Karte zu den Feldzügen Alvarado’s nach Guatemala und des Cortes nach Honduras.
Ausschnitte aus der obenstehenden Karte:
Am Ende des Jahres 1523 hatte Alvarado ein Heer von 120 Reitern und 300 Mann spanischen Fußvolks, sowie 20,000 einheimische Krieger um sich versammelt und brach damit im Februar 1524 von der Südküste her, von Soconusco, in Guatemala ein. Unter großen Schwierigkeiten stieg er durch die Bergschluchten ins Hochland hinauf, wo sich ihm ein Heer von 60,000 Mann entgegenstellte. Aber diese Scharen wurden in mehreren Gefechten besiegt und die schwerfällig gepanzerten Krieger von den spanischen Reitern niedergeritten. Alvarado gründete die Stadt Quetzaltenango, welche nach dem prächtigen Vogel Quejal oder Quetzal (Trogon) benannt wurde, dessen lange, glänzend grüne Federn ein schmückendes Abzeichen des Adels waren. Oestlich von der Stadt wurde der Kampf erneuert. Der König Tecum Umam griff selbst die Spanier an, brachte das Pferd Alvarado’s zu Fall, wurde aber von der Lanze seines Gegners durchbohrt. Utatlan, die alte Hauptstadt der Quiché, stand in der Nähe des heutigen Sa. Cruz del Quiché. Der königliche Palast galt als eines der schönsten Gebäude in ganz Mittelamerika. Hieher lud der neue König, indem er sich scheinbar den Siegern unterwarf, die Spanier zu einem Besuche ein. Allein schon beim Einrücken in die Stadt wurde ihr Verdacht rege. Die Einwohner waren sämmtlich in Waffen, die Gassen der Stadt zeigten sich so schmal, daß die Rosse sich kaum bewegen konnten. In den Wohnungen waren Holz und Reißig in Menge aufgehäuft. Die indianischen Verbündeten Alvarado’s brachten bald bestimmtere Nachrichten von dem Plane des Feindes, die ganze Stadt sammt den Spaniern zu verbrennen, nachdem man die zu dem Orte führenden Brücken abgebrochen. Alvarado ritt scheinbar unbefangen in die Versammlung des Adels der Quiché und zog sich dann, unter dem Vorwande, erst für die Unterkunft der Pferde Sorge tragen zu wollen, zurück. Als dann der König mit seinen Edlen den Besuch im Lager der Spanier erwiderte, wurde er mit seinem Gefolge gefangen genommen. Man machte ihm zwar Hoffnung auf Befreiung, wenn er ein hohes Lösegeld an Gold zahle; aber ohne dieses abzuwarten, wurde sein Gefolge theils gehängt, theils lebendig verbrannt; dem Könige erwies man die Gnade der christlichen Taufe, ehe er ebenfalls mit dem Strange gerichtet wurde.[393] Die Burg der Quiché wurde zerstört und das Land unterworfen. Im April 1524 rückte Alvarado weiter nach Patinamit (Guatemala), der Hauptstadt der Kakchiquel. Der alte König kam den Spaniern in feierlichem Zuge friedlich entgegen und ersparte seinem Lande, indem er sich unterwarf, die Gräuel des Kriegs und der Verwüstung.
Dann wurde auch der Fürst von Amatitlan aufgefordert, sich unter die Botmäßigkeit der Spanier zu begeben, aber trotzig ließ dieser die Abgesandten der Eroberer tödten und zwang Alvarado ihn zu züchtigen. Die Hauptburg des Landes lag im See von Atitlan, einem gegen 1000 Meter hoch gelegenen Gebirgssee, der in malerischer Landschaft von drei Vulkanen überragt wird. Ein mehrfach durch Holzbrücken unterbrochener Damm führte zu dem Inselfelsen. Nach einem siegreichen Kampfe am Gestade des Sees drangen die Spanier zugleich mit den flüchtigen Indianern über die Brücken und bemeisterten die Burg. Mit ihrem Fall war der Widerstand des Volkes gebrochen.
