Die Ruinen des Inkaschlosses am Titicacasee.

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GRÖSSERE BILDANSICHT]

Conti am Titicacasee: als Specimen der merkwürdigen Thorbauten.

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GRÖSSERE BILDANSICHT]

Die Inkas wurden als die Söhne der Sonne bezeichnet, sie rühmten sich göttlicher Herkunft und genossen einer fast göttlichen Verehrung. Im ganzen Lande besaßen sie viele Paläste und Residenzen außer in den beiden Hauptstädten Cuzco und Quito, wie Huanuco, Jauja, Tacanga; ein Lieblingssitz war Yucay bei Cuzco. Der Palast in der Hauptstadt war 350 Schritt lang und ganz mit goldenen Ziegeln gedeckt, reich geschmückt und von großen Gärten umgeben. Die Inkas erschienen in einem prächtigen, farbenreichen Kostüm, dessen Stoff aus der feinsten Wolle gewebt und mit Gold und Edelsteinen verziert war. Ein Federstutz am buntfarbigen Kopftuche war das Abzeichen des höchsten Würdenträgers. Der religiöse Cultus, von den Aymará bereits ausgebildet, gipfelte in der Verehrung der Sonne. Daher gab es viele reich mit Gold verzierte Sonnentempel, in denen auch goldene Götzenbilder errichtet wurden. Daneben fanden auch die Gestirne und Naturerscheinungen, selbst Berge und Felsen, Quellen und Ströme eine religiöse Verehrung. Nach ihrem Tode wurden auch die Inkas unter die Götter versetzt. Die Priesterschaft nahm den höchsten Rang nächst dem Könige ein, die Oberpriester stammten aus fürstlichem Geblüt. Eine strenge Regel ordnete ihr Leben, welches in Zurückgezogenheit auch Fasten und Bußübungen auferlegte. Die Sonnenjungfrauen, welche gleich den Vestalinnen das heilige Feuer zu bewachen hatten, lebten klösterlich in strenger Zucht. Der Opferdienst unterschied sich vortheilhaft von dem mexikanischen, wenn auch hier in einzelnen Fällen Knaben getödtet wurden, denen man, wie bei den Azteken, die Brust mit einem Steinmesser öffnete, um das Herz herauszureißen.

Eine zweite bevorzugte Classe des Volks bildete der Adel, zu welchem einerseits alle Mitglieder der zahlreichen königlichen Familie und Verwandtschaft zählten, denen neben einer sie allein auszeichnenden Tracht auch besondere Vorrechte eingeräumt wurden und die allein auf die höchsten Staatsämter, als Oberpriester, königliche Räthe und Befehlshaber im Heere Anspruch hatten; andererseits rechnete man zu dem Adel die Curacas oder Häuptlinge der unterworfenen und dem Staate einverleibten Volksstämme, sowie die Nachkommen dieser Caziken.

Die große Menge des gemeinen Volkes entbehrte jeder freien Bewegung, jeder Selbstbestimmung. Die Berufsthätigkeit erbte in den Familien stets vom Vater auf den Sohn. Lebensweise und Tracht waren gesetzlich geregelt. Niemand konnte reich, aber auch niemand arm werden, denn das ganze Land, welches in Tempelgut, Königsgut und Staatsgut zerfiel, mußte vom Volke vorschriftmäßig bebaut werden. Die Staatsländereien wurden jährlich nach der Größe der Familien und Gemeinden neu ausgetheilt, und aus den Erträgnissen erhielt jede Familie ihren Lebensbedarf zugewiesen. Darin waren die Peruaner den Azteken in Bezug auf materielle Kultur voraus, daß sie ein werthvolles Haus- und Lastthier, das Lama, besaßen; allein die Lamaherden waren ausschließlich königliches Eigenthum, und von der Wollernte erhielt jede Familie für die Anfertigung der Kleider ihren Antheil zugemessen. In gleicher Weise war alles Gold und Silber als Staatsgut erklärt und fand seine Verwendung fast nur in der Ausschmückung der Tempel und Paläste. Außer Wolle dienten auch Baumwolle und andere Faserpflanzen zur Herstellung der Gewänder. Die Männer trugen kurze Röcke, in jeder Provinz nach vorgeschriebenen Farben; die Frauen lange, hemdenartige Gewänder, dazu Kopfbinden und Sandalen.