honduras; doch verdankte das alte Quichéreich den Tolteken seine Kultur. Unter der Anregung und Leitung dieser altamerikanischen Baumeister waren auch hier prächtige Steinbauten, Terrassentempel und mit reichen, buntbemalten Stuckaturen versehene Paläste entstanden, deren dicht überwachsene Ruinen nur theilweise erst wieder ans Licht gezogen und bekannt geworden sind.[392] Ihre Waffen bestanden in Schwertern mit Steinschneiden, Bogen, Pfeilen, zum Theil vergiftet, Lanzen und Schleudern; die Krieger trugen dicke, bis auf die Füße reichende und daher schwerfällige Baumwollpanzer. Der religiöse Cultus war ähnlich, wie in Mexiko.