Von hier marschirte Alvarado ins Küstenland hinab nach Escuintla (Itzcuintlan); durch dichte, unwegsame Urwaldterrassen stieg er in drei Tagen ins Land hinunter, wo angebaute Felder und Sümpfe abwechselten. Nachdem die Hauptstadt überrumpelt und gestürmt war, unterwarf sich das Volk. Bei seinem weiteren Vorrücken gegen Südosten fand aber Alvarado das ganze Land unter Waffen, dazu wurden in der beginnenden Regenzeit die Wege immer schwieriger. Trotzdem drang er durch eine Reihe von Küstenstädten bis in das Gebiet des heutigen Staates S. Salvador. Vor der Küstenstadt Acayutla widersetzte sich ihm in fester Stellung ein großes Heer. Durch einen scheinbaren Rückzug wurde dasselbe aus seiner gut gewählten Position herausgelockt, und dann machten die Spanier Kehrt, die Reiter holten die Indianer, welche in ihren Panzern nicht entfliehen konnten, ein und ritten sie nieder. Alvarado, der durch mehrere empfangene Wunden über den Widerstand erbittert war, ließ es geschehen, daß die meisten am Boden liegenden Feinde abgeschlachtet wurden. Verheerend rückte er weiter bis Cuscatlan (S. Salvador). Dort aber zwang ihn der Regen zur Umkehr nach Guatemala. Mit neuen, von Mexiko kommenden Truppen wurden weitere Aufstände der Indianer unterdrückt, 1525 die Stadt S. Salvador gegründet und damit die Unterwerfung des Gebiets vollendet, in welchem eine ähnliche Besitzergreifung des Landes und Vertheilung der Bewohner an die Conquistadoren durchgeführt wurde, wie in Mexiko. Zwar wurden auch hier 1529 Gesetze zum Schutz der Indianer erlassen und suchten seit 1538 die Dominikaner sich der Unterworfenen anzunehmen, aber mit geringem Erfolg. Die alte Kultur wurde zertreten, das Volk geknechtet und decimirt und so das herrliche Land in die traurigste Lage gebracht, aus welcher es sich, auch nach Befreiung von der spanischen Herrschaft, nicht hat erheben können.
Bald nachdem Alvarado seinen Eroberungszug begonnen, ging auch Cristoval d’Olid, ein Edelmann aus Baeza oder Linares, auf Cortes’ Befehl, am 11. Januar 1524 von Vera Cruz unter Segel. Er sollte jenseits der Halbinsel Yukatan, an der Küste von Honduras eine Niederlassung gründen, um das Reich von Neuspanien möglichst weit gegen Südosten zu erweitern. Ein Geschwader von vier großen Schiffen und einer Brigantine, mit 400 Soldaten bemannt, sollte zunächst in Cuba anlaufen und sich dort mit Vorräthen versehen. Zu gleicher Zeit bekam (wie bereits oben [S. 388 ] erwähnt ist) der Vetter des Cortes, Hurtado de Mendoza, den Auftrag, nach einer mittelamerikanischen Meerenge zu forschen, allein derselbe konnte wegen der eigenthümlichen Stellung, welche Olid bald einnahm, nicht ausgeführt werden. Cortes wirft nämlich seinem Unterfeldherrn vor, er habe sich von seinem alten Widersacher, Velasquez, dem Statthalter von Cuba, bei seiner Anwesenheit auf der Insel zum Abfall von seinem Oberfeldherrn verleiten lassen und, durch Velasquez beredet, den Plan gefaßt, seine Colonie von Neuspanien unabhängig zu gestalten. Wenn dieses Gerücht sich bestätigen sollte, schrieb Cortes bald darauf an den König, werde er mit Truppen nach Cuba gehen, den Velasquez gefangen nehmen und gefesselt nach Spanien dem Gericht überliefern. Olid sollte von Velasquez sogar die Zusage kräftiger Unterstützung bei seinen verrätherischen Plänen erhalten haben. Er ging von Cuba zunächst nach dem Golf von Higueras, wie man damals den inneren Theil des Golfs von Honduras nannte.[394] Vierzehn Meilen östlich vom Hafen Caballos[395] ging er am 3. Mai 1524 ans Land und nahm dasselbe zunächst noch im Namen des Cortes in Besitz. Die Stadt, welche er anlegte, erhielt nach dem Tage der Landung den Namen Triumfo de la Cruz. Das Land war weit und breit friedlich, die Indianer widersetzten sich den Fremden nirgends. Einzelne Spanier konnten ohne Belästigung die Gegend nach Gefallen durchstreifen.[396